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Warum es im Holdorfer Hallenbad teuer werden kann

Die 1972 eröffnete Badeanstalt hat viele Mängel. Eine Sanierung und Neugestaltung würde mehr als 1 Million Euro kosten.

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Besichtigung im Keller: Über die Schäden informierten sich die Mitglieder des Schul- und Kulturausschusses. Foto: Röttgers

Besichtigung im Keller: Über die Schäden informierten sich die Mitglieder des Schul- und Kulturausschusses. Foto: Röttgers

Ausnahmsweise im Holdorfer Sportzentrum an der Großen Eschstraße empfing die Vorsitzende des Schul- und Kulturausschusses, Inge Olberding (SPD), die Mitglieder und weitere Interessierte. Der Grund: Das 1972 eröffnete Hallenbad ist sanierungsbedürftig. „Seitdem ist eigentlich nichts gemacht worden“, erklärte Schwimmmeister Daniel Fraß. Der „Zahn der Zeit“ nage insbesondere an den Umkleideräumen und Duschen, konstatierte der Schwimmmeister und zeigte auf diverse schadhafte Stellen, an denen nicht nur eine Verletzungsgefahr im Barfußbereich droht.

„Die Fugen sind ausgewaschen, und es besteht die Gefahr, dass sich Algen, Pilze und anderweitig krankheitsgefährdende Keime bilden“, monierte Fraß. Mit der Sanierung und Neugestaltung der Umkleiden und Duschen hatte die Gemeindeverwaltung deshalb im Vorfeld bereits die Firma „K2 Plan“ aus Vechta beauftragt, einen ersten Entwurf zu erstellen. Der Kostenpunkt: rund 1.125 Millionen Euro.

Wenn das Wasser aus den Wänden tropft

Diplom-Ingenieur und Architekt Hans Hermann Kruth informierte die Ausschussmitglieder darüber, dass inzwischen das gesamte verbaute Metall verrostet, Abwasserrohre undicht und Dichtungen mittlerweile so porös seien, sodass im Keller zum Teil Wasser auf die dort an der Wand installierte Elektrik tropfe. Schwimmmeister Fraß führte die Kommunalpolitiker dazu in den Keller der Schwimmhalle und zeigte 50 Jahre alte Technik, die noch auf Holz gebaut ist und mahnte, auch den Brandschutz zu beachten.

Im Keller des Sportzentrums befinde sich zudem ein Blockheizkraftwerk (BHKW), das das Schulzentrum mit der Grundschule Holdorf und der Oberschule Georg-Kerschensteiner-Schule sowie das Sportzentrum mit Wärme und Strom sowie die Flutlichtanlage versorge. „Die Schäden werden größer!“, appellierte der Architekt an den Ausschuss. „Wenn jetzt nichts unternommen wird, dann fallen in 1 bis 2 Jahren die Fliesen einfach von den Wänden.

Neben rollstuhlgerechten Umkleidekabinen sieht der K2-Plan-Entwurf 15 neue Einzelkabinen vor, die zum Teil mit familienfreundlichem Wickeltisch ausgestattet werden sollen. Im sogenannten Stiefelbereich, also bevor der Schwimmgast sich seines Schuhwerkes entledigt, sind Fönplätze, Waschbecken und Ablagen angedacht. Im Barfußbereich, der von der Mitte her nach beiden Seiten gespiegelt und von der Aufteilung identisch sein könne, sind neben Sammel- und Einzelkabinen Schließfächer für persönliche Wertgegenstände vorgesehen.

Eine Runderneuerung wäre wohl unumgänglich

„Auch die Damen- und Herrenduschen sowie die Toilettenanlagen müssen komplett runderneuert werden“, erklärte Kruth die anfallenden hohen Kosten. Alles müsse zudem entkernt werden, der Beton benötige neue Abdichtungen, neue Fliesen müssten ebenfalls her. Heutzutage verwende man „HPL-Material“, führte der beauftragte Architekt aus. „High Pressure Laminate“ seien Schichtstoffplatten mit besonders hoher Langlebigkeit und Stoßfestigkeit.

Trink- und Frischwasserleitungen würden ebenso erneuert wie die Schränke und die in die Jahre gekommenen Lichtkuppeln an der Decke. Einziger „Lichtblick“: Die vorhandene Technik sei „noch zu jung“, um ausgetauscht werden zu müssen, konstatierte Kruth. „Da machen wir ein Fass auf“, erklärte der CDU-Politiker Heinz Bröer bezüglich der anfallenden Kosten während der Besichtigung vor Ort.

Zurück im Sitzungssaal des Rathauses brachte Bürgermeister Dr. Wolfgang Krug die Diskussion auf den Punkt: „Was wollen wir:  Sanieren oder einfach noch ein paar Jahre so über die Runden kommen?“, fragte der Verwaltungschef ergebnisoffen die beteiligten Fraktionen. „Wer zwei-, dreimal baut, baut teurer“, gab Dr. Krug zu bedenken.

Die Fraktionen wollen noch keine Entscheidung treffen

Der Vorsitzende der Gruppe CDU-Fraktion/FDP, Jan-Dierk Brand, stellte dar, dass ein „bloßes Flicken mehrere 100.000 Euro“ koste, verwies in der Problematik auf eine ähnliche Situation „wie bei der Industriestraße“ und sprach sich dafür aus, das „Ganze vernünftig zu regeln und anzupacken“, wollte aber noch nicht im Namen seiner Fraktion vorschnell und im Alleingang eine abschließende Entscheidung treffen, sondern das ganze Thema zunächst „zurück in die Fraktionen“ geben, um sich intensiv beraten zu können. So äußerten sich auch die anderen beiden Fraktionen.

„Wir müssen uns noch weiter besprechen und zunächst die anfallenden Fragen sammeln, damit wir schneller vorankommen“, bat Ute Rybka-Beckermann von der IGeHo um zusätzliche Zeit. Die Ausschussvorsitzende Olberding und ihre Parteikollegin Janine Wienholt befürworteten zwar bereits „die komplette Sanierung statt Stückwerk“, wollten aber ebenfalls noch nicht abschließend Position beziehen.

Bürgermeister Dr. Krug zeigte sich zudem „hoffnungsvoll“, dass das Land Niedersachsen im kommenden Jahr das Finanzierungsprogramm der Sportstättenförderung wieder auflegen und seine Gemeinde dann davon profitieren könne. Eines sei aber sicher: Für ein „attraktives Schwimmbad muss Holdorf tief in die Tasche greifen".

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