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Was in einer Beziehung alles passieren kann

Kolumne: Recht hat, wer Recht bekommt – Von Körperverletzung bis Freiheitsberaubung: Das Verhältnis eines Vechtaers (26) mit einer Frau aus dem Ammerland (24) führte zu insgesamt sechs Straftaten.

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Die Verhandlung vor dem Strafgericht hätte auch eine Grundlage für einen Film sein können. Es war alles drin, was in einer Beziehung, genauer gesagt in zwei Beziehungen alles passieren kann und dann auch noch in einer Anklage der Staatsanwalt landet und bei der Strafrichterin auf den Tisch kommt. Knapp 6 Stunden lang ging es insgesamt um sechs Straftaten.

Es reichte von Körperverletzung über Freiheitsberaubung bis Nötigung – Letzteres auch im Straßenverkehr. Dabei ging es eigentlich nur um Liebe, Abhängigkeit in einer Beziehung. Ein 26-jähriger Vechtaer hatte sich in eine 24-Jährige aus dem Ammerland verliebt. Die hatte zuvor eine Beziehung mit einem 24-Jährigen, auch aus dem Ammerland, bei dem die 24-Jährige auch gewohnt hatte und wieder wohnt.

Erste Tat: Würgen der Ex-Freundin

Im Mai 2021 zog die junge Frau zu dem Freund nach Vechta in dessen Wohnung. Nach 2 Wochen war es vorbei, sie zog wieder zum Ex-Freund ins Ammerland, kam aber hin und wieder für ein paar Tage zum Ex-Freund nach Vechta. Wie oft und wie lange, das konnte niemand so richtig sagen.

Zwischen dem 7. Mai und dem 2. Juli 2021 kam es dann zu sechs Straftaten des Vechtaers. Die erste Tat war, dass der Angeklagte seine Ex kurz würgte. Das räumte er auch ein. Dann fuhr er mit der Freundin von Vechta Richtung Ammerland – sie wollte wieder zu ihrem Ex – und nach heftiger Diskussion wollte die 24-Jährige unterwegs aus dem Auto aussteigen. Das wollte der Fahrer aber nicht. Schließlich kam sie raus, setzte sich auf den Boden und wurde von ihrem Ex abgeholt. Dann fuhr der Vechtaer hinter dem Ex-Freund, der seine Ex in Vechta von der Arbeit abgeholt hatte, her, überholte das Paar auf der Autobahn und bremste das Auto des Paares abrupt aus.

"Als die Freundin dann ihre Sachen aus der Wohnung des Vechtaers abholen wollte, gab es wieder Streit."Klaus Esslinger, Kolumnist

Als die Frau dann ihre Sachen aus der Wohnung des Vechtaers abholen wollte, gab es wieder Streit. Der Vechtaer wollte die Abholerin aus seinem Auto drücken, der Wagen rollte und die Frau griff nach den Instrumenten im Auto. Der Spiegel wurde abgeschlagen und als der Ex-Freund schließlich dazu kam, wurde auch dessen Auto-Spiegel abgeschlagen. Die Brille der Frau landete im Gebüsch, wurde aber wieder zurückgeholt – und so weiter und so weiter.

Der Angeklagte räumte viele Punkte der Anklage ein, bei einigen stufte er das aber nicht so ein, wie die Staatsanwältin es in der Anklage formuliert hatte. Häufig wurde die Polizei gerufen, es gab viele WhatsApps, weggenommene Handys und vieles mehr. Die Ex und deren "Wieder“-Freund sagten als Zeugen aus und es ging darum, warum das alles in den Beziehungen passieren konnte. So richtig wusste das niemand.

Die Frage war, wie der Angeklagte zu bestrafen sei. Schließlich verurteilte die Strafrichterin ihn zu einer Freiheitsstrafe von 5 Monaten auf Bewährung, einer Geldauflage von 1000 Euro und verfügte eine Sperrfrist für die Fahrerlaubnis von 6 Monaten, mit Ausnahme des "T"-Scheins“ für Traktorfahrten, den der Angeklagte berufsmäßig braucht.


Zur Person:

  • Klaus Esslinger ist Gerichtsreporter und war viele Jahre Lokalchef der Oldenburgischen Volkszeitung.
  • Kontakt zum Autor über: redaktion@om-medien.de.

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