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Vördener halten Plattdeutsch seit 20 Jahren hoch

Fünf Herren stellten im September 2001 die Weichen. Sie beschlossen, sich einmal im Monat im Ackerbürgerhaus zu treffen, um ausschließlich Plattdeutsch miteinander zu reden.

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Der Motor: Willi Buschemöhle leitet von Beginn an die Plattdeutsche Runde, die sich der Pflege und dem Erhalt des Vördener Platts verschrieben hat. Foto: Lammert

Der Motor: Willi Buschemöhle leitet von Beginn an die Plattdeutsche Runde, die sich der Pflege und dem Erhalt des Vördener Platts verschrieben hat. Foto: Lammert

Die Vördener Erich Beinke, Bernard Brand, Willi Buschemöhle, Friedrich Leiber und Dieter Stahl legten bei einem Treffen im September 2001 den Grundstein. Was sie seinerzeit beschlossen, trägt wesentlich zur Pflege des Plattdeutschen in der Gemeinde bei: Am 6. November 2001 traf sich erstmals die Plattdeutsche Runde, eine Untergruppe des Heimatvereins Vörden.

Die Organisation dieses ersten Treffens und der vielen weiteren, die in den vergangenen 20 Jahren im Ackerbürgerhaus stattgefunden haben, hat Willi Buschemöhle übernommen.

"Die ganze Verantwortung will ich nicht mehr tragen"Willi Buschemöhle

Doch der will sich nun zurückziehen: "Die ganze Verantwortung will ich nicht mehr tragen." Einen Nachfolger hat er gefunden. Ludger Rautenstrauch übernimmt zum 1. Januar und leitet dann die an jedem ersten Donnerstag eines Monats stattfindenden Treffen. Sie beginnen jeweils um 19 Uhr und enden zirka zwei Stunden später, manchmal auch etwas später, wenn es denn im Ackerbürgerhaus allzu gemütlich ist.

Wegen Gesangverein wechselte Runde auf Donnerstag

Anfangs hatte sich die Plattdeutsche Runde jeweils am ersten Dienstag eines Monats getroffen. Doch dann gab es den Wechsel, weil der Männergesangverein Vörden, der auch im Ackerbürgerhaus probte, wegen seines damaligen Dirigenten den Probeabend gerne von Donnerstag auf Dienstag verlegen wollte. "Dem haben wir zugestimmt", erinnert sich Willi Buschemöhle.

Zu Beginn, auch daran erinnert er sich, trafen sich etwa zehn Männer und Frauen, die das Plattdeutsche nicht nur aktiv im Kreis Gleichgesinnter sprechen, sondern so auch ihren ganz eigenen Beitrag zum Erhalt der Sprache beitragen wollten. "Aller Anfang ist halt schwer." Später waren es mehr als 20 Personen. Inzwischen hat sich die Teilnehmerzahl bei 12 bis 15 eingependelt.

"Wi kürt Platt, wi schnacket nich."Willi Buschemöhle

Hochdeutsch war früher an den Abenden verpönt, inzwischen ist es manchmal zu hören. Da sind die ganz starren Regeln im Laufe der Zeit ein wenig aufgeweicht worden. Wenig geändert hat sich am Ablauf der Zusammenkünfte. Üblicherweise liest ein Teilnehmer eine Geschichte auf Plattdeutsch vor, danach redet die Runde darüber. Und zwar im Vördener Platt. "Wi kürt Platt, wi schnacket nich", sagt Willi Buschemöhle.

Und wenn sie "kürn", dann reden die Teilnehmer viel über die gute, alte Zeit, die nicht immer so schlecht gewesen sei, wie sie mancher heute sieht, sagt der scheidende Leiter der Runde weiter.

Auch Ausflüge gehören zum Jahresprogramm

Allerdings: Die Plattdeutsche Runde zieht es auch ein- bis zweimal aus dem Ackerbürgerhaus raus. Dann stehen in der Regel Ausflüge auf dem Programm. Der erste führte 2004 ins Hasetal, wo die Gruppe auf der bekannten Handhebel-Draisine fuhr. Im Zuge des bislang letzten Ausflugs besichtigten 30 Teilnehmer unter anderem das Museum der Firma Krone in Spelle.

Wie viele andere Organisationen musste auch die Plattdeutsche Runde der Corona-Pandemie Tribut zollen. Im vergangenen Jahr waren die Treffen von April bis August ausgefallen. Dann waren sie im September und Oktober möglich, ehe es eine lange Pause bis zum 6. August 2021 gab.

Geburtstagsfeier findet am Donnerstag statt

Gerade rechtzeitig zum 20-jährigen Bestehen sind die Zusammenkünfte wieder möglich. "In denn Monat November tweidusend einuntwintich wett dei ,Plattdütsche Runne' in Vörden ,Twintich Joohre' ault!", heißt es in der Einladung. Diesen Geburtstag begeht die Plattdeutsche Runde am Donnerstag (4. November) ab 18 Uhr im Ackerbürgerhaus.

Dazu erwartet Willi Buschemöhle hohen Besuch. Bürgermeister Ansgar Brockmann habe sein Kommen angekündigt, um denen zu gratulieren, die ganz wesentlich dazu beitragen, ein wichtiges Stück Vördener Kultur zu erhalten.

Willi Buschemöhle hofft jedenfalls an der Schwelle des nächsten Jahrzehnts der Plattdeutschen Runde, dass diese auch ihr 30-jähriges Bestehen feiern wird. Viel wird allerdings davon abhängen, ob die Runde unter ihrem neuen Leiter neue Teilnehmer findet, die das Vördener Platt mit eben solcher Leidenschaft pflegen wollen wie die fünf Gründer, von denen drei inzwischen verstorben sind.

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