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Von Teenager-Leichtsinn, Böllern und hohen Erwartungen

Meine Woche: Wir haben mal wieder einen Jahreswechsel überstanden, die Mehrheit von uns sogar unbeschadet. Dabei ist Silvester das Fest der überhöhten Erwartungen und dummen Entscheidungen.

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Silvester 1999 war ein Desaster. Ein persönliches. Nach der großen Euphorie vor dem Jahrtausendwechsel und dem Teenager-Leichtsinn, in einer Nacht deshalb gleich auf zwei Partys gehen zu wollen, landete ich bereits vor Mitternacht auf dem Rücksitz eines Autos nach Hause. Sie ahnen es: Eine Party hatte für den notwendigen Alkoholpegel ausgereicht. Ich war bettreif. Inzwischen ist mir das auch nicht mehr ganz so peinlich – betrachten Sie diese Kolumne doch einfach als Teil der Vergangenheitsbewältigung.

Silvester hat die unglückliche Eigenschaft, überhöht zu werden. Der Jahreswechsel muss für einiges herhalten: Den Abschied von allem, was im vergangenen Jahr schlecht gelaufen ist, und die Erwartungen, dass ab Mitternacht sofort alles besser werden muss. Und ganz nebenbei soll die Nacht auch noch für eine wirklich gute Party taugen, mit gutem Essen, guten Getränken und allem, was dazugehört. Je nach Lebensphase kann das ganz schön anstrengend sein.

Aber ein Kofferraum voller Sprengstoff in bunten Verpackungen ist ja nix.Lars Chowanietz

Ein alter Bekannter kündigte deshalb über Jahre immer bereits rechtzeitig an, Silvester mit der Liebsten zu Hause zu verbringen. Vielleicht bei einem kühlen Getränk. Aber zeitig ins Bett gehe es auf jeden Fall. Silvester sei ein besserer Samstagabend. Weil man ja am Folgetag auch frei hat.

Nein, das hier wird übrigens kein Text darüber, wie erwartungsgemäß schlecht mein Jahreswechsel 2022/23 war. Im Gegenteil: Der Abend war gemütlich schön. Mit netten Menschen, mit gutem Essen und allem, was dazugehört – und der simplen Hoffnung, dass die Kinder am Neujahrstag auch mal ausschlafen wollen; eine überhöhte Erwartung.

Manchmal reicht's nur für sarkastische Bemerkungen

Nach meinem, eher schwachen Start ins aktuelle Jahrtausend habe ich allerdings auch reichlich experimentiert, ob und wie Silvester dann doch allen Erwartungen gerecht werden kann; um dann auf mitunter sehr guten Partys zwischen viele Menschen zu geraten, die dann noch viel höhere Erwartungen hatten – oder zumindest den Hang, zum Jahreswechsel noch einmal richtig zu übertreiben.

Überhöhung führt ja nicht selten zur Eskalation, hierzulande ja gerne beim Böller-Einkauf. Aber ein Kofferraum voller Sprengstoff in bunten Verpackungen ist ja nix, wenn man bedenkt, dass in Regionen Europas wegen Böllerverbots und euphorischer Freude über den Jahreswechsel Langwaffenbesitzer in die Luft feuern und dabei nicht selten andere Feiernde von den Balkonen schießen – unvorsichtigerweise. Auch das gibt’s. Dagegen sind, wie in Deutschland Tradition, brennende Hecken und Häuser, Brandblasen und abgesprengte Körperteile fast Bagatellen. Das gibt's auch in jedem Jahr wieder. Genauso wie Teenager, die wegen dummer Entscheidungen schon vor Mitternacht ganz dringend ins Bett müssen.

Auch wenn es manchmal im Jahres- und Silvesterrückblick nur für sarkastische Bemerkungen reicht, können Humor und Optimismus ja doch ganz hilfreich sein. Ohne überhöhten Anspruch können wir sagen: 2023 kommt auf jeden Fall. Es wird spannend. Machen wir das Beste draus. Es liegt ganz viel an uns.


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