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Von wegen Sturköpfe: Mini-Esel mögen menschliche Nähe

Der Esel ist das Haustier des Jahres 2022. In Borkhorn werden besonders kleine Vertreter ihrer Art gezüchtet. Die Tiere begeistern durch ihre Ausgeglichenheit.

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Flauschig: Petra Appeldorn krault "Spotty". Der junge Miniaturesel lässt sich das gern gefallen. Foto: G. Meyer

Flauschig: Petra Appeldorn krault "Spotty". Der junge Miniaturesel lässt sich das gern gefallen. Foto: G. Meyer

Wenn "Spotty" von Petra Appeldorn gestreichelt werden möchte, bleibt er einfach vor ihr stehen und rührt sich nicht mehr. Lange muss er sich nicht gedulden. Sein weißes Fell ist einfach zu flauschig. "Da kann man nicht widerstehen", schwärmt die Löningerin und krault dem kleinen Esel liebevoll den Hals. "Spotty" schweigt stoisch und genießt.

Im vergangenen Jahr kam der knuffige Hengst auf dem Eselhof in Borkhorn zur Welt. Im Bauch seiner Mutter hatte er zuvor eine Reise um den halben Globus unternommen. Denn "Spotty" ist ein amerikanischer Miniaturesel und wäre im US-Pferdezuchtmekka Kentucky geboren worden, hätten sich die Appeldorns nicht zum Einstieg in die Zucht der hierzulande noch seltenen Langohren entschlossen. Mit drei tragenden Stuten ging es los. Inzwischen ist die Herde auf acht Tiere angewachsen. Und die fühlen sich in Borkhorn sichtlich wohl.

"Sie sind die Ruhe selbst", bestätigt Petras Ehemann Klaus. Als er in der Silvesternacht im Stall besorgt nach ihnen schaute, fand er die Esel friedlich schlafend vor. "Pferde wären wegen der Böllerei viel nervöser gewesen", weiß er aus Erfahrung. Stress hatten die Appeldorns dagegen vor der ersten Geburt. Weil sie nicht genau wussten, wann die Stute in Amerika gedeckt wurde, hielten beide nächtelang Wache. "Das war anstrengend", bestätigt Petra, die die Zucht jetzt selbst in die Hand genommen hat. Den nötigen Sachkundenachweis  hat die ausgebildete Reitlehrerin noch im vergangenen Jahr erworben. Sie musste dafür aber einige bürokratische Hürden überwinden, denn die Mitarbeiter im Kreisveterinäramt  konnten mit Eseln zunächst kaum etwas anfangen. "Sie blieben aber immer freundlich und wollten uns helfen", betont Klaus Appeldorn. 

Tiere erreichen Stockmaß bis 80 Zentimeter

Jüngster Herden-Nachwuchs ist der kleine "Krümel". Er kam am 20. Oktober zur Welt und war so winzig, dass er anfangs locker zwischen den Beinen seiner Mutter "Steffi" hindurchlaufen konnte. Miniaturesel erreichen in der Regel ein Stockmaß von etwa 80 Zentimetern. "Krümel" dürfte jedoch deutlich darunter bleiben. Für die Zucht sei das gut, erklärt Petra Appeldorn. "So ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Fohlen nicht zu groß sind und es keine Probleme bei der Geburt gibt." Die Tiere gezielt kleiner zu züchten, lehnen die Neueinsteiger aber ab. Das sei Quälerei, denn irgendwann würden die Beine so kurz, dass ihnen das Laufen schwerfalle, sagen sie. 

Während die Esel gegenüber Menschen stets friedfertig sind, kann es untereinander durchaus zu Zickereien kommen. "Eine ungerade Herdenzahl ist schlecht für das Stallklima", hat Klaus Appeldorn herausgefunden. Von einer Stute, die den Laden regelmäßig aufmischte, mussten  sich die Borkhorner daher schweren Herzens  trennen. Für sie und ihr Fohlen fanden sie  bei Hannover ein neues Heim. "Dort geht es ihnen gut und in unserer Herde herrscht jetzt Harmonie", sagt Petra. Zurzeit sind zwei Stuten tragend. Die Züchterin hofft, dass diesmal endlich auch weiblicher Nachwuchs dabei sein wird.

Jüngster Nachwuchs: Krümel kam im Oktober vergangenen Jahres zur Welt. Foto: AppeldornJüngster Nachwuchs: "Krümel" kam im Oktober vergangenen Jahres zur Welt. Foto: Appeldorn

Die Nachfrage nach Miniatureseln ist groß. Die Appeldorns haben mittlerweile Anfragen aus ganz Europa und sogar aus den USA erhalten. Unter den Interessenten waren ein polnischer Zoo und ein Eselfreund aus Malta. "Wir hätten die Tiere mehrfach verkaufen können", bestätigt Petra. Sie hat einen Antrag zum Führen des Ursprungszuchtbuches gestellt. Hilfe bekommt sie dabei vom Pferdestammbuch Weser-Ems in Vechta.  Ihr Ziel sei, die Rasse in Deutschland zu etablieren, sagt sie. Ähnlich wie Alpakas eignen sich die Esel auch als Therapietiere. Weil sie so klein und gleichzeitig unerschrocken sind, können sie zum Beispiel in Alten- oder Pflegeheimen eingesetzt werden – und fahren dort sogar bereitwillig im Fahrstuhl mit. 

Die Stiftung Bündnis Mensch & Tier hat den Esel zum Haustier des Jahres 2022 gewählt. Er sei ein guter Begleiter des Menschen und  verdiene es, artgemäß gehalten und auch sonst gewürdigt zu werden, heißt es in der Begründung. Den "dummen Esel" jedenfalls gebe es nicht, betont die Jury. Petra und Klaus Appeldorn können das nur bestätigen. 

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