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Von Endzeitstimmung keine Spur

Kolumne: Batke dichtet – Am Gardasee lässt es sich herrlich entspannen – trotz widrigen Wetters. Gerade scheint Mountainbiken im Trend zu sein. Wir halten es lieber mit unserem Entertainer Francesco.

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Das Lächeln ist zurückgekehrt. Wie wir. Wer einmal dort war, wird zum Wiederholungstäter. "Schön, dass ihr wiedergekommen seid. Wir hatten einige schwere Monate", sagt die Dame, zu der das Lächeln zurückgekehrt ist. Sie heißt Anna und arbeitet an der Rezeption unseres Hotels am Gardasee. Anna hat alle Hände voll zu tun – das Haus ist nahezu ausgebucht. Und rund um und auf dem See, der die norditalienischen Provinzen Trentin, Lombardei und Venezien säumt, pulsiert das Leben, als hätte es Corona nie gegeben.

Schon Goethe wusste die Vorzüge der Region zu schätzen, in dem Gedicht über seine Italienreise, das mit der vielzitierten Frage "Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn?" beginnt, heißt es unter anderem auch: "Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht." Nun, es muss klimatechnisch eine andere Zeit gewesen sein, als der Dichterfürst unterwegs war. Sanften Wind und blauen Himmel haben wir mitunter auch, aber eben auch die für unsere Sommer typisch gewordenen Tornados und XXL-Gewitter mit Starkregen und Hagelschlag.

Doch von Endzeitstimmung keine Spur: Die gute Laune lassen sich die Urlauber rund um den Gardasee von Riva im Norden bis Sirmione im Süden trotz Pandemie-Auflagen und Wetter-Unbilden nicht vermiesen. Gardasee steht für Aktiv-Erholung – zu Wasser, zu Land und in der Luft. Kein Tag ohne irgendeine Segel-Regatta, die Stand-up-Paddler haben ihre Reviere ebenso wie die Kitesurfer. Radler umkurven den See, ganze Legionen von Harley-Fahrern knattern durch die Tunnel und veranstalten einen Höllenlärm, während vom Monte Baldo Gleitschirmflieger sanft zu Tal schweben.

"Die Bikes sehen mittlerweile aus wie die Rennmaschinen, mit denen seinerzeit Egon Müller oder Wilhelm "Goldfinger" Duden über die Gras- und Sandbahnen dieser Welt bretterten."Alfons Batke

Absoluter Trendsport im nördlichen Garda-Bereich – da, wo die Berge am höchsten sind – ist das Mountainbike-Fahren. Im Zuge verfeinerter Antriebstechnologien kann auch der rüstige Mittsiebziger noch mithalten, so er die Gerätschaft zu bändigen in der Lage ist. Die Bikes sehen mittlerweile aus wie die Rennmaschinen, mit denen seinerzeit Egon Müller oder Wilhelm "Goldfinger" Duden über die Gras- und Sandbahnen dieser Welt bretterten. Wer ein vorzeigbares Modell spazieren führen will, ist schnell bei einer Tagesmiete von 60 Euro.

Mit derlei Schnickschnack hat Francesco nichts am Hut. Francesco ist unser Haus-Entertainer. Ist er erst 50 oder schon 70? Schwer zu schätzen. Seine Musik ist jedenfalls zeitlos. Das Abendessen im Speisesaal des Hotels begleitet er am Flügel. Zwischen Antipasto, Primo Piatto, Secondo Piatto und Dessert spielt der Piano Man sanften Kuschelrock rauf und runter – jeden Abend, 7 Tage die Woche.

Jeden Abend, 7 Tage die Woche: Franceso ist unser Fels in der Brandung

Aber Francesco kann noch mehr: Von 21 bis 23 Uhr ist Showtime. Auf der Openair-Bühne des Hotels dreht er richtig auf. Eine Mischung aus Synthesizer, Karaoke, Live und Playback, einmal quer durch die italienische Evergreen-Parade; von "Sempre, sempre", Sie wissen schon, Al Bano und Romina Power, bis zu Eros Ramazzottis "Una storia importante" ist alles dabei. Und wenn der Wind vom etwas rockiger ausgelegten Nachbarhotel den "Immigrant Song" von Led Zeppelin herüberweht, schiebt Francesco die Regler höher. Dann ist Zeit für "California Blue", und seine Version hat 25 Gramm mehr Schmalz als das Original von Roy Orbison oder die deutsche Variante von Roy Black.

Jeden Abend. 7 Tage die Woche. Francesco – der Fels in der Brandung in stürmischen Zeiten. Wir freuen uns auf eine Zugabe im nächsten Jahr.


Zur Person

  • Alfons Batke blickt auf eine über 40-jährige journalistische Laufbahn zurück.
  • Der Autor lebt als freier Ruheständler in Lohne.
  • Kontakt: redaktion@om-medien.de.

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