Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

#Warum Radfahren alleine das Klima nicht rettet

Kolumne: Irgendwas mit #: Was tue ich eigentlich, um dem Klimawandel entgegenzutreten? Etwas. Doch reicht das? Warum es dennoch auf jeden Einzelnen in diesem Kampf ankommt, will ich hier klären.

Artikel teilen:

Der Fahrtwind weht durchs Haar. Der kleine Tacho am Lenker zeigt 30 Kilometer pro Stunde an. Rad fahren. So könnte es sein.

Draußen scheint jetzt die Sonne. Es ist sommerlich warm. Die Frage steht im Raum: Auto oder Fahrrad für die anstehende, 7 Kilometer lange Strecke? Wie würden Sie sich entscheiden? Entspannt rund 10 Minuten im klimatisierten Auto sitzen, oder 25 Minuten lang in die Pedale treten (wohlgemerkt ohne die elektrische Unterstützung) in der prallen Nachmittagssonne. Eine schwere Entscheidung.

Plötzlich klingelt da mein Klimabewusstsein. Oder nennen Sie es Verantwortung der Umwelt gegenüber. Die Verantwortung, die meine Generation, die Generation Z, in den vergangenen Jahren quasi wie ein Fels in den Weg gelegt bekommen hat. #FridaysforFuture. Schließlich geht es um unsere Zukunft. 

Was heißt es eigentlich, das Klima zu retten?

Das Auto – ein Benziner – für diese kurze Strecke zu nehmen, das wäre doch fatal? Auf der anderen Seite ist die Zeit mittlerweile schon knapp. Der Pkw wäre vielleicht doch besser. Um es kurz zu machen: Ich habe mich fürs Fahrrad entschieden. Ich bin pünktlich angekommen und erholsam war's am Ende auch. Doch gerettet habe ich mit dieser kleinen Radtour das Klima sicherlich nicht.

Was heißt es eigentlich, das Klima zu retten? Ich fahre immer wieder mal mit dem Rad. Oft bin ich, zugegeben, aber mit dem Auto unterwegs. Klimarettung – wohl eher nicht so. Ich esse wenig Fleisch, und wenn, dann aus artgerechter Haltung. Klimarettung – ein kleines bisschen vielleicht. Dann ist da noch das Papier. Ich bedrucke es beidseitig zum Ärger mancher Kollegen. Ein paar kleine Bäume habe ich damit schon gerettet. Doch auch das Klima? 

Der deutsche ökologische Fußabdruck ist viel zu groß

Nicht fliegen, den Strom- und Wasserverbrauch reduzieren oder Second-Hand-Kleidung kaufen. All das wären kleine Schritte, die jeder in seinem oder ihrem Alltag umsetzten könnte. Jetzt fassen Sie sich mal an die Nase: Halten Sie sich wirklich daran?

Auf der Strecke von Vechta nach Goldenstedt kommen mir 15 SUVs – also diese XXL-Autos, die eigentlich fast kein Mensch braucht, außer fürs eigene Ego vielleicht – entgegen. Das muss echt nicht sein. Dann gibt es diese Menschen, die von Hamburg in den Süden fliegen. Der Deutsche Süden wohlgemerkt. Das muss nicht sein. 

Dass die Auswirkungen des Klimawandels schon längst spürbar sind, ist in der Politik nicht strittig. Außer vielleicht beim rechten Rand. Dass der Kampf gegen den Klimawandel weh tut, wird auch in der Politik immer deutlicher. Und doch ist der Aufschrei groß, als etwa die Grünen höhere Spritpreise fordern. Das tut doch zu sehr weh?

"Radikaler Klimakampf tut nicht nur weh, sondern schmerzt richtig heftig. Er wird starke Einschnitte in unser gesellschaftliches Leben reißen."Jan-Christoph Scholz

Radikaler Klimakampf tut nicht nur weh, sondern schmerzt richtig heftig. Er wird starke Einschnitte in unser gesellschaftliches Leben reißen. Er muss sein, denn there is no Planet B. Die einzige Frage ist: Wann beginnt der Kampf? Lieber langsam, dafür ab einem gewissen Punkt extrem heftig, weil das Schiff kurz vorm Kentern ist? Oder doch lieber gleich stark, dafür effektiv und vielleicht mit kleineren Sorgen für zukünftige Generationen verbunden?

Die anstehende Bundestagswahl wird die Wahl, die über diesen Weg entscheidet. Ob die Grünen für den radikalen Weg die einzig richtige Partei sind, bleibt fraglich. Schauen wir doch nur ins grüne Baden-Württemberg, wo immer noch Kohle verfeuert wird und Windräder Mangelware sind. Forderungen und die Realität klaffen bei dieser Partei bekanntlich auseinander.

Die Bundestagswahl wird eine Schicksalswahl

Radfahren alleine rettet das Klima nicht. Eine Gesellschaft und eine Politik, die jetzt anfangen, radikal und konsequent zu handeln, können dies schon ein wenig mehr tun. Auch wenn Teile Europas und der Welt nicht gleich mitziehen werden, ziemlich bald müssen sie gezwungenermaßen auf den Zug mit aufspringen.

Es liegt ein Stück weit an jedem Einzelnen und vor allen in den Händen derer, die im September ihr Kreuz setzen dürfen. Und vielleicht muss ich meine Enkel – so im Jahr 2070 – nicht bei Hochwasser besuchen, sondern ganz normal und kann ihnen sagen: Mit einem Fahrrad hat damals alles angefangen. Eine Utopie? Das entscheiden wir. Nur eines sei sicher, die Zeit rennt.


Der Kolumnist

  • Jan-Christoph Scholz ist Volontär der OM Medien.
  • Sie erreichen den Autoren per Mail an: redaktion@om-medien.de.

Sie wollen nichts verpassen, worüber das Oldenburger Münsterland spricht? Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter „Moin, OM!“. Er fasst für Sie das Wichtigste für den Tag auf einen Blick zusammen – immer montags bis freitags zum Start in den Tag.  Hier geht es zur Anmeldung 

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

#Warum Radfahren alleine das Klima nicht rettet - OM online