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Waggons mit Bildungsauftrag und internationalem Glanz

Gästebuch – Von der Dampflok zwischen Ocholt und Cloppenburg, das Ende dieser und die Erinnerung an sie. Ob der heutige Schienenverkehr beliebter ist?

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Die Dampflok ruckelte mit Lärm und Getöse regelmäßig morgens von Ocholt nach Cloppenburg und mittags wieder zurück. Sie bot alles, was Technik von Menschenhand geschaffen hatte, und machte eine Ahnung davon, was geschehen kann, wenn die Elemente nicht in ihren Bann gezwungen werden.

Heute ist es Nostalgie, wenn Dampfloks zu touristischen Zwecken eingesetzt werden. Damals qualmte und stank es aus Leibeskräften. Funken sprühten und setzten sommers häufig Teil des Staatsforstens unter Feuer. Bei der ersten Station in Varrelbusch konnte dann rückblickend der Brandbeginn festgestellt werden. Doch da hatte der Lokführer alles dabei, was benötigt wurde. Er setzte einfach den Zug zurück und nutzte das vorhandene Kühlwasser zur Löschung des gerade durch Funkenflug entstehenden Feuers.

1968 entschied die Bahn, diese Zugverbindung einzustellen. Die Dampflok verschwand von der Schiene. Individualverkehr war angesagt, und alles andere besorgten die Buslinien. Schöne neue Zeit, dachte man. Die Zeiten wandelten sich. Heute wissen wir, was wir gäben für eine funktionierende Zugverbindung Richtung Friesoythe oder Richtung Löningen und darüber hinaus.

„Störung des Ruhestandes, hieß es. Planungsrechtliche Bedenken. Politikversagen. Ex-Ratsherrennörgel.“Otto Höffmann

Wir haben uns daran gewöhnt, dass die dieselgetriebenen Züge uns heute befördern. Zwar nicht immer pünktlich und nicht immer anschlussfähig, vor allem in Oldenburg. Aber wir danken für die regelmäßige Verbindung im Halbstundentakt. Jetzt wird sogar über eine Elektrifizierung nachgedacht. Dass wir das noch erleben dürfen.

Doch nicht alle sind begeistert vom Schienenverkehr. Jetzt, als die Überlegungen bekannt wurden, den Güterverkehr auf der Schiene zu verstärken, meldeten sich die Querdenker. Neunmalkluge Ex-Ratsherren kramten ihre vergilbten Profilneurosen hervor und versuchten, sie zu einem Strauß frustrierter Kritik zu binden: Störung des Ruhestandes, hieß es. Planungsrechtliche Bedenken. Politikversagen. Ex-Ratsherrennörgel.

Die Waggons, die die alte Dampflok damals zog, konnten auch einen Bildungsauftrag erfüllen. Unter den Fenstern war ein Schild angebracht. In drei verschiedenen Sprachen wurde eine Vorsichtsbelehrung erteilt. „E pericoloso sporgersi“, lautet die erste Zeile. Das ist Italienisch und war nicht zu verstehen. Darunter folgte die Zeile „Do not lean out“. Das ist Englisch und fast auch nicht zu entziffern. Darunter aber prangte der kurze Satz „Nicht zu weit hinauslehnen“. Und mit ein wenig ausreichender Intelligenz ausgestattet, erlaubte das den Rückschluss, dass der englische Satz und auch der italienische wohl das Gleiche bedeuteten.

Manchmal ist es besser, wenn man sich nicht zu weit hinauslehnt

Das verlieh dem kleinen Schienenverkehr ein wenig internationalen Glanz. Ob jemand zwischen Varrelbusch und Garrel oder Friesoythe und Scharrel „E pericoloso sporgersi“ verstanden hat, mag dahinstehen. Vielleicht sollte man den zu kurz gekommenen Ex-Politikern die Bedeutung des Satzes nahebringen. Manchmal ist es besser, dass man sich nicht zu sehr hinauslehnt. Denn es gibt doch mehr Menschen, die das wahre Motiv hinter solchen Äußerungen verstehen, als einem lieb ist. Also bitte: E pericoloso sporgersi!


Zur Person:

  • Otto Höffmann ist Rechtsanwalt in Cloppenburg.
  • Den Autor erreichen Sie unter der E-Mail-Adresse redaktion@om-medien.de.

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