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Wann Kinder lernen, andere zu verstehn

Ein Junior-Professor der Uni Vechta und eine Freiburger Professorin legen eine umfassende Studie vor.

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Wissen, was der andere will: Lehrer und Eltern sollten solche Situationen mit Kindern durchspielen. Foto: dpa/Hildenbrand

Wissen, was der andere will: Lehrer und Eltern sollten solche Situationen mit Kindern durchspielen. Foto: dpa/Hildenbrand

Kinder sind intuitive Psychologinnen und Psychologen. Sie entwickeln früh ein grundlegendes Verständnis davon, wie Menschen denken, fühlen oder handeln. Vielfach wird davon ausgegangen, dass diese Entwicklung sich vor allem im Vorschulalter vollzieht. Komplexere Fähigkeiten im Verständnis anderer entwickeln sich jedoch erst im Laufe der Grundschulzeit, wie eine Studie von Christopher Osterhaus, Junior-Professor für Entwicklungspsychologie im Handlungsfeld Schule in Vechta und Susanne Koerber, Professorin für Frühe Bildung der Pädagogischen Hochschule Freiburg zeigt. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse bereits, wie die Universität Vechta in einer Pressemitteilung schreibt, in der Forschungszeitschrift „Child Development“.

Die beiden Wissenschaftler konnten demnach nachweisen, dass Kinder rund um das erste Schuljahr verstehen, dass es zwischen Menschen zu Missverständnissen kommen kann. Darüber hinaus zeigen die Forscher mit der Studie, dass diese Einsicht eine wesentliche Grundlage ist für viele weitere Entwicklungen in der Fähigkeit, andere zu verstehen. Zu den komplexen Fähigkeiten, die sich im Verlauf der Grundschule entwickeln, gehört Sarkasmus zu erkennen, die Gefühle anderer an den Augen abzulesen, sich in die Gedankenwelt eines anderen zu versetzen und einen Fauxpas auszumachen. All dies sind wichtige sozial-kognitive Fähigkeiten, die als „intuitive Psychologie“ beschrieben werden.

Entwicklung des kognitiven Verständnisses hängt auch von der Intelligenz der Kinder ab

Die beiden Wissenschaftler der Universität Vechta und der Pädagogischen Hochschule Freiburg sind laut Mail die ersten, die die sozial-kognitiven Fähigkeiten in dieser Kombination aus besonders langem Zeitraum mit besonders kurz aufeinander folgenden Test-Intervallen und einer besonders hohen Anzahl an Test-Aufgaben erfasst haben. Junior-Professor Christopher Osterhaus hat demnach gemeinsam mit Professorin Dr. Susanne Koerber eine 5-jährige Längsschnittuntersuchung mit insgesamt 161 Kindergarten- und Grundschulkindern durchgeführt. So lässt sich nach Angaben der Uni sehr genau verfolgen, wann Entwicklungsschritte auftreten und wovon diese abhängen.

Das Verständnis davon, dass 2 Leute dieselbe Information anders interpretieren, hänge mit der Intelligenz der Kinder zusammen: Zum Ende der Grundschule schnitten intelligentere Schüler bei den entsprechenden Tests besser ab. Das lasse laut Mitteilung vermuten, dass Kinder sich explizit hiermit auseinandersetzen müssen. Sie müssen also lernen, die komplexe Funktionsweise unseres Denkens zu verstehen und zudem eine Theorie darüber entwickeln, nach welchen Mustern komplexe soziale Interaktionen ablaufen. Für Lehrer wie Eltern sei es deshalb wichtig, mit Kindern entsprechende Situationen durchzusprechen, ihnen zu erklären, warum die Beteiligten Bestimmtes denken und es an die Erfahrungswelt der Kinder rückkoppeln.

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