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Warum der Skaterpark geschlossen ist – und wie es weitergehen könnte

Die Schließung der Anlage kritisiert Jugendpfleger Kamlage. Er hat ein Konzept zur Wiederöffnung vorgelegt. Die SPD und das Bürgerforum nehmen jetzt die Stadt Dinklage in die Verantwortung.

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Zutritt verboten: Jugendpfleger Kalle Kamlage und Jugendtreff-Mitarbeiterin Anna Nies hoffen, dass der Skaterpark bald wieder geöffnet ist. Foto: Böckmann

Zutritt verboten: Jugendpfleger Kalle Kamlage und Jugendtreff-Mitarbeiterin Anna Nies hoffen, dass der Skaterpark bald wieder geöffnet ist. Foto: Böckmann

Drei Bauzäune versperren den Zugang. Das „Betreten verboten“-Schild ist zwar schon wieder verschwunden. Doch wer den kleinen Pattweg zwischen dem Jugendtreff und der Kardinal-von-Galen-Grundschule entlang geht, der erkennt schon von weitem deutlich sichtbar: Der Zugang zum Skaterpark in Dinklage ist gerade nicht erlaubt. Am Karfreitag hat die Stadt Dinklage den Skaterpark (und auch das Soccerfeld) kurzfristig und bis auf Weiteres abgesperrt – und mit dieser Maßnahme Jugendpfleger, Jugendliche und die SPD irritiert.

Grund der Schließung beider Sportanlagen war laut der Stadt der Hinweis des Landkreises, Skaterpark und Soccerfeld wegen der Corona-Verordnung zu schließen. Auslöser seien nicht die Ereignisse am Gründonnerstag (1. April) gewesen. Denn dort gab es, wie die Polizeipressestelle bestätigte, mehrere Verstöße gegen die Corona-Verordnung und in zwei Fällen gegen das Betäubungsmittelgesetz.  Auch am 26. März hatte es Verstöße gegen die Corona-Regeln gegeben.

Über den Skaterpark in Dinklage, der in den vergangenen Wochen auch von Auswärtigen wohl extrem gut besucht wurde, wird seit einigen Monaten kontrovers diskutiert. Denn im vergangenen Jahr kam es zwischen April und Oktober auf der Anlage und in deren Schulumfeld zu einer handvoll Polizeieinsätzen und Vandalismus. Besser ausleuchten? Umzäunen? Die Anlage versetzen? Oder gar schließen? Das waren Ansätze, über die zumindest nachgedacht worden war. Jugendpfleger Kalle Kamlage kämpft seitdem vehement für den Erhalt des Skaterparks. Auch im SPD-Talk mit Bürgermeister Frank Bittner wurde über das Thema länger gesprochen. Was sagen Kamlage und die Parteien eigentlich zu den neuesten Entwicklungen? Ein Überblick.

Der Jugendtreff

Jugendpfleger Kalle Kamlage schüttelt über die für ihn völlig überraschende Schließung der Skateranlage auch einige Tage später noch den Kopf. Es sei absolut notwendig, dass Verwaltung und Polizei die Einhaltung der Corona-Regeln kontrollieren. Wie das aber am Skaterpark passiert sei, nennt er eine  "Holzhammermethode". Wenn die Sportanlage geschlossen werde, dann bitte aber auch vernünftig und nicht nur mit provisorischen Zäunen. Denn: Wer den Park zum Skaten oder Biken nutzen möchte, der kommt weiterhin leicht an den Zäunen vorbei auf das Gelände. Der Zweck der Maßnahme sei ohnehin verfehlt. Denn jetzt, sagt Kamlage, treffen sich die Jugendlichen eben auf dem Schulhof.

Als der Skaterpark noch geöffnet war: Jugendpfleger Kalle Kamlage und Jugendtreff-Mitarbeiterin Anna Nies kämpften schon im Dezember für den Erhalt der Sportanlage. Foto: BöckmannAls der Skaterpark noch geöffnet war: Jugendpfleger Kalle Kamlage und Jugendtreff-Mitarbeiterin Anna Nies kämpften schon im Dezember für den Erhalt der Sportanlage. Foto: Böckmann

Was Kamlage ebenfalls mit Blick auf den Polizeieinsatz kritisiert: die in Corona-Zeiten auffällige Hetze gegen Kinder und Jugendliche. In der Nacht von Gründonnerstag auf Karfreitag sei es eine Jagd gewesen, die Skater zu denunzieren. "Das ist eine Entwicklung in unserer Gesellschaft, die ich so nicht gutheißen kann", sagt Kamlage.

Der Jugendpfleger und die Jugendtreff-Mitarbeiterin Anna Nies monieren auch die Art und Weise der Kommunikation der Stadt. Warum habe die Verwaltung denn nicht ihre vielfältigen sozialen Netzwerke genutzt, um die Schließung der Anlage zu kommunizieren? Um die Jugendlichen zu informieren? Transparent sei das nicht gewesen. Und man habe somit die Skater, die nicht informiert wurden, vor den Kopf gestoßen. 

Dabei hätten die Jugendlichen, sagt Anna Nies, nach den Berichten um die drohende Schließung auch viel Eigeninitiative gezeigt, um den Zustand zu verbessern. Sie hätten Müll aufgesammelt und Sträucher entfernt. Besonders in der Umweltwoche sei viel passiert. Außerdem sei die Anlage gut besucht gewesen. Die wenigen öffentlichen Freizeitaktivitäten, denen Jugendliche in Corona-Zeiten nachgehen können, sei eben das Skaten gewesen.

Jugendpfleger Kamlage und Jugentreff-Mitarbeiterin Nies streben deshalb eine schnelle Wiederöffnung der Anlage an. Ein entsprechendes Konzept haben sie mit dem Ordnungsamt besprochen. Ziel ist es, an 3 oder 4 Tagen in der Woche den Skaterpark unter Aufsicht am Nachmittag für ein paar Stunden zu öffnen. 10 Jugendliche sollten dann nach Anmeldung auf der Anlage fahren können. Auch am Wochenende sollte nach Möglichkeit an einem Tag geöffnet werden. Wer als Ehrenamtlicher übrigens die Aufsicht unterstützten möchte, soll sich an den Jugendtreff wenden. 

SPD

Die Skateranlage und auch das Soccerfeld stundenweise am Nachmittag unter Aufsicht wieder öffnen – dieses Anliegen verfolgt auch die SPD, "damit die Kinder und Jugendlichen auch in Corona-Zeiten einer Freizeitbeschäftigung nachgehen können". Der Fraktionsvorsitzende Matthias Windhaus zieht hier den Vergleich mit den Spielplätzen, die auch weiterhin geöffnet sind. 

Die Schließung von Skateranlage und Soccerfeld hält die SPD für falsch. Ein Abbau der Geräte wäre kontraproduktiv. "Die Probleme verschieben sich nur an einen anderen Ort", meint Matthias Windhaus. Er wünsche sich außerdem, "besonders jetzt auch zu Coronazeiten, manchmal ein wenig mehr Fingerspitzengefühl bei den Beteiligten und Zuständigen im und beim Umgang mit Kindern und Jugendlichen." Regel- und Gesetzesverstöße müssten selbstverständlich geahndet werden.  Bauliche Maßnahmen wie Ausleuchtung oder Einzäunung des Skaterparks sollten von der Verwaltung geprüft und abgewogen werden. 

Grundsätzlich findet die SPD: Für den Skaterpark, der nicht nur von Kindern, sondern auch von älteren Jugendlichen und jüngeren Erwachsenen genutzt wird, benötige es direkt vor Ort einen Ansprechpartner, um die dortigen Konflikte zu lösen. "Ansonsten stoßen andere in die Lücke." Matthias Windhaus nimmt die Stadt in die Verantwortung. Die sozialpädagogische Fachkraft der Verwaltung sollte sich dem Thema als eine Form der Jugendarbeit annehmen. "Oder man sollte alternative Lösungen finden. " Udo Quaschigroch, Vorsitzender des Jugendausschusses, findet: "Wir sollten uns an einen Runden Tisch setzen, um endlich Ruhe in das Thema zu bekommen."

Bürgerforum

Beim Bürgerforum sind die Ansätze unterschiedlich. Der Fraktionsvorsitzende Ulrich Heitmann hält die aktuelle Schließung angesichts der Verstöße in der Karwoche für "absolut erforderlich". Mittelfristig findet der Polizeibeamte es zumindest überlegenswert, die Anlage an einen Platz zu verlegen, der öffentlich besser einsehbar ist. Die Vermüllung und den Drogenkonsum könne man so besser in den Griff bekommen, glaubt Heitmann. Seine Wahrnehmung ist übrigens auch: Es sind nicht Kinder und Jugendliche, die den größten Ärger machten, sondern die über 30-Jährige. 

Für Florian Hinxlage, dem Vorsitzenden des Sportausschusses, ist die Schließung der Anlage nur die allerletzte Option. Der Langweger gehörte selber als Skater früher zu den Jugendlichen, die sich jahrelang für den 2000 erfolgten Bau eingesetzt hatten. "Jetzt können wir die Anlage doch nicht einfach dicht machen." Hinxlage setzt sich ebenfalls für eine schnelle Wiedereröffnung und "betreutes Skaten" unter Aufsicht ein. Das sei mit Blick auf die Corona-Zeiten "doch eine wunderbare Lösung". Sein Appell ist es, dass Verwaltung und Politik sich zusammensetzen und in enger Zusammenarbeit ein Konzept erstellen.

CDU

Die CDU bewertet die derzeitige Einzäunung  als "angemessene Maßnahme", hofft aber, dass die Skateranlage von den Jugendlichen alsbald wieder genutzt werden kann. Im vergangenen Herbst hatte die CDU noch eine Schließung der Skateranlage in Erwägung gezogen, sollte sich der Zustand nicht deutlich verbessern. Das steht für die Christdemokraten aber nicht mehr zur Debatte. In den vergangenen Monaten habe sich nämlich einiges zum Positiven entwickelt. Die Anlage werde rege genutzt, die "ständigen Verunreinigungen" seien ausgeblieben.  

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