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Warum ein Litauer jeden Tag die OV liest – in Litauen

Kestas Saplinskas ist Rektor einer Schule in Telšiai, die eine Partnerschaft mit dem Kardinal-von-Galen-Haus in Dinklage pflegt. Deshalb informiert er sich täglich über die Entwicklungen in der Stadt.

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Kennt sich dank der OV in Dinklage gut aus: der Litauer Kestas Saplinskas. Foto: Böckmann

Kennt sich dank der OV in Dinklage gut aus: der Litauer Kestas Saplinskas. Foto: Böckmann

Den Namen des neuen Dinklager Bürgermeisters? Nein, den hat sich Kestas Saplinskas dann doch noch nicht merken können. Er nennt ihn einfach nur "den neuen Bittner".  Doch wer sich mit dem 59-Jährigen über Themen aus Dinklage im Speziellen und dem Landkreis Vechta im Allgemeinen unterhält, der mag sich wundern, wie gut sich Kestas Saplinskas darin auskennt. Über Politik, bauliche Veränderungen und vor allem Sport. Denn Kestas Saplinskas wohnt nicht im Landkreis Vechta, er ist auch nicht in Südoldenburg aufgewachsen. Sondern er ist Litauer. Ein Litauer, der sich besonders für Dinklage interessiert – und deshalb seit rund 15 Jahren täglich die Oldenburgische Volkszeitung liest.

Das hat natürlich einen Grund. Kestas Saplinskas ist Rektor der Naujamiesčio-Förderschule in Telšiai im Westen Litauens. Mit dieser Schule (86 Schüler, 55 Mitarbeiter) hat das Kardinal-von-Galen-Haus seit 1995 eine Partnerschaft. Kestas Saplinskas war jetzt wieder mit einer kleinen, siebenköpfigen Delegation der Bildungseinrichtung zum Besuch in Dinklage. Für den Schulleiter selbst war es seit 2001 der 35. Aufenthalt in der Burgwaldstadt.

Zeitunglesen hilft, Deutsch zu verbessern

In dieser Zeit hat er Dinklage schätzen und lieben gelernt. Um zu wissen, was sich in Dinklage und der Region tut, liest Kestas Saplinskas jeden Morgen zunächst die OV auf ihren Online-Portalen und hört nebenbei NDR 1. Sein Deutsch hat er dabei peu à peu verbessert. Er versteht sehr vieles und kann sich auf Deutsch gut mit seinen Freunden aus Dinklage verständigen. Und wenn nicht, dann hilft eben eine Übersetzungs-App. Oder, wie jetzt beim Besuch in Dinklage, Dolmetscherin Irena Petrauskiene.

Über Dinklage ist Kestas Saplinskas, der bereits 2005 für sein Engagement bei der deutsch-litauischen Freundschaft die Goldene Ehrennadel der Stadt Dinklage erhalten hat, auch im fernen Litauen gut informiert. Der Friedhofsschatz, der vom Austrocknen bedrohte Burgwald, der Wildpark-Kauf, die Entschlammung der Burggräften – das sind aktuelle Themen, über die Kestas Saplinskas mitreden kann.

Er verfolgt auch die sportlichen Leistungen von Dressurreiterin Kristina Bröring-Sprehe und Tennisspielerin Julia Middendorf. Als traditionell Basketball liebender Litauer informiert er sich natürlich über die Ergebnisse von Rasta Vechta. "Hatten die nicht früher auch mal einen starken Litauer?", fragt der Schulleiter und meint Gintaras "Ginti" Grigisas, den Spielmacher in den Nuller-Jahren bei Rasta. 

Litauer warnt Bekannten vor der Radarfalle

Dass Kestas Saplinskas in Litauen die OV liest, hat manchmal auch für Südoldenburger einen Nutzen. Denn wenn bei den Blitzermeldungen Lastrup auftaucht, warnt er einen gebürtig aus Lastrup stammenden Freund per Kurznachricht oder Mail auch schon mal davor, nicht in die Radarfalle zu tappen.

Gibt es eigentlich Unterschiede in der Mediennutzung zwischen Deutschland und Litauen? Ja, sagt Kestas Saplinskas. In seinem Heimatland würde die Mehrzahl der Abonnenten die Zeitung digital und nicht gedruckt lesen. Außerdem sei dort viel mehr Werbung zu finden. Die OV sei da vom Layout her aufgeräumter.

Zurück zu Dinklage: Kestas Saplinskas schätzt Dinklage als kleine, charmante Stadt. Der Burgwald sei ein schönes Ausflugsziel. Die Innenstadt habe sich seit seinem ersten Besuch 1995 wenig verändert, findet er. "Dafür gibt es hier aber ein paar Kreisverkehre", sagt der 59-Jährige und lacht.

Ein Absacker im "Bistro im Stern" ist ein Muss

Zum festen Ritual gehört für Kestas Saplinskas in Dinklage nach abendlichen Veranstaltungen ein Absacker im "Bistro im Stern" – früher bei Hildegard Flerlage, jetzt bei Eva Lindhaus. Dort trifft er dann auch häufig die Dinklager Taxifahrer-Ikone Manni Weller. Dieser muss jedes Mal schmunzeln, wenn er Kestas Saplinskas sieht und sagt schon fast gewohnheitsmäßig: "Ich fahre dich heute Nacht überall hin – aber nicht bis nach Litauen." 

Vielleicht ja beim nächsten Besuch von Kestas Saplinskas in Dinklage. Bis dahin dürfte er dann sicherlich auch den Namen des neuen Dinklager Bürgermeisters kennen.

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