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Was nun ohne Queen?

Kolumne: Notizen vom Nachbarn – Der Tod der britischen Königin ist immer noch unfassbar, weil sie eben immer irgendwie da war. Sie bleibt ein Vorbild.

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So richtig ernst genommen hatte ich die Meldungen vor 2 Wochen nicht, dass die Queen ein wenig wackelt. Kam ja schon öfter vor, und dann saß sie doch auf einmal wieder auf einem Pferd, im Auto am Steuer auf den Parkwegen in Schloss Windsor oder begrüßte den zigsten neuen Premierminister. Aber dann wurde es doch Wirklichkeit.

Am 8. September um 19.32 Uhr blinkte mein Handyalarm – die Queen, die nie einen Rollator besaß, nur so ein dezentes Stöckchen –ist tot. Ich konnte gar nicht so schnell wählen, wie ich meine Tante anrufen wollte, schließlich sind die beiden ein Jahrgang, und was sollte jetzt passieren ohne das rüstige Vorbild aus dem Königreich? Tante ging nicht ans Telefon, mit Elizabeth eingeschlafen? Nein, dafür war sie mittags noch zu rüstig gewesen, hatte sich über die altmodischen Zöpfe der Kirche aufgeregt und deren Ende prophezeit.

"Danach schenkte sie sich und ihrem Prinzen wie jeden Samstagmittag einen Rosche ein, und er prostete ihr zu – Schlucktied."Antonius Schröer

Tante Lucie war mal wieder auf Ritt, hatte sich abholen lassen zum Doppelkopfspielen in Cloppenburg, während ihre Altersgenossin für immer eingeschlafen war. Ich liebe ja Berichte von Uralt-Geburtstagen in unserer Heimatzeitung, drehe dann jedes Wort um für einen Tipp, wie man selber auch rüstig ein Oldie wird. So richtig fündig bin ich noch nicht geworden, außer die ewigen Ratschläge, Finger weg vom Glimmstängel, Sport treiben und einen wie auch immer geratenen Lebenszweck finden.

Ohne Queen kann sich keiner Great Britain vorstellen

Die Queen hatte das alles. Prinz Philip musste mit dem Trauring die Zigarettenschachtel in den Müll werfen, die Hunde rannten mit ihr durch den Park, und ohne die Queen konnte sich eh keiner Great Britain vorstellen. Trotzdem, ich kenne außer meiner rüstigen Tante so einige im Oldenburger Münsterland, die Elizabeth jetzt überlebt haben. Eine mir gut bekannte Seniorin im Queen-Alter aus Vechta, die dazu noch das Glück hat, mit ihrem 98-jährigen Prinzen im eigenen Haus zu leben, sagte nur: „Die Queen hatte ja auch mehr Stress als wir, wir gehen noch nicht.“ Danach schenkte sie sich und ihrem Prinzen wie jeden Samstagmittag einen Rosche ein und er prostete ihr zu – „Schlucktied“.

Jetzt hat die Queen sich einfach vom Acker gemacht und mich mit den Senioren allein gelassen – das finde ich nicht fair, Elizabeth. Dass, wie meine Tante anmerkte, Ex-Papst Benedikt auch im gleichen Alter noch lebt, ist mir irgendwie keine Hilfe. Ich seh den Benedikt nicht auf dem Pferd reiten, mit den Hunden tollen, James Bond treffen, Doppelkopf zocken oder Schnaps trinken – nur beten ist auch nicht so einfach.

Die Queen bleibt ein Vorbild

Die Queen bleibt jedenfalls ein Vorbild. Mit perfekter Dauerwelle begrüßte sie noch 2 Tage vor ihrem Tod die neue Premierministerin und hat sich dann, wie meine Tante sagte, einfach hingelegt und ist eingeschlafen. So möchte Tante das auch machen – nur jetzt noch nicht.


Zur Person:

  • Der Autor Antonius Schröer führt mehrere Modehäuser.
  • Der 60-Jährige verkörpert das Vechtaer Original „Straßenfeger“ im Karneval.
  • Kontakt: redaktion@om-medien.de.

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