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Von Vorfreude (noch) keine Spur

Kolumne: Das Leben als Ernstfall – Die Welt um mich herum tut seit September – Stichwort Lebkuchenverkauf – alles, um Weihnachtsstimmung zu erzeugen. Aber es gelingt nicht. Bei mir zumindest nicht.

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In genau einem Monat ist Heiligabend schon wieder vorbei, dann bestimmen Familie, gutes Essen und festlich geschmückte Räume das Bild. Aus den Lautsprechern kommt Weihnachtsmusik (mein Tipp: das Weihnachtsoratorium von Bach, das gibt es auch bei Alexa), im Fernsehen läuft bei vielen Familien wahlweise „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ (insgesamt 13 TV-Sendetermine vom 28. November an, sechs davon an den drei Weihnachtstagen) oder „Der kleine Lord“ (26. Dezember oder in allen Streamingdiensten).

Alles so, wie es sein soll. Nur eines passt in diesem Jahr – abgesehen von der arbeitnehmerunfreundlichen Verteilung der Weihnachtstage auf das Wochenende – irgendwie so gar nicht: Bei mir will sich einfach keine Advents- oder Vorweihnachtsstimmung einstellen. Und wenn ich "keine" schreibe, dann meine ich exakt: keine. Null. Zero. Niente. Nicht einmal ein Hauch von. Dabei tut die Welt um mich herum alles nur erdenklich Mögliche, damit das anders wird.

Am Dienstagabend bin ich mit dem Rad durch die Friesoyther Innenstadt gefahren und war total überrascht, dass da überall Weihnachtsdeko hängt und alles so festlich leuchtet. „Aber klar“, sag' ich dann so zu mir selbst, „am Sonntag ist erster Advent, da darf das dann wohl so sein.“ Und trotzdem erscheint es mir viel zu früh. Das ging schon mit Lebkuchen und Spekulatius los. Der Sommer hatte noch gar nicht angefangen (gut, er kam dann auch nicht mehr, aber das ist eine andere Geschichte), also zumindest war noch nicht Herbst, da lag schon das erste Weihnachtsgebäck im Supermarkt. Im Oktober tauchten dann immer häufiger die mehr oder weniger dezenten Hinweise auf, dass ja bald schon Weihnachten sei, und es gebe da doch tolle Geschenkideen im Handel. Und noch vor dem 1. November stapelten sich in den Verbrauchermärkten die Adventskalender.

"Fehlt mir das Weihnachtsgen? Oder muss man am Ende jetzt noch gar keine Weihnachtsstimmung haben? Setze ich mich da zu sehr unter Druck?"Heiner Stix

All das hat es nicht geschafft, bei mir eine wie auch immer geartete Weihnachtsstimmung hervorzurufen. Dabei ist jetzt, vier Wochen vor dem Fest, der Ernstfall schon ziemlich nah. Zumindest geschenketechnisch. Aber auch das hilft nichts, es will einfach keine Vorfreude aufkommen. Liegt es am Alter? Am Wetter? An Corona? Bin ich der Einzige? Fehlt mir das Weihnachtsgen? Oder muss man am Ende jetzt noch gar keine Weihnachtsstimmung haben? Setze ich mich da zu sehr unter Druck?

Eines allerdings muss ich positiv vermerken: Noch lief kein einziges Mal „Last Christmas“ von Wham im Radio. Aber ich befürchte, auch das wird nicht mehr lange auf sich warten lassen.


Zur Person:

  • Heiner Stix ist Redakteur der OM-Medien.
  • Den Autor erreichen Sie per Mail an: redaktion@om-medien.de.

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