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Vorsitzender des Behindertenbeirats rät, offen mit Beeinträchtigungen umzugehen

Guido Röding sitzt dem Cloppenburger Beirat für Menschen mit Behinderung seit 2021 vor. "Wir wollen das Thema Inklusion in die Öffentlichkeit bringen", sagt er.

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Wenig Barrierefreiheit: Viele Arbeitgeber müssen ihre Arbeitsplätze noch nachrüsten. Foto: dpa

Wenig Barrierefreiheit: Viele Arbeitgeber müssen ihre Arbeitsplätze noch nachrüsten. Foto: dpa

Auch wenn sich in der Vergangenheit viel getan hat: Menschen mit Behinderung begegnen auf dem Arbeitsmarkt nach wie vor viele Hürden. Das führt dazu, dass die Erwerbsquote von beeinträchtigten Menschen deutschlandweit nach wie vor 25 Prozent unter dem Niveau nicht-beeinträchtigter Menschen liegt, teilt das Statistische Bundesamt mit. Im Landkreis Cloppenburg waren 2020 im Jahresdurchschnitt 1417 Pflichtarbeitsplätze für schwerbehinderte Menschen bei Arbeitgebern mit mindestens 20 Arbeitsplätzen besetzt, teilt die Arbeitsagentur Cloppenburg/Vechta auf Nachfrage mit. Das entspricht einem Anteil von 3,4 Prozent an allen Arbeitsplätzen im Kreis.

Weiter Handlungsbedarf sieht auch der Cloppenburger Beirat für Menschen mit Behinderung. Er möchte künftig Institutionen besuchen und Anregungen mitnehmen, wie auch die Situation für beeinträchtigte Menschen in Cloppenburg weiter verbessert werden kann, sagt Guido Röding (SPD).

Jeder Arbeitgeber müsse sich Gedanken machen, wie auch in seinen Arbeitsräumen mehr Barrierefreiheit umgesetzt werden könne. Röding ist in Folge einer Krebserkrankung selbst schwerbehindert und arbeitet als Fachkraft für Arbeitssicherheit bei einer Firma in Löningen. Seit 2021 ist er Vorsitzender des Beirats für Menschen mit Behinderung in Cloppenburg. Er wünsche sich, dass beeinträchtigte Menschen mehr wahrgenommen werden. "Wir wollen das Thema Inklusion in die Öffentlichkeit bringen", so Röding.

Individuell auf Bedürfnisse eingehen

Im Gegensatz zu früher seien Arbeitgeber heutzutage für das Thema Inklusion sensibilisiert. Auch gebe es mittlerweile viele gesetzliche Vorgaben. Schon jetzt müssten Arbeitgeber bei einem Neubau oder einer Umgestaltung ihre Arbeitsplätze möglichst barrierefrei gestalten. Dazu zählen zum Beispiel barrierefreie Toiletten sowie barrierefrei zugängliche Etagen. Aber auch besondere Sitzmöglichkeiten und Stehhilfen, etwa in Modegeschäften, seien möglich. Letztlich sei das Thema aber auch sehr individuell, und man müsse häufig auf die Bedürfnisse der einzelnen beeinträchtigten Menschen eingehen.

Die Stadt Cloppenburg sieht Röding auf einem guten Weg. Es tue sich viel in Cloppenburg in Sachen Barrierefreiheit. "Die Stadt nimmt uns mit", sagt Röding. Er nennt das Beispiel Spielleitplanung, bei der die Stadt den Beirat umfangreich im Rahmen eines Workshops mit eingebunden habe. Auch beim Edeka-Neubau am Pingel-Anton bringe sich der Behindertenbeirat aktiv ein. So könne man sich dort öffentlich zugängliche, barrierefreie Toiletten vorstellen.

Schwerbehinderte haben erhöhten Kündigungsschutz

Was aber können Menschen mit Beeinträchtigung tun, wenn sie sich zum Beispiel auf eine Stelle bewerben? Röding rät ihnen, offen mit ihrer Behinderung umzugehen und sie bei der Bewerbung transparent zu machen. Das bringe auch viele Vorteile mit sich – zum Beispiel eine Bevorzugung beim Bewerbungsverfahren und mehr Urlaubstage. Auch erhalten sie einen erhöhten Kündigungsschutz. So bedarf es im Falle einer Kündigung etwa der Zustimmung des Integrationsamtes, heißt es auf einer Informationsseite des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Das gelte auch für den Fall, dass der Arbeitgeber nichts von der Schwerbehinderung seines Angestellten weiß.

Röding wünscht sich abseits der Arbeitswelt, dass die Sportvereine in Cloppenburg ihr Angebot weiter ausbauen und Menschen mit Behinderung mit in den Blick nehmen, indem sie Behindertensportarten wie zum Beispiel Rollstuhlbasketball anbieten.

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