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Vor dem Abschied: Pastorenehepaar blickt auf 6 Jahre in Friesoythe und Bösel zurück

Sabine und Joachim Prunzel übernehmen Stellen in einer Kirchengemeinde bei Goslar. Im Rückblick erinnern sie sich an gute Zusammenarbeit, Unterstützung, Neuerungen und die Bedeutung der Nachbarschaft.

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Abschiedsschmerz und Vorfreude: Das Pfarrersehepaar Sabine und Joachim Prunzel wechselt Anfang Februar von Friesoythe und Bösel in den Pfarrverbund Kanstein bei Goslar.   Foto: Stix

Abschiedsschmerz und Vorfreude: Das Pfarrersehepaar Sabine und Joachim Prunzel wechselt Anfang Februar von Friesoythe und Bösel in den Pfarrverbund Kanstein bei Goslar.   Foto: Stix

Einer kommt, 2 gehen. Während die katholische St.-Marien-Gemeinde am Sonntag ihren neuen Pfarrer Christoph Winkeler begrüßte, geht für Sabine und Joachim Prunzel die Zeit im Nordkreis zu Ende. Das evangelische Pastorenehepaar wechselt, wie berichtet, im März in den Pfarrverbund Kanstein bei Goslar.

Für Sabine Prunzel fühlt sich der Umzug auch ein wenig an wie die Rückkehr nach Hause. "Ich habe lange in der Region gearbeitet und dort immer noch ein großes, stabiles soziales Netz", erzählt sie. Sie sei ja auch nach wie vor Pfarrerin in der evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig und derzeit lediglich an die Oldenburgische Landeskirche ausgeliehen.

"Immer nur Abruf, dafür bin ich zu alt. Ich will etwas gestalten und aufbauen, und das geht nur in Festanstellung."Sabine Prunzel, Pfarrerin

"Das bedeutet, dass ich hier nur als Springerin arbeiten kann", sagt sie. Anfangs war sie in Lasrup und Lindern, derzeit ist sie in Bösel, als nächste Station hätte Löningen angestanden. "Immer nur Abruf, dafür bin ich zu alt“, sagt die 53-Jährige. „Ich will etwas gestalten und aufbauen, und das geht nur in Festanstellung."

Die Aussichten auf eine eigene volle Stelle sind verantwortlich für das lachende Auge, mit dem sie und ihr Mann die Region gen Osten verlassen. Für das weinende Auge sorgt der Kummer darüber, lieb gewonnene Menschen zurückzulassen. Das gelte für neu gewonnene Freunde und für die Gemeindeglieder ebenso wie für die katholischen Kollegen.

Gute Zusammenarbeit mit katholischen Kollegen

"Ich habe in Bösel sehr gerne und gut mit Stefan Jasper-­Bruns zusammengearbeitet", sagt Sabine Prunzel. Und ihr Mann denkt gerne an die Zeit mit Michael Borth zurück. "Das war ein Zusammenspiel, das immer sehr gut geklappt hat", erzählt er. "Wenn einer von uns eine Idee für ein ökumenisches Projekt hatte, hat der andere das sofort aufgegriffen."

Bei seinem Rückblick auf die vergangenen sechs Jahre denkt er vor allem an das Vertrauen, das ihm seine Gemeinde vom ersten Tag an entgegengebracht habe. "Die Menschen der Gemeinde haben sich zum Beispiel gleich zu Beginn sehr dafür eingesetzt, dass auch meine Frau herkommen kann, obwohl ich selbst doch erst seit ein paar Wochen im Amt war", erzählt er.

"Auch wenn ich schräge Ideen hatte, haben wir gemeinsam überlegt, ob das ginge und dann einfach gemacht."Joachim Prunzel, Pfarrer

Und dieses Grundvertrauen, das darin zum Ausdruck kam, habe sich durch die gesamten sechs Jahre gezogen. "Auch wenn ich schräge Ideen hatte, haben wir gemeinsam überlegt, ob das ginge und dann einfach gemacht", erzählt er. So sei beispielsweise auch das Projekt zustandegekommen, den Gottesdienst via Beamer und Leinwand mit Lied-, Bibel- und Gebetstexten, vor allem aber auch mit Bildern zu begleiten.

"Das hilft vor allem den Spätaussiedlern, die vielleicht mit der Sprache nicht so gut zurecht kommen", sagt Sabine Prunzel. "Die können sich dann mit den Bildern ihre eigene Predigt zusammenstellen." Das sei vor allem deshalb wichtig, weil die Aussiedler den Kern der evangelischen Kirchengemeinde Friesoythe-Sedelsberg-Bösel bilden. "Ohne Aussiedler gäbe es die Gemeinde in der heutigen Form gar nicht", sagt sie. "Und sie sorgen auch dafür, dass wir hier mehr Taufen als Beerdigungen haben", betont sie. "Das hatte ich vorher noch nie."

Abschiedsgottesdienst in St.-Marien-Kirche

Und noch eine Besonderheit wird ihr in Erinnerung bleiben. "Die große Bedeutung und das Engagement der Nachbarschaft haben mich beeindruckt", so die Pfarrerin. In der Coronakrise habe sie gemerkt, wie wertvoll das vor allem für ältere Menschen sei. "Ich habe viel mit älteren Gemeindegliedern telefoniert und gefragt, ob sie Hilfe brauchen", erzählt sie. "Und eigentlich immer habe ich dann erfahren, wie gut sich die Nachbarn kümmern."

Am 28. Februar verabschiedet die evangelische Kirchengemeinde Friesoythe-Sedelsberg-Bösel die beiden Pfarrer mit einem Gottesdienst in der St.-Marien-Kirche. "Ich bin der katholischen Gemeinde sehr dankbar für das spontane Angebot, dafür die große katholische Stadtkirche zu nutzen", sagt Joachim Prunzel. "Da dürfen in Coronazeiten immerhin 80 Leute rein, aber auch das ist knapp."

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