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"Was nehmen Sie mit auf Ihre letzten Reise?"

Das Hospiz "wanderlicht" in Cloppenburg hat ein Projekt zum Welthospiztag auf die Beine gestellt. Das Thema: über die eigene Endlichkeit nachdenken.

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Was ist im Leben wirklich wichtig? Dieser Frage gehen Ann-Kathrin Vaske (von links), Alfons Reinkemeier, Heike Büssing und Gregor Möller-Reemts nach. Foto: Kessens

Was ist im Leben wirklich wichtig? Dieser Frage gehen Ann-Kathrin Vaske (von links), Alfons Reinkemeier, Heike Büssing und Gregor Möller-Reemts nach. Foto: Kessens

"Was nehmen Sie mit auf Ihre letzte Reise?", fragt in einem Projekt das Hospiz "wanderlicht" und will dadurch einen Anstoß geben, über das Leben und die eigene Endlichkeit nachzudenken.

Die Projektbeteiligten Gregor Möller-Reemts und Alfons Reinkemeier als ehrenamtliche Mitarbeiter und Heike Büssing und Ann-Kathrin Vaske als Hauptamtliche ermuntern am heutigen Welthospiztag Gruppen, Vereine und Einzelpersonen, ihren ganz spezifischen Koffer für die letzte Reise zu packen. "Als Hospiz 'wanderlicht' haben wir auch die Aufgabe, das Thema Tod und Sterben in der Gesellschaft zu verankern und aus der Tabuisierung zu befreien", sind sich die Hauptamtlichen einig.

Das Projekt läuft über ein Jahr, beginnend mit dem heutigen Welthospiztag, und endet im kommenden Jahr wieder am Welthospiztag 2022 mit einer Ausstellung im Kulturbahnhof. "Danach können wir uns sogar vorstellen, dass die Ausstellung auf Wanderung geht, so dass das Thema unserer eigenen Endlichkeit in der Gesellschaft präsent ist", hoffen die Verantwortlichen.

Selbst ein Handy kann den Weg in den Koffer finden

Im Vorfeld hatten die Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen das Projekt intensiv diskutiert, und der Spannungsbogen von der ersten Idee bis zum Welthospiztag steige täglich, sagen sie. Verschiedene Ansätze des Packens werde es vermutlich geben, meint Möller-Reemts. "Das Gestern, das Heute, das Morgen, sind es Gegenstände, oder sind es aufgeschriebene Gedanken", fragt er sich. Selbst ein Handy, in dem eine Menge an Auskünften über eine Person zu finden ist, könne den Weg in den Koffer finden.

Möller-Reemts ist sich klar, dass der oder die Koffer Packende dem Koffer Betrachtenden den Blick in sein Innerstes preisgibt. Deshalb sei es zwingend notwendig, mit der entsprechenden Person, das Problem ausgiebig zu erörtern.

"In der Regel haben wir das Kofferpacken vor einer Urlaubsreise gut im Griff", meint Reinkemeier, "doch wie steht es um unsere letzte Reise", fragt er, "sind wir gut vorbereitet oder verdrängen wir lieber den Gedanken an Sterben und Tod?" Die letzte Reise sei halt eine Reise ins Ungewisse ohne Wiederkehr, eine Grenzerfahrung ganz anderer Art.

Es braucht Zeit, die richtigen Gegenstände für die Reise zu finden

Das Hospiz "wanderlicht" gebe dem Sterben und den damit verbundenen Fragen Raum und bleibe trotzdem dem Leben zugewandt. Durch die Rückbesinnung auf das, was im Leben wichtig war, verliere das Leben an Oberflächlichkeit und gewinne an Tiefe.

Die Mitarbeitenden des Hospizes "wanderlicht" hatten im Laufe der letzten Monate bereits einen Koffer anonym gepackt. Es habe eine längere Zeit gedauert, bis die ersten Gegenstände den Platz im Koffer gefunden hatten, informieren Büssing und Vaske. Doch nach und nach füllte sich der Koffer mit Erinnerungen, wie zum Beispiel ein Trikot des FC Köln, ein persönlich geschriebener Brief oder eine Trompete.

  • Info: Die Projektbeteiligten werden gezielt Einzelpersonen, Gruppen und Vereine ansprechen.

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