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Warum ich Konzerte vermisst habe

Meine Woche: Die Karten habe ich für 2020 gekauft. Das Konzert aber erst 2022 besucht. Doch fühlt sich das Konzert wie vor der Corona-Pandemie an?

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Die Schlange hinter mir reicht bereits um zwei Kurven herum. Stück für Stück arbeite ich mich vorwärts. Hinter mir kommen immer mehr Menschen. Nach 20 Minuten ist es geschafft. Ein Blick in meine Tasche genügt dem Mann am Eingang. Mit der Hand reißt er die Eintrittskarte ab. 2020 steht darauf geschrieben. Die Schrift auf der Karte ist schon ein wenig verblasst. Wie viele Monate hing die Karte bei mir im Zimmer?

Von der Bühne hallt der Bass. 20.000 Menschen drängen sich in ihre Richtung. Ich stehe mittendrin. Dicht an dicht, keine Abstände und keine Masken. Da ist nur die Musik. Der Mann neben mir bläst mir hemmungslos den Rauch seiner Zigarette ins Gesicht. Das junge Mädchen hinter mir rempelt mich immer wieder mit ihrem Arm an, wenn sie versucht, mit ihrem Smartphone den Sänger auf der Bühne zu filmen. Für die Story versteht sich. Und dann singen auf einmal 20.000 Menschen mit dem Musiker auf der Bühne. Gänsehaut. Ich habe es vermisst.

In dieser Woche habe ich mein 3. Konzert innerhalb weniger Wochen besucht. Die Karten dafür stammen allesamt aus dem Jahr 2020. Gekauft in der Hoffnung, den Lieblingskünstler live zu sehen. Doch dann kam die Corona-Pandemie. Aus Festivals wurden Picknick-Konzerte. Aus 20.000 Menschen wurden einige Hundert. Das war ein kleiner Trost, doch da fehlte etwas: die Nähe, die Gemeinschaft, das Tanzen und das Mitsingen.

Einigen Musikern rutscht auf der Bühne ein Textfehler durch

Die Frage ist heute: Kann ich das überhaupt noch? Wenn ich mich vor der Bühne so umschaue, haben sich das wohl viele gefragt. Genauso aufgeregt wirken die Musiker, wenn sie wieder vor Tausenden Menschen stehen. Da rutscht dem einen oder anderen auch ein Textfehler durch.

Doch ist ein Post-Corona-Beschränkungen-Konzert identisch mit dem, was wir vor der Pandemie kannten? Meine Antwort: nein. Es fühlt sich noch näher, intensiver und authentischer an. Wirklich? Wer mir nicht glaubt, dem kann ich raten: Probieren Sie es einfach aus! Eines sei noch gesagt, bevor Sie sich vor die Bühnen im Norden zwängen: Einen weiteren Unterschied zu damals gibt es. Ihr Smartphone leuchtet danach rot. Die Corona-Warn-App meldet sich ganz zaghaft. Die Pandemie ist leider doch nicht vorbei. Schade.


Zur Person:

  • Jan-Christoph Scholz ist Volontär der OM-Medien.
  • Sie erreichen den Kolumnisten per E-Mail an: redaktion@om-medien.de.

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