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Von längst vergessenen Trends: Das unliebsame Comeback der Hüfthose

Kolumne: Die Generation Z zeigt's Ihnen – Die 2000er und ihre Modetrends feiern ein Comeback auf Instagram und Co. Allerdings sollte nicht jede Bewegung nostalgisch verklärt werden.

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Zurück in die Nullerjahre: Wenn ich durch die sozialen Netzwerke scrolle, fallen mir immer wieder Trends auf, die ich schon längst verschollen geglaubt hätte – zum Teil auch aus gutem Grund. Aber, wie heißt es doch so schön: "Alles kommt einmal wieder". Auf den Bildern bei Instagram und Co. sammeln sich zum Beispiel Beiträge von Models und Influencerinnen, die mit super knappen Hüfthosen und bauchfreien Tops vor der Kamera posieren.

Dabei waren wir doch damals froh, dass diese Zeiten endlich vorbei waren. Was für mich so aussieht, als hätten die jungen Frauen einfach alte Bravo-Zeitschriften aus den 2000ern durchgeblättert und ein Poster von Britney Spears nachgestellt, scheint derzeit der absolute Renner zu sein. Schließlich weckt es bei den Trendsettern im Netz ein nostalgisches Gefühl, heißt es dort. Nun ja, aber früher war eben auch nicht immer alles besser – erst recht nicht in Modefragen.

Daher stellt sich die Frage: Warum gibt es diese Comebacks? Generationsforscher Rüdiger Maas hat dazu eine Theorie: "Moden verliefen bei den älteren Generationen immer in Wellenbewegungen". So hätten sich zum Beispiel Vertreter der Generation X – geboren von 1965 bis 1980 – in Subkulturen wie den späten Hippies, Rockern oder Punks gegen ihre Eltern aufgelehnt. Heute sei das jedoch nicht mehr erforderlich, daher spreche man vom "Neokonventionalismus". Das bedeutet, die Kinder übernehmen sehr viele Werte und Einstellungen ihrer Eltern, statt sich gegen diese aufzulehnen.

"Wer möchte schon an kalten Tagen und ohne Heizung freiliegende Nieren haben?"Meike Wienken

Doch warum ausgerechnet die 2000er? Die Jahrtausendwende steht für ein neues digitales Zeitalter und technologischen Fortschritt. In dieser Zeit startete schließlich auch das Internet seinen Siegeszug. Insgesamt herrschte eine positive Aufbruchstimmung, erklärte Mode-Expertin Cloudy Zakrocki in einem Gespräch mit der Deutschen Presseagentur. Dieses Gefühl spiegele sich auch in dem progressiven Modestil der 2000er wider. Denn: Damals sei es weniger darum gegangen, ernst genommen zu werden, sondern darum, sich auszuprobieren, so Zakrocki. Auch in aktuellen Musikvideos von Popstars wie etwa Dua Lipa oder Harry Styles lässt sich eine Hommage an die 2000er beobachten.

Klingt also erst einmal nicht schlecht, aber ein Comeback der Hüfthose – muss das sein? Zum einen sitzt die Hose viel zu knapp und zum anderen: Wer möchte schon an kalten Tagen und ohne Heizung freiliegende Nieren haben? Außerdem trägt die Jeansform völlig normale Hüftpfunde zutage. Wenn man nicht gerade Kate Moss und ihren "Heroin Chic" befeuern will, sollten wir von diesem Trend also eher die Finger lassen. Denn: Die Hüfthose könnte problematisch für das mentale Wohlbefinden der jüngeren Generationen werden, wenn es darum geht, einer neuen Schlankheitsnorm zu entsprechen.

Doch das Gute an Modetrends ist, dass sie meistens genauso schnell verschwinden wie sie gekommen sind. Und außerdem: Am meisten authentisch bin ich doch schließlich dann, wenn ich das trage, womit ich mich wohlfühle – das ist wirklich chic.


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