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Warum Cloppenburg seinen Klärschlamm künftig in Bremen verbrennt

Die Stadt hat einen neuen Vertrag mit dem OOWV geschlossen: Hunderte Lkw pro Jahr karren den Klärschlamm künftig in eine neue Verbrennungsanlage.

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Der Klärschlamm, bevor er vom Wasser getrennt wurde.   Foto: Niemeyer

Der Klärschlamm, bevor er vom Wasser getrennt wurde.   Foto: Niemeyer

Was am Ende übrig bleibt, wird verbrannt. Auf der einen Seite sind das die 150 Tonnen Plastik, Papier und sonstigen Fremdstoffe, die pro Jahr aus dem Abwasser herausgesiebt werden. Das "Rechengut", wie Dr. Ingo Suhrkamp, Leiter der Kläranlage in Cloppenburg, dazu sagt. Und auf der anderen Seite sind das die bis zu 9000 Kubikmeter Klärschlamm, die Hunderte Lkw pro Jahr aus Cloppenburg herauskarren. 

Künftig transportieren sie den Schlamm bis nach Bremen, wo er in einer "Monoverbrennungsanlage" verbrannt wird. Die Stadt hat hierfür mit dem Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband (OOWV) einen neuen Vertrag geschlossen. Die Verbrennungsanlage befinde sich gerade noch im Bau, so die Stadt. Läuft alles planmäßig, soll der Cloppenburger Klärschlamm ab dem 1. Juni 2023 dorthin gefahren werden. Bis es soweit ist, wird der Schlamm weiter im Müllheizkraftwerk Essen-Karnap verbrannt.

Stadt rechnet nicht mit Mehrkosten für Bürger

Mit zusätzlichen Gebühren für die Cloppenburger rechnet die Stadtverwaltung aktuell nicht, wie sie auf Nachfrage mitteilt. Mit dem neuen Vertrag könnten die künftigen Kosten im Vergleich zu einer Entsorgung anderenorts moderat gehalten werden. Warum aber muss das Abfallprodukt so weit transportiert werden? Grund ist eine Gesetzesänderung. Vor der Novellierung der Klärschlammverordnung im Oktober 2017 düngten Landwirte mit dem Nebenprodukt ihre Felder. Die Gesetzesänderung soll unter anderem eine Überdüngung landwirtschaftlicher Flächen verhindern.

Dr. Ingo Suhrkamp auf dem Gelände der Kläranlage. Foto: NiemeyerDr. Ingo Suhrkamp auf dem Gelände der Kläranlage. Foto: Niemeyer

"Der Klärschlamm hat nichts mehr mit dem Abwasser aus den Haushalten zu tun", sagt Dr. Suhrkamp. Er setzt sich aus all dem zusammen, was übrig bleibt, nachdem Mikroorganismen das Abwasser gereinigt haben. "Die Bakterien ernähren sich von Fetten, Ölen und Kohlenhydraten", sagt Suhrkamp. Übrig bleibt eine schwarze Bakterienmasse, die vor allem Phosphor, Kohlenstoff und Stickstoff bindet – der Klärschlamm. Um ihn besser transportieren zu können, wird er künftig durch zwei Zentrifugen geschleudert, um ihn von möglichst viel Wasser zu trennen. Die neuen Zentrifugen werden gerade gebaut und sollen im Sommer fertig sein, wie Suhrkamp sagt.

Bis die neuen Zentrifugen fertig sind, wird der Klärschlamm in einer mobilen Anlage vom Wasser getrennt. Foto: NiemeyerBis die neuen Zentrifugen fertig sind, wird der Klärschlamm in einer mobilen Anlage vom Wasser getrennt. Foto: Niemeyer

Die Kläranlage in Cloppenburg reinigt das Abwasser von 34.300 Cloppenburgern, so Suhrkamp. Das seien zusammen mit dem industriellen Abwasser etwa 9 Millionen Liter täglich. Nach der Reinigung wird das Wasser in die Soeste geleitet und gelangt so zurück in den natürlichen Wasserkreislauf.

Verbrennung in Bremen ist nachhaltiger

Die Entsorgungskapazitäten in Deutschland für Klärschlamm sind derzeit noch begrenzt, teilt die Stadt mit. Der bislang genutzte Weg der landwirtschaftlichen Entsorgung fiel für viele Kläranlagen gleichzeitig weg. Deshalb biete der neue Vertrag für die Entsorgung in Bremen "die notwendige Entsorgungs- und haushaltsrechtliche Planungssicherheit".

Zudem sei die künftige Entsorgung in Bremen nachhaltiger, als die "Mitverbrennung" in dem Essener Kraftwerk. Zum einen da durch die Verbrennung in der Monoverbrennungsanlage in Bremen weniger Kohlenstoffdioxid entstehe. Zum anderen weil die neue Anlage den im Klärschlamm enthaltenen Phosphor gezielt zurückgewinnen kann.

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