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Wächst durch Corona der Bedarf an psychischer Betreuung?

Das Gemeindepsychatrische Zentrum Cloppenburg informierte Bürgermeisterkandidatin Christiane Priester über ihre Arbeit. Verstärkt die Pandemie die Anfragen und wenn ja, in welchen Bereichen?

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Informationsaustausch: Dietmar Petersen (von links), Christiane Priester, Clemens Rottinghaus, Gloria Bachoco, Elisabeth Scheffczyk und Irina Beletzki vor einem Wohnheim des Gemeindepsychiatrischen Zentrums. Foto: Hahn

Informationsaustausch: Dietmar Petersen (von links), Christiane Priester, Clemens Rottinghaus, Gloria Bachoco, Elisabeth Scheffczyk und Irina Beletzki vor einem Wohnheim des Gemeindepsychiatrischen Zentrums. Foto: Hahn

Christiane Priester, die Bürgermeisterkandidatin des Wahlbündnisses Buntes Cloppenburg (gegründet von SPD und Grünen), besuchte im Rahmen ihres Wahlkampfes jetzt das Gemeindepsychiatrische Zentrum (GPZ) in Cloppenburg.

Das GPZ bietet verschiedene Wohn- und Therapieformen für seelisch beeinträchtigte Menschen und betreut nach eigenen Angaben circa 250 Klienten. Die Einrichtung steht unter der Trägerschaft des St. Josefs-Hospitals. Das Repertoire der Leistungen reicht über Wohnheime (extern und innerhalb der Einrichtung), teilstationäre Angebote wie sozialpsychiatrische Tagesstätten (in Cloppenburg und Friesoythe) und ambulante Angebote (im ganzen Landkreis). Die selbstdefinierte Aufgabe des GPZ: Seelisch behinderte Menschen sollen gemeindenah in den Alltag eingegliedert werden. "Durch Corona gibt es mehr Anfragen, wir sind aber im Landkreis gut gewappnet", berichtet GPZ-Leiter Clemens Rottinghaus.

Dezentralisierung der Wohnangebote läuft

Dietmar Petersen leitet das Wohnheim in der Soestenstraße. Das Besondere daran: die geschlossene Unterbringung nach richterlichem Beschluss. "Es wirkt wie ein offenes Haus. Wir kriegen viel Lob dafür", ergänzt Rottinghaus. Die Finanzierung durch das Land Niedersachsen sei bei der geschlossenen Unterbringung aber noch ein Problem. 

Außerdem baut das GPZ vermehrt stationäre Wohnformen außerhalb der Einrichtung auf. Das Land unterstütze die Dezentralisierung. Dafür werden Häuser in Siedlungen gekauft oder gemietet,  die Finanzierung wird durch Aktion Mensch möglich. "Nach anfänglichen Ängsten gibt es mittlerweile in den Siedlungen gute Nachbarschaften", erzählt Petersen.

Corona lässt die Ehrenamtsstruktur zerbrechen

Weiter berichtet Irina Beletzki als Mitarbeiterin der ambulanten Wohnassistenz. 100 Klienten werden von 12 Mitarbeitenden ambulant betreut. Im Bereich der ambulanten Angebote registriert das GPZ einen Anstieg der Anfragen durch Corona. "Im stationären Bereich werden wir das vermutlich erst später spüren", ergänzt Petersen. Bei dem Wachstum sei es für das GPZ aber kein Problem, Personal zu finden. Deshalb habe man auch eine Fachkräfte-Quote von 98 Prozent, erläutert Rottinghaus.

Als Leiterin der Tagesstätten des GPZ berichtet Elisabeth Scheffczyk von den Herausforderungen durch die Pandemie. Die Ehrenamtsstruktur sei beispielsweise verloren gegangen. Vor allem die Kontaktstelle und der Krisendienst, die in der Cloppenburger Tagesstätte beheimatet sind, fehlen den Menschen. "Da kamen so 50 Gäste jeden Tag zum Klönen vorbei", erinnert sich Rottinghaus. Die sozialen Kontakte, auch zwischen Erkrankten und nicht Erkrankten seien nach Scheffczyk wichtig.

Klienten vereinsamen, Kontakt zu halten fällt ihnen schwer

Zudem spricht Scheffczyk das Thema Digitalisierung an: "Die Menschen ziehen sich zurück und vereinsamen. Sie haben keine Geräte oder Kenntnisse, um Kontakt übers Handy zu halten." Das GPZ schult nun seine Klienten und erklärt ihnen zum Beispiel die Luca-App. Die Corona-Pandemie habe bewiesen, wie wichtig Medienkompetenz sei, so sind sich die Anwesenden einig.

"Durch meinen beruflichen Hintergrund als Sozialarbeiterin ist mein Interesse an der Arbeit hier groß", erklärt Priester ihren Besuch. Ihre Parteigenossin Gloria Bachoco von der SPD ist eine der längsten Mitarbeiterinnen des GPZ und war ebenfalls bei dem Besuch dabei. 

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