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Warum in Wahlde ein Aussichtsturm für Diskussionen sorgt

Die einen möchten ihn unbedingt erhalten. Die anderen halten das unter anderem aus Kostengründen nicht für möglich. Der Turm auf dem Steigenberg könnte noch für weitere Debatten stehen.

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Zutritt versperrt: Wegen der Baufälligkeit ist das Betreten des Aussichtsturms längst nicht mehr möglich. Foto: Lammert

Zutritt versperrt: Wegen der Baufälligkeit ist das Betreten des Aussichtsturms längst nicht mehr möglich. Foto: Lammert

Der Aussichtsturm auf dem Neuenkirchener Steigenberg in der Nähe der Clemens-August-Klinik hat wahrlich schon bessere Zeiten erlebt. Seit acht Jahren ist er für die Öffentlichkeit gesperrt. Der Grund: Das Bauwerk ist marode, das Holz morsch, das Betreten des Gebäudes ist lebensgefährlich. Inzwischen ist das Erdgeschoss mit Platten so versperrt, dass der Zugang nur noch ausgesprochenen Kletterkünstlern möglich wäre.

Die Gemengelage ist nicht ganz einfach. Der Turm steht auf dem Gelände der Clemens-August-Klinik. Eigentümer ist der Heimat- und Verschönerungsverein Neuenkirchen. Beteiligt ist aber auch der Zweckverband Erholungsgebiet Dammer Berge, der dem Turm vor einigen Jahren ein Dach als Schutz vor Wettereinflüssen finanzierte, was wohl, so meinte es jedenfalls Neuenkirchen-Vördens Bürgermeister Ansgar Brockmann, etwas zu spät passiert sei.

Bislang letztes gespräch am 11. September 2019

Gespräche darüber, wie es mit dem Turm weitergehen soll – letztlich stehen nur die Alternativen Sanierung oder Abriss und eventueller Neubau im Raum – gibt es schon seit Jahren. Zuletzt saßen die Beteiligten am 11. September 2019 zusammen.

Unterdessen fasste eine Mitgliederversammlung des Heimatvereins den Beschluss, sich für den Erhalt und damit die Sanierung des Turms einzusetzen. Darüber habe er mit dem Vereinsvorsitzenden Ludger Bley gesprochen, sagte Ansgar Brockmann.

Nach seinen Informationen habe der Vorsitzende bei der für Ende März 2020 terminierten Mitgliederversammlung erneut über das Thema abstimmen lassen wollen mit dem Ziel, den Beschluss zu ändern. Allerdings fiel diese Versammlung wegen der Corona-Pandemie aus.

Seitdem herrschte Schweigen im Walde, bis der Heimatverein das Thema "Aussichtsturm" nun auf die Tagesordnung seiner am 19. November (Freitag) ab 19 Uhr im Restaurant Pohlmann in Nellinghof stattfindenden Versammlung gesetzt hat.

"Der Turm ist auf. Er ist nicht mehr sicher."Ansgar Brockmann, Bürgermeister

Unter dem zehnten Tagesordnungspunkt werden sich die Mitglieder mit dem Turm befassen. An der Aussprache können sich nach Angaben Ludger Bleys auch Nicht-Mitglieder des Vereins beteiligen. Für Bürgermeister Brockmann, der aus terminlichen Gründen nicht an der Zusammenkunft teilnehmen kann, steht fest: "Der Turm ist auf. Er ist nicht mehr sicher."

Mit Blick auf eine mögliche Sanierung gibt er zu bedenken: Wegen der inzwischen gewachsenen Bäume ist die Fernsicht längst nicht mehr so gut wie in früheren Jahren. Eine Erhöhung des Turms sei aber aus statischen Gründen ein schwieriges Unterfangen, denn es würde ein komplett neues Fundament voraussetzen.

"Auf Dauer kann der Turm dort nicht stehen bleiben.“"Johannes Grelle, Clemens-August-Klinik

Johannes Grelle, der Verwaltungschef der Clemens-August-Klinik, hält den Turm nicht für reparabel. Wegen des maroden Zustands bleibe letztlich nur der Abbau: "Auf Dauer kann der Turm dort nicht stehen bleiben."

Prinzipiell, ergänzte er, würde die Klinik den Standort für einen neuen Turm bereitstellen, der dann auch wieder eine touristische Attraktion und damit positiv für das Image des Erholungsgebiets Dammer Berge wäre. Aber auch für andere Nutzungen im Sinne des Tourismus' wie etwa Bewegungsparcours oder Spielplätze würde die Klinik das Gelände hergeben.

In dem Zusammenhang verwies Ansgar Brockmann auf den ebenfalls seit längerem diskutierten Vorschlag, nach dem Abriss des Turms auf dem Steigenberg das Projekt Dreesberg zu verfolgen. Dort stehe am Wahlder Weg bereits eine Aussichtsplattform. Ein an der Stelle errichteter neuer Turm, der nur drei bis fünf Meter hoch sein müsste, würde eine "grandiose Fernsicht" ermöglichen.

"Er ist ein Leuchtturm in der Gemeinde."Ludger Bley, Heimatvereinsvorsitzender

Ludger Bley mutmaßt im Vorfeld der Versammlung des Heimatvereins, dass die Mitglieder sich trotz des Alternativvorschlags erneut gegen den Abriss des Aussichtsturms aussprechen könnten. "Er ist ein Leuchtturm in der Gemeinde."

Egal, welche Lösung am Ende herauskommt, letztlich wird auch das Geld eine Rolle spielen. Ein neuer Turm am selben Standort werde einige Hunderttausend Euro kosten, vermutete der Bürgermeister. Selbst wenn es Zuschüsse geben sollte, würde bei der Gemeinde ein erheblicher Eigenanteil verbleiben, den sie nur schwerlich stemmen könnte. Für einen Abriss dagegen hat die Gemeindeverwaltung vorsorglich Mittel im Haushalt für das kommende Jahr ausgewiesen – natürlich vorbehaltlich der Zustimmung des Gemeinderates.

Grelle: Um Fördermittel muss sich jemand kümmern

Für Johannes Grelle ist klar, in Sachen Turm gebe es verschiedene Fördertöpfe, die sich anzapfen lassen. Aber um an die Mittel zu kommen, "muss einer den Hut aufhaben und sich darum kümmern".

In dem Zusammenhang sagt Ludger Bley, fühle sich der Heimatverein von der Gemeinde etwas im Stich gelassen. Er habe gehofft, dass sich die Verwaltung um Fördermöglichkeiten kümmert.

"Wer zahlt den Abriss, wer zahlt einen neuen Turm, der höher sein muss als der jetzige?"Bernd Stolle, Tourismus-Geschäftsführer

Auch Bernd Stolle, Geschäftsführer der Tourist-Information Dammer Berge, hält die Frage nach der Finanzierung des Aussichtsturm-Projektes für die entscheidende. "Wer zahlt den Abriss, wer zahlt einen neuen Turm, der höher sein muss als der jetzige?" fragte er. Bei einem Neubau auf dem Steigenberg favorisiert er einen stählernen Turm, "wegen der Haltbarkeit".

Grundsätzlich hält er Aussichtstürme aus touristischer Sicht für eine gute Sache. Das zeige sich zum Beispiel am ungebrochen großen Zuspruch zum Turm auf dem Dammer Mordkuhlenberg. Nicht umsonst gebe es das Drei-Türme-Projekt, zu dem neben denen Türmen auf dem Mordkuhlenberg und Steigenberg auch ein noch bei der Dersaburg in Holdorf geplanter, aber noch nicht gebauter Turm gehört.


Fakten:

  • Den Aussichtsturm auf dem Steigenberg bei Wahlde errichtete 1972 die 3. Kompanie des Pionierbataillons II der Bundeswehr.
  • Die Bauleitung übernahm seinerzeit der Architekt und Zimmermeister Josef Lahrmann. Von seiner Aussichtsplattform fiel der Blick anfangs, als die Bäume in der Umgebung noch nicht so hochgewachsen waren, der Blick in das Osnabrücker Land und bis zum Wiehengebirge.

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