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Von Sterndeutern und Königen

Kolumne: Auf ein Wort – So, wie die Heiligen Drei Könige der Krippe jeden Tag ein Stück näher kommen, so hat sich auch im Laufe der Zeit die Tradition um sie gebildet.

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Einer unserer Enkel, Emil, wird gefragt, ob denn im Kindergarten auch über die Geburt Jesu erzählt wurde? "Na klar, der ist in Bethlehem geboren." Das Fragen geht weiter: "Habt ihr auch von den Heiligen Drei Königen gehört?" Kopfnicken. "Und wie hießen die?" "Kasper, Seppl und den Namen vom Dritten vergess’ ich immer!" Für die katholischen Christen haben die Heiligen Drei Könige Namen: Kasper, Melchior, Balthasar. Und dass die Sternsinger von Haus zu Haus ziehen und seinen Bewohnern Segen zusprechen, das ist ein schöner Brauch, an dem auch ich gerne teilnehme.

Und doch geht es nicht ohne die Bemerkung, dass von Königen an der Krippe Jesu in der Bibel (Matthäus 2) nicht die Rede ist. Matthäus schreibt von "Magoi", das sind Magier, Sterndeuter, weise Männer. (Sterndeuter trifft es wohl am besten, da ein Stern, ein Himmelsereignis, sie in Bewegung setzte). Erst im 3. und 4. nachchristlichen Jahrhundert bildete sich langsam die Tradition der Drei Heiligen Könige heraus.

Ihre Namen tauchen erstmals im 6. Jahrhundert auf. Dass es drei waren, steht auch nicht in der Bibel, aber es lässt sich aus der Anzahl der Geschenke ableiten: Gold (Du bist ein König), Weihrauch (Du bist Gott), Myrrhe (Salbung zum Begräbnis). Bei den Krippendarstellungen in unseren Kirchen bleiben die Weisen, die Sterndeuter, zum Fest der Geburt Christi noch im Hintergrund, dann kommen sie immer ein Stückchen näher, bis sie am 6. Januar an der Krippe stehen.

"Mein Geschenk an das Kind in der Krippe ist jedes Jahr aufs Neue immer dasselbe: meine Liebe."Jörg Schlüter

Das neue Jahr hat gerade begonnen. Viele Menschen schauen ängstlich, wie wird sich unsere Welt entwickeln? Viele Hände falten sich und beten um Gerechtigkeit und Frieden. Nachdenklichkeit setzt ein: Wie könnte mein Beitrag aussehen? Was bringe ich dem Kind in der Krippe? Nein, ich nehme mir nicht vor, im neuen Jahr tüchtiger zu beten, mehr zu spenden, mich mehr für andere einzusetzen. Meine Erfahrung ist, dass all diese wirklich guten Vorsätze im Laufe des Jahres vom Alltäglichen geschluckt werden und am Ende ist alles beim Alten geblieben.

Mein Geschenk an das Kind in der Krippe ist jedes Jahr aufs Neue immer dasselbe: meine Liebe. Lieben kann ich. Das habe ich gelernt, weil ich selbst als Kind geliebt wurde. Lieben habe ich gelernt, weil ich Liebe in der Ehe und Familie erfahre. Liebe wohnt in mir. Es gilt nur, dieses Geschenk der Liebe auch zu überbringen. Das Kind in der Krippe wird meine Liebe zu ihm verwandeln in Achtsamkeit für die Schöpfung und den Mitmenschen. Auspacken, verschenken, nicht für sich behalten, die Liebe. Dann wird’s ein glückseliges neues Jahr!


Zur Person

  • Jörg Schlüter ist evangelischer Geistlicher. Er war von 1998 bis 2011 Pfarrer der evangelisch-lutherischen Gemeinde in Vechta.
  • Kontakt: redaktion@om-medien.de.

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