Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Warum die Bäume an der Bahnhofstraße in Langenberg weichen müssen

Die Baumreihe hat auch Auswirkungen auf den Ausbau der Bahnhofstraße und die Planungen für das Wohngebiet. Das Gutachten eines Sachverständigen ist eindeutig. Was empfiehlt der Baumexperte nun?

Artikel teilen:
Einer von vielen Bäumen mit Krankheiten an der Rinde: Der Langenberger CDU-Ratsherr und Vorsitzender des Planungs- und Bauausschusses, Markus Vocks, begutachtet den Baumbestand an der Bahnhofstraße. Foto: Röttgers

Einer von vielen Bäumen mit Krankheiten an der Rinde: Der Langenberger CDU-Ratsherr und Vorsitzender des Planungs- und Bauausschusses, Markus Vocks, begutachtet den Baumbestand an der Bahnhofstraße. Foto: Röttgers

Die Bäume entlang der Bahnhofstraße in Langenberg müssen höchstwahrscheinlich weichen. Als „nicht erhaltenswert“ stuft ein Gutachten des Diplom-Ingenieurs Jürgen Braukmann (Rastede-Loy) die Baumreihe ein, das auf der jüngsten Sitzung des Planungs- und Bauausschusses der Gemeinde Holdorf vorgestellt worden ist. Braukmann ist von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Baumpflege. Der Experte, der seit 2020 für die Gemeinde im Einsatz ist, war bestellt worden, weil die Baumreihe auch Auswirkungen auf die Planungen für das Baugebiet am Ortsausgang Richtung Steinfeld und den Ausbau der Bahnhofstraße hat.

Die Baumreihe dort besteht aus Bergahorn, Maulbeeren, Hainbuchen, Kastanien, Birken und Eichen. Gemeinsam mit Bürgermeister Dr. Wolfgang Krug fand dazu im Juli dieses Jahres ein Ortstermin statt. Die visuelle Bewertung des Baumbestands habe ergeben, dass alle Bäume „keinen durchgängigen Leittrieb“ besäßen und ein Großteil der Kronen aus „bruchgefährdeten Zwieseln“ besteht.

Unter Zwieseln versteht der Botaniker eine Verzweigung des Hauptstammes, die die Baumstabilität herabsetzt, wenn sie V-förmig auftritt. Insbesondere die Mehlbeeren wiesen diese bruchgefährdete Zwiesel laut Gutachten auf. Beim Bergahorn habe der Gutachter darüber hinaus aufplatzende Rinden und die Rußrindenkrankheit attestiert, die zum Absterben des Baumes innerhalb einer Vegetationsperiode führen kann.

Viele Stämme verzweigen sich V-förmig

Bei den Hainbuchen habe sich darüber hinaus Rindenkrebs ausgebreitet, dessen Folgen großflächige Rindenschäden, Vergilbung des Laubes und Absterben von ganzen Kronenteilen oder des ganzen Baumes sein können. Die Ahornbäume entlang der Straße seien bereits am absterben. Kastanien weisen zudem Nekrosen auf. Diese abgestorbenen Bereiche im Rindenkörper sowie Stammrisse verkürzen die Lebensdauer der Bäume entscheidend. Außerdem sind die Kastanien mit der Krankheit „Pseudomonas syringae“ befallen – dem sogenannten „Kastaniensterben“.

Die visuelle Bewertung habe ergeben, dass aufgrund der vielen Wachstumsanomalien und Krankheiten die Baumreihe mittelfristig als nicht erhaltenswert angesehen werden kann. Mit „mittelfristig“ sei ein Zeitraum von rund 10 Jahren gemeint. Der Sachverständige plädiert dafür, die Baumreihe zu entnehmen und durch eine Neupflanzung aus „Zukunftsbäumen“ zu ersetzen.

Er empfiehlt eine Mischung aus Bäumen verschiedener Sorten, weil man bei Untersuchungen in Deutschland festgestellt habe, dass in Zukunft durch den Klimawandel bei eventuellem Krankheitsbefall durch wärmeliebende Insekten und Pilzkrankheiten nicht gleich alle Bäume befallen werden, sondern nur die, die auf spezielle Krankheiten ansprechen. Zum besseren Verständnis führte der Sachverständige hier als Beispiel den Befall der Eichen durch den Eichenprozessionsspinner auf.

Mischung aus "Zukunftsbäumen" bewährt sich

Ein „gesunder Mix“ aus „Zukunftsbäumen“ könne demnach aus Feldahorn, Burgen-Ahorn, Amberbaum, Hopfenbuche, Spree- oder Sumpfeiche, schwedische Mehlbeere, Winterlinde und chinesischer Wildbirne bestehen, wie sie sich bereits am Heidesee sehr gut entwickle.

Der Vorsitzende des Planungs- und Bauausschusses, Markus Vocks, erinnerte noch einmal daran, dass das ganze Thema „heiß diskutiert“ worden sei, nun aber eine Zufahrt von der Bahnhofstraße zum neu geplanten Baugebiet „Östlich der Bahnhofstraße“ von Vorteil sei und die neuen Erkenntnisse „eindeutig“ seien. Die Baureife für das Baugebiet, das erklärte die Verwaltung auf Nachfrage, liege erst vor, wenn der Bebauungsplan steht. Realistisch sei eine Baureife für den Herbst/Winter 2023.

Der neue Newsletter für Friesoythe. Immer am Donnerstag das Wichtigste aus der Eisenstadt in ihrem Postfach. So verpassen Sie nichts mehr.  Jetzt hier kostenlos anmelden

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Warum die Bäume an der Bahnhofstraße in Langenberg weichen müssen - OM online