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Was für eine Kur wirklich wichtig ist

Birgit Hemme und Claudia Claus beraten Frauen im Vorfeld einer Kur. In 2020 wurden 589 bewilligt – doch nicht nur für Frauen. Auch Männer und pflegende Angehörige haben die Möglichkeit.

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Als Ansprechpartnerin in Löningen und Cloppenburg: Birgit Hemme (links) berät Frauen wie Claudia Claus im Vorfeld einer Kur. Foto: Kattinger

Als Ansprechpartnerin in Löningen und Cloppenburg: Birgit Hemme (links) berät Frauen wie Claudia Claus im Vorfeld einer Kur. Foto: Kattinger

Manchmal sieht sie selbst nicht, was sie leistet: Claudia Claus aus dem Landkreis Cloppenburg. 3 Kinder zwischen 17 und 22, die zu Hause leben; Tiere, die versorgt werden müssen; ein kleines Gewerbe auf dem Grundstück und eine halbe Stelle als Fachkrankenschwester für Anästhesie.

Letzteres eine Aufgabe, die seit Corona mehr in die Knochen geht als zuvor, schildert die 53-Jährige. Verlängerte Aufwachphasen bei Schwerstkranken seien beispielsweise hinzugekommen. Den Satz "Mal eben noch" höre sie nicht nur einmal am Tag. Schneller gereizt sei sie irgendwann gewesen. "Schneller auf 180", sagt sie, die liebevoll von "meinen" Patienten spricht, denen sie im Aufwachraum allen gerecht werden will.

Für Kurberaterin Birgit Hemme ein typisches Beispiel. Die Kernfalle vieler Frauen in Anbetracht von derzeitigem Homeoffice und Homeschooling der Kinder: Der Anspruch, perfekt sein zu wollen. Will heißen: "Frauen schielen nach rechts und links, sehen die Nachbarin und Freundin, die das doch auch alles schafft", erlebt die Caritasmitarbeiterin. Abwechselnd arbeitet Hemme in Löningen und Cloppenburg. Dabei gebe es diese 'Superwomen' überhaupt nicht. "Das ist ein Trugbild", ist die Kurberaterin überzeugt. Viele Frauen sehnten sich vielmehr danach, ihre Maske abzulegen.

Den gefüllten Rucksack leeren und dabei Ballast abwerfen

Das merke Hemme alleine schon daran, dass sie in der Beratung immer ihre "Taschentuchbox" brauche. Die Bronchitis des Sohnes sei es und die Neurodermitis der Tochter, mit der ihre Klientinnen zu Tür hereinkämen. Erst im Laufe eines Gespräches werde den Rat suchenden Frauen klar, wie schlecht es ihnen selbst ginge.

Sich einzugestehen, dass man – warum auch immer – am Ende sei, sei dabei der erste und wichtigste Schritt. Der Gedanke an eine Kur, von der sich viele im Moment nicht trauen, sie zu beantragen, sei keine Zauberei, aber ein "Auf-den-Weg-bringen".

Wichtig sei, dass es bei all dem um Vorbeugung gehe, betont Kurberaterin Annika Riedmann aus Vechta. Den Rucksack der Frauen, der immer mehr gefüllt wurde, auch mal auszuleeren und gleichzeitig Ballast loszuwerden. Riedmann: "Damit sich aus Niedergeschlagenheit und Erschöpfung nicht eine ausgewachsene Depression entwickelt." Kuren, die auch Väter und pflegende Angehörige beantragen können. Und selbstverständlich auch Mütter mit Kindern. Und das auch jetzt in Corona-Zeiten.

"Sich mal an einen gedeckten Tisch setzen. Nicht überlegen müssen: 'Was koche ich morgen?'"Claudia Claus über Dinge, die helfen können

Helfen während eines Aufenthaltes würden Dinge, die für viele völlig banal klingen: "Sich mal an einen gedeckten Tisch setzen. Nicht überlegen müssen: 'Was koche ich morgen?'", blickt Claudia Claus auf ihre 3 Sauerland-Wochen im letzten Dezember zurück. Glücklich habe sie gemacht, dass das Jammern und Klagen der anderen 15 Frauen nach der zweiten Woche "wie mit einem Schalter umgelegt" worden wäre. "Dann haben wir nur noch gelacht."

Mit zurückgenommen habe sie Impulse für den Alltag wie die Abkürzung "A-L-I", sagt die Südoldenburgerin: in schwierigen Situationen "Atmen, Lächeln und Innehalten". Mitgenommen habe sie auch WhatsApp-Kontakte zu den Frauen, die mit ihr in der Auszeit waren. Was sie sich und anderen Frauen zum Muttertag wünscht? Eines sei klar: "Der Blumenstrauß alleine tut es nicht."

  • Weitere Infos: Sigrid Möller, Referentin für Kur- und Erholung, Landes-Caritasverband für Oldenburg, Tel. 04441/8707-0.

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