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Warkstäe för Plattdütsch: Erwin Stubbe macht im Hintergrund weiter

Nach 10 Jahren sieht der Visbeker die Zeit für einen Wechsel gekommen. Er hört als Plattdeutsch Beauftragter auf und möchte nur noch als einfaches Mitglied für die plattdeutsche Sprache engagieren.

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Erwin Stubbe blickt auf 10 Jahre Visbeker Warkstäe för Plattdütsch zurück. Foto: Heinzel

Erwin Stubbe blickt auf 10 Jahre Visbeker Warkstäe för Plattdütsch zurück. Foto: Heinzel

Emotionalität präge die plattdeutsche Sprache, sagt Erwin Stubbe und sie sei grundsätzlich den Menschen zugewandt und offen. Der scheidende Plattdeutschbeauftragte der Gemeinde Visbek verweist zudem auf das Kulturgut Plattdeutsch. Immerhin war es zur Zeit der Hanse die Weltsprache des nordeuropäischen Kultur- und Handelsraumes. Sprache und Kulturgut sollen in unserem Alltag erhalten bleiben und nicht daraus verschwinden. „Das Plattdeutsche läuft Gefahr zu einer Folkloresprache (Touristenplatt) zu mutieren“, schreibt die Visbeker Warkstäe för Plattdütsch auf ihrer Homepage.

„Sich in dieser Sprache auszudrücken, ist nicht mehr gang und gäbe.“Erwin Stubbe über die plattdeutsche Sprache

Gute Gründe, um vor zehn Jahren - also im Frühjahr 2012 - einen Plattdeutschbeauftragten für die Gemeinde Visbek zu ernennen. Die Wahl fiel auf den ehemaligen Rektor der Gerbertschule, Erwin Stubbe. Doch dieser wollte die Aufgabe nur übernehmen, wenn er sie nicht alleine bewältigen müsse und so suchte und fand er Mitstreiter. Gemeinsam errichteten sie die Visbeker Warkstäe för Plattdütsch. Andrea Kühling, Gerbert Schmedes, Erwin Stubbe, Hildegard Hammersen, Maria Schmunkamp, Felix Tabeling, Loretta Schlömer, Bernd Meckelnborg, Doris Kenkel und Sabine Langfermann hatten sich damals als Ziele gesetzt: Das Plattdeutsche in der Gemeinde zu bewahren und wieder schätzen zu lernen sowie Kinder zum Sprechen und Verstehen von Plattdeutsch anzuregen. Erwin Stubbe sagt dazu schlicht: „Sich in dieser Sprache auszudrücken ist nicht mehr gang und gäbe.“

Das liegt auch am Umgang mit der plattdeutschen Sprache, berichtet Andrea Kühling. Ihre Eltern sprachen zu Hause kein Plattdeutsch mit ihr. In den 1970er Jahre war es nicht schick, Platt zu sprechen. Erwin Stubbe fährt fort, dass damals die Ansicht geherrscht habe „sprecht mit den Kindern kein platt, dann kommen sie in der Schule weiter". Doch dass sei falsch, meint der Plattdütschexperte und verweist auf wissenschaftliche Studien, die letztlich aussagen würden, dass „Kinder die platt- und hochdeutsch lernen, wesentlich pfiffiger beim Erlernen von Sprachen sind". Mit der Jahrtausendwende sei Plattdütsch wieder schicker geworden.

Engagieren sich für die Warkstäe (v.l.:) Hildegard Hammersen, Gerbert Schmedes, Maria Hogeback, Marius Muhle, Andrea Kühling und Erwin Stubbe. Foto: HeinzelEngagieren sich für die Warkstäe (v.l.:) Hildegard Hammersen, Gerbert Schmedes, Maria Hogeback, Marius Muhle, Andrea Kühling und Erwin Stubbe. Foto: Heinzel

Die Visbeker Warkstäe för Plattdütsch dockte sich beim Heimatverein an, band existierende Initiativen ein, vernetzte sich und ging in Kindergärten, Schulen und die Kirchengemeinde. Erwin Stubbe war gefragt als Ideengeber, Netzwerker und Promoter der plattdeutschen Sprache. Er folgte dabei einem Zitat von Wilhelm Busch: „Ein Onkel, der Gutes mitbringt, ist besser als eine Tante, die bloß Klavier spielt.“ Ihm kam zu Gute, dass die Oldenburgische Landschaft einige Materialien bereit- und dass ihm die Gemeinde Visbek ein bestimmtes Budget zur Verfügung stellt. „Das ist nicht selbstverständlich über solch ein Budget zu verfügen“, sagt Erwin Stubbe, aber es helfe enorm Dinge anzustoßen und umzusetzen.

Um ihre Ziele zu erreichen, ließen sich die Mitglieder der Visbeker Warkstäe för Plattdütsch einiges einfallen. Maria Hogeback kümmert sich um Kochkurse für Männer (Kerls kaokt up Platt(en)). Hildegard Hammersen kümmert sich um den Plattdeutschtag an der Schule. Gerbert Schmedes bastelt mit Kindern. Anfangs waren es Drachen und später Schiffe für die Peter-Pan-Regatta. Heute arbeitet er dabei mit Marius Muhle zusammen. Der Visbeker ist seit etwa fünf Jahren in der Warkstäe aktiv. Unlängst hat er das Plattdeutsche Kneipenquizz für Jugendliche und junge Erwachsenen an den Start gebracht. „Das ist wiederholungsbedürftig“, sagt Andrea Kühling.

Erste-Hilfe-Kurse für Fahranfänger auf Plattdütsch.
Foto: Stubbe
Peter-Pan-Regatta
Foto: Stubbe
Drachenbasteln.
Foto: Stubbe
Nach dem Basteln kommt das Fliegen.
Foto: Stubbe
Kirchenführungen auf Plattdütsch - im Rahmen des Plattdeutschen Tages an der Schule.
Foto: privat
Cocktailabend auf Plattdütsch.
Foto: Stubbe
Kerls kaokt up Platt(en) - Kochkurs für Männer.
Foto: Stubbe
Löschkurs auf plattdeutsch für Erwachsene.
Foto: Heinzel
Flaitpiepen schnitzen - natürlich auf Plattdütsch.
Foto: Stubbe
Gemeinsam mit einem Vertreter der Gemeinde war Erwin Stubbe stets in den Visbeker Einrichtungen unterwegs.
Foto: privat

Ebenfalls schon einmal angeboten wurden Feuerlöschübungen, „Flaitpiepen schnitzen“, Boulen, Cocktail-, Tanz- und Nähabende auf platt sowie Erste-Hilfe-Kurse für Fahranfänger. Nicht zu vergessen die 6 bis 7 Klönabende. „Wir haben ein Portfolio auf das wir zurückgreifen können“, sagt Erwin Stubbe. „Es geht uns darum, dass die Menschen platt sprechen.“

Eines wird sich aber nach 10 Jahren ändern, Erwin Stubbe hört als Plattdeutschbeauftragter auf. Seine Aufgaben bei der Warkstäe übergibt er an Marius Muhle. Ganz aufhören wird Stubbe nicht, aber er kümmert sich jetzt stärker um seine Enkel, den Garten und vor allem die Radtouren mit seiner Frau. Sein Fazit nach zehn Jahren Arbeit für die plattdeutsche Sprache lautet: „Wir sind durch unser vielfältiges Programm in der Gemeinde präsent.“ Gerbert Schmedes ergänzt: „Die Menschen nehmen es wahr und es ist ein Interesse da.“ Er sei der Meinung, dass die Akzeptanz der Sprache bei den Visbekern gestiegen sei. Sie würden sich sagen, ich kann es zwar nicht mehr sprechen, aber ich verstehe es.

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