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Von Beleidigungen, Anzeigen und dem falschen Jesus

Kolumne: Die Generation Z zeigt's Ihnen – Was Verkäufer und Kellner heutzutage erleben müssen, lässt den Glauben an die Menschheit immer mehr schwinden.

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Wurde Ihnen schon einmal mit einer Anzeige wegen Körperverletzung oder damit, einen Kohlrabi ins Gesicht geworfen zu bekommen, gedroht? Erstaunlich häufig erleben Menschen solch bizarre Situationen, wenn sie in der Gastronomie oder im Einzelhandel arbeiten. Dies kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. 

Während meines Studiums arbeitete ich als Kellnerin in einem Café. Was ich dort alles erlebt habe, lässt mich doch manchmal an der Menschheit zweifeln. Szenario eins: Eine Frau fragt mich nach dem Passwort für das Gäste-WLAN. Kurze Zeit später kommt sie aufgebracht zu mir: Es wäre eine Unverschämtheit, dass zeitgleich das Radio im Café laufen würde, während sie mit ihrem Handy im Internet surfe. So würden sich Viren und Hacker auf ihrem Smartphone einnisten können. Ich versuchte ihr daraufhin zu erklären, dass kein Radio laufe würde, sondern eine Playlist von Spotify. Mit dieser Erklärung stieß ich anscheinend bereits an die Grenzen ihres technischen Verständnisses. Danach versuchte ich, ihr deutlich zu machen, dass Radiohören keinen Einfluss auf das Internet habe.

"Auch wenn diese Geschichten im Nachhinein sehr belustigend sind, führen sie einem dennoch vor Augen, was Kellner und Kellnerinnen und auch Verkäufer und Verkäuferinnen in ihrem Beruf tagtäglich durchmachen müssen."Lisa Bernhardt

Mein Erklärungsversuch kam bei ihr allerdings nicht gut an. Prompt fing sie an, mich zu beleidigen und schrie, sie wolle mich wegen Körperverletzung anzeigen, wenn sie nun Viren auf ihrem Telefon habe. Die Anzeige wegen "Körperverletzung" kam bis heute nicht – da hatte ich wohl Glück, dass die Playlist, die im Laden lief, nichts Böses auf ihrem Handy angerichtet hat.  

Neben grotesken Geschichten wie dieser habe ich aber auch schon lustige, wenn auch nicht weniger verrückte Situationen erlebt. So kam im Winter ein Mann barfuß, oberkörperfrei und nur mit einer kurzen Hose bekleidet zur Tür herein. Er stellte sich in die Mitte des Ladens und schrie "Ich bin Jesus. Reichet mir Wasser" und blickte mich dabei erwartungsvoll an. Nachdem ich nicht ganz wusste, ob ich es hier mit einem Verrückten oder einfach nur einem witzigen Spinner zu tun hatte, gab ich ihm ein Glas Wasser und er verschwand wieder zur Tür hinaus.

Auch eine meiner Lieblingsgeschichten: die Kohlrabi-Frau. Es ist die übliche Schlange an der Kasse im Supermarkt. Eine Frau vor mir packt ihren Einkaufskorb aus und lässt jedes Teil von oben herab auf das Kassenband knallen. Die Verkäuferin bittet sie, die Ware auf das Kassenband zu legen und nicht zu schmeißen. Daraufhin holt die Frau einen Kohlrabi heraus und sagt: "Wenn du nicht ruhig bist, werfe ich dir den Kohlrabi ins Gesicht!" 

Auch wenn diese Geschichten im Nachhinein sehr belustigend sind, führen sie einem dennoch vor Augen, was Kellner und Kellnerinnen und auch Verkäufer und Verkäuferinnen in ihrem Beruf tagtäglich durchmachen müssen. Daher schadet es sicherlich nicht, beim nächsten Essengehen beim Trinkgeld etwas großzügiger zu sein oder der Verkäuferin beim nächsten Einkauf einfach mal ein Lächeln zu schenken. 


Zur Person:

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