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Was sich der indische Pfarrer Aby aus Friesoythe fürs Weihnachtsfest wünscht

Aby Thomas Puthukulangara lebt seit 9 Jahren in Deutschland. Er berichtet, wie unterschiedlich Inder und Deutsche das Weihnachtsfest begehen.

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Vor der Friesoyther Krippe im Aufbau: Pfarrer Aby stammt aus Indien und berichtet, wie in seiner Heimat Weihnachten gefeiert wird. Foto: Wimberg

Vor der Friesoyther Krippe im Aufbau: Pfarrer Aby stammt aus Indien und berichtet, wie in seiner Heimat Weihnachten gefeiert wird. Foto: Wimberg

Auf dem Esstisch steht eine kleine Krippe vor dem Adventskranz. Maria und Josef schauen bereits auf das in Windeln gewickelte Jesuskind, „weil man es nicht herausnehmen kann“, sagt Pfarrer Aby Thomas Puthukulangara und lacht. Ansonsten wäre der Messias natürlich bis zur Heiligen Nacht im Verborgenen geblieben. Und dabei legt der Geistliche, der seit einem Jahr die Friesoyther St.-Marien-Gemeinde unterstützt, Wert auf eine genaue zeitliche Einordnung. „Denn Christus wurde nicht abends, sondern nachts geboren.“

Auch in seiner Heimat im indischen Bundesstaat Kerala wird das so gesehen und das Weihnachtsfest am 24. Dezember mit dem Gottesdienst um 24 Uhr eingeläutet. Die 24 Adventstage davor sind Fastenzeit. „Eine alte christliche Sitte“, klärt der 46-Jährige auf. Fleisch und Fisch gibt es nicht, „wir haben uns vegetarisch ernährt, jeden Morgen um 6 die Messe besucht und an jedem Tag eine gute Tat begangen“, erinnert er sich gerne an seine Kindheit. Mit seinen sechs älteren Geschwistern hat er beispielsweise der Mama geholfen, die Oma besucht oder die Nachbarin freundlich gegrüßt. „Kleine Gesten“, betont der 2002 geweihte Priester der Weltkirche, der nur positive Erinnerungen an das Weihnachtsfest in seiner Familie hat. Keine auf Konsum ausgerichtete Feier, „die wir uns auch hätten gar nicht leisten können“, sondern vielmehr spirituell und auf die Frohe Botschaft angelegt.

Beleuchtete Sterne aus Bambus schmücken die Haustüren

Die Krippe wurde zu Hause immer selbst gebaut, in der Kirche wird sie es bis heute und sieht somit immer anders aus. „Alles, was die Natur so hergibt, findet Verwendung und es ist eine große Gemeinschaftsaufgabe, an der sich viele beteiligen“, berichtet Aby und schwärmt über die mit Kerzen beleuchteten Sterne aus Bambus, die die Haustüren schmücken.

Vor der Mitternachtsmette strömen die Menschen als Nikolaus verkleidet durch die Straßen und holen die Bewohner ab. Christmas-Carol heißt das Singen der Weihnachtslieder, die Stimmung ist ausgelassen „und die Freude groß“.  Am Morgen des 25. genießt die Familie nach den Fastentagen ein besonderes Frühstück, am Abend gibt es Lamm oder Ente, die herzhaft gewürzt werden. „Ich komme ja aus einem Land, in dem der Pfeffer wächst“, informiert Aby augenzwinkernd.

Bis zu 7 Stunden im Beichtstuhl verbracht

Die Beichte ist vor den Festtagen ein wichtiges Sakrament und der Pfarrer weiß noch, dass er als Pfarrer bis zu 7 Stunden im Beichtstuhl saß. Das erlebt er in Deutschland, wo er seit 9 Jahren lebt, studiert und promoviert hat, nicht, aber kritisieren will er „die westliche Welt“ nicht. „Wir sind sehr fromm, aber dadurch nicht die besseren Menschen“, unterstreicht er, auch wenn er sich beim Weihnachtsfest ein bisschen mehr Besinnung auf die eigentliche Bedeutung wünscht. Wenn Kinder und Erwachsene nicht mehr wüssten, warum das Fest überhaupt gefeiert wird, „macht mich das schon traurig“. Glaube als Hoffnung, Hilfe und Halt „tut uns gut“, zeigt sich der Seelsorger überzeugt, den Humor und menschliche Nähe auszeichnen.

Dass auch Weihnachten 2022 längst nicht für alle ein Fest der Freude ist, weiß er aus vielen Gesprächen. „Es gibt so viele Tragödien, Trauer und Krankheit, die gerade an in solchen Tagen noch mal ganz besonders schmerzvoll sind“, so Aby, der als verlässlicher Ansprechpartner Mut und Zuversicht geben und Gemeinschaft bilden möchte. „Das ist unsere Aufgabe, das ist unsere Berufung“, formuliert er nachdrücklich und widmet sich auch an diesem Tag noch seiner Weihnachtspredigt, die die Besucher in Thüle, Markhausen, Altenoythe und Friesoythe hören werden.

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