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Warum der Streit ums Böllern eine Phantomdebatte ist

Pro: Laut zu hören sind vor allem die Scheinheiligen. Sie entdecken an Silvester ihr gutes Gewissen, schließen an Neujahr einen Fitnessstudio-Vertrag ab und leben anschließend weiter wie immer.

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Feinstaubbelastung, volle Krankenhäuser, verängstigte Tiere: Alle Jahre wieder wird über die Folgen des Böllerns diskutiert. Und auch wenn es auf den ersten Blick ausschließlich Contra-Argumente zu geben scheint, siegt die Pro-Fraktion. Das private Feuerwerk bleibt erlaubt. Das ist gut so. Der Streit ist nämlich eine Phantomdebatte.

Geführt wird sie vor allem von Menschen, die pünktlich zu Silvester ihr gutes Gewissen entdecken. Die Angst vor der Feinstaubbelastung durch Knaller und Co. schnürt ihnen bereits prophylaktisch den Atem ab; die Furcht vor den Müllbergen aus Dum-Dum-Batterien lässt sie schon nachts die Sonne am Neujahrsmorgen vermissen. Und der Gedanke an die leidende Tierwelt zerreißt ihnen das Herz.

Vielleicht ist es vermessen, allen Knaller-Gegnern Scheinheiligkeit zu unterstellen. Aber genauso falsch ist, alle zu verteufeln, die gern zusehen, wie Raketen Sternenbilder in den Himmel malen, oder die es lustig finden, wenn ein Knallfrosch über die Straße hüpft.

Alles ist eine Frage der Dosis; das gilt auch fürs Böllern. Wer sich ein Mal im Jahr für 20 Euro ein kleines Spaßpaket kauft, der sollte das dürfen. Und wer meint, mehr für sein privates Verpuffungsszenario ausgeben zu müssen, dem ist sowieso nicht zu helfen. Die Beseitigung der Spuren sollte so selbstverständlich sein wie nach einem Picknick im Wald. Die Rücksicht auf andere Lebewesen, was die Beschränkung des Knallens auf die Silvesternacht angeht, auch. Dann ist Böllern nicht schlimm, und wir haben nach dem kurzen Mitternachtsrausch wieder Zeit für die Lösung echter Probleme.

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