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Warum das Tageshospiz eine Entlastung in einer belastenden Situation ist

2018 hat die St. Anna Stiftung Dinklage als erste Einrichtung in Niedersachsen dieses Angebot aufgenommen. Die Pflegedienstleiterin und der Vorstand ziehen eine kleine Bilanz.

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Mit Blick auf Dinklage: Der Balkon des Hospizes ist ein Wohlfühlbereich. Foto: St. Anna Stiftung / Karin Buchholz

Mit Blick auf Dinklage: Der Balkon des Hospizes ist ein Wohlfühlbereich. Foto: St. Anna Stiftung / Karin Buchholz

Sich einfach mal fallen lassen. Über Ängste und Sorgen sprechen. Den Angehörigen Freiraum geben – aber ihnen weiterhin ganz nah sein.  Für schwer erkrankte Menschen scheint das auf dem letzten Lebensweg schwierig. In der St. Anna Stiftung in Dinklage ist dies aber möglich. 2018 hat die Einrichtung in kirchlicher Trägerschaft ihr umfangreiches Gesundheits- und Pflegeangebot nämlich um das Tageshospiz erweitert. Das heißt: Die Gäste wohnen nicht dauerhaft in den Räumen an der Clemens-August-Straße, sondern je nach Bedarf und Wunsch.  

Als die St. Anna Stiftung ihr Spektrum um das Tageshospiz erweiterte, betrat sie sozusagen Neuland. Denn in Niedersachsen gab's dieses Angebot bisher nicht. Auch jetzt gibt es in Deutschland nur wenige Einrichtungen mit diesem teilstationären Hospiz-Angebot. Bereut hat die St.-Anna-Stiftung ihre Entscheidung nicht. Im Gegenteil, sagen Pflegedienstleiterin Ellen Merjans-Eilers und Vorstand Werner Schulze, als sie jetzt, im 3. Jahr des Bestehens, eine kleine Bilanz ziehen.

Gäste wohnen weiter zu Hause

Aus den Gesprächen mit den Gästen und den Angehörigen, die damals ein Tageshospiz angeregt haben, bekommen sie viele positive Rückmeldungen. Der Tenor: Die Situation der Gäste auf ihrem letzten Lebensweg sei "viel positiver" als vorher, die Lebensqualität habe sich für die ganze Familie erhöht.

Ziehen Bilanz: Pflegedienstleiterin Ellen Merjans-Eilers und Stiftungsvorstand Werner Schulze. Archivfoto: SiemerZiehen Bilanz: Pflegedienstleiterin Ellen Merjans-Eilers und Stiftungsvorstand Werner Schulze. Archivfoto: Siemer

Doch was zeichnet eine teilstationäre Versorgung überhaupt aus? Das Offensichtlichste: Die Gäste wohnen weiter zu Hause. Sie werden zwischen 8 und 17 Uhr im Tageshospiz betreut und gepflegt. Es ist auch möglich, über Nacht zu bleiben. Die Gäste können von montags bis freitags, nur am Wochenende oder auch nur an einem Tag in der Woche das Tageshospiz besuchen. Größtmögliche Flexibilität ist kein Problem. Andererseits bietet der Tagesablauf eine feste Struktur, der individuell gestaltet werden kann. 

Nach dem Frühstück können Gäste die verschiedenen Angebote nutzen. Mit Betreuern, Ehrenamtlichen und Seelsorgern über Themen sprechen, über die die Gäste in der Familie vielleicht eher ungern reden wollen. Sich im Gesundheitszentrum therapieren oder behandeln lassen, den Hospizgarten besuchen, im eigenen Zimmer Besuch empfangen, den Wohnbereich nutzen und vieles mehr. Grundsätzlich, sagt Vorstand Werner Schulze, profitierten die Gäste eben auch von Synergieeffekten in den verschiedenen Einrichtungen der St. Anna Stiftung. "Wir bieten mit unserem Fachpersonal ein Rund-um-Paket."

Die feste Struktur im Tagesablauf wüssten die Familien sehr zu schätzen, sagt Pflegedienstleiterin Meerjans-Eilers. Er gebe eine große Sicherheit, ein beruhigendes Gefühl. Für Angehörige, weil sie zum Beispiel weiter normal arbeiten können. Für die Gäste, weil sie sich gut aufgehoben fühlen. Stiftungsvorstand Schulze drückt es so aus: Die grundsätzlich belastende Situation schaffe für Familien eine große Entlastung.

Denn die Erkrankungen der Gäste verliefen oft nicht gradlinig, sondern seien ein Auf und Ab, sagt Schulze: "Das ist auch für das Umfeld oft sehr herausfordernd." Das Tageshospiz biete die Chance, "Zeit für sich zu haben und Kraft zu tanken". Auch eine Aufnahme ins vollstationäre Hospiz sei denkbar, sobald sich der Bedarf oder der Wunsch ergeben sollten.

Zurzeit verfügt das Tageshospiz über 3 Plätze

Zurzeit verfügt das Tageshospiz über 3 Plätze, weitere könnte die St. Anna Stiftung bei Bedarf einrichten. Die Aufnahme in das Tageshospiz ist unproblematisch und auch am Wochenende möglich. Die Kosten übernimmt die Krankenkasse. Der behandelnde Arzt füllt eine entsprechende Bescheinigung aus.

  • Info I: Fragen zum Tageshospiz werden telefonisch unter 04443/892-221 beantwortet und per E-Mail an hospiz@st-anna-stiftung beantwortet. Viele Informationen gibt es auch online unter www.st-anna-stiftung.de.
  • Info II: Die Hospizdienste der St. Anna Stiftung Dinklage bieten jeweils donnerstags von 16 bis 18 Uhr in den Räumen des Sozialdienstes (gelber Eingang im Innenhof des Gesundheitszentrums Dinklage) eine kostenlose Beratung zu allen Fragen bei schwerer Erkrankung und Trauer an. Eine Anmeldung unter Telefon 04443/ 892420 oder ein direkter Besuch während der Sprechstunden sind möglich.
Mit Klavier: Der Wohnbereich ist ein Rückzugsbereich für die Gäste. Foto: St. Anna Stiftung  Karin BuchholzMit Klavier: Der Wohnbereich ist ein Rückzugsbereich für die Gäste. Foto: St. Anna Stiftung / Karin Buchholz

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