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Vom Wald und von der Kirche

Kolumne: Auf ein Wort – Die Oberförster der Republik grübeln: Wenn die Pflege des Waldes Jahrhunderte gut war, kann sie doch nicht auf einmal schlecht sein?

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"Das ist schwammig formuliert." "Wieso?“ "Es wird nicht deutlich, um a) welchen Wald und b) um welche Kirche es sich handelt."

„In Ordnung, das kann geklärt werden. A) der deutsche Wald und b) die beiden deutschen Volkskirchen.“

„Gut, dann erzähl.“

„Also, die Oberförster der Republik trafen sich. Der Forstoberrat hatte eingeladen, ein exklusiver Kreis. Der Forstoberrat lächelte zur Begrüßung, schaute in die Runde und sagte: 'Zumindest sitzen wir alle erst einmal an einem Tisch.' Jeder nickte. 'Der Wald ist in Gefahr, was sollen wir tun und was nicht?'

Da war es mit der Gemeinsamkeit schon vorbei. Einer der Oberförster, ein ziemlich junger Bursche, meldete sich zu Wort. 'Warum sitzen nur wir hier? Wenn es um den Wald geht, dann geht es auch um die gemeine Försterin, die Waldarbeiterin, die Waldpädagoginnen, um die Spaziergängerin, die Wandererin und den Kraxler. Warum sind sie nicht eingeladen?' Ihm gegenüber sprang jemand auf. 'So weit kommt das noch, alle mitreden lassen. Im Wald hat der Oberförster das Sagen, basta!' Die eine Hälfte nickte, die andere schüttelte den Kopf.

Der Forstoberrat wollte Konfrontation vermeiden. 'Meine lieben Forstbrüder. Ist es nicht immer so gewesen, dass es im Wald gute und schlechte Zeiten gab? Der Wald ist Gottes Schöpfung. Mancher Baumbestand geht eben kaputt, andere Bäume wachsen nach, so ist das seit Jahrhunderten. Es wird sich, wie immer, alles von selbst regulieren.'

"'Wald ist Leben, Wald ist Wachsen, aber Wald ist nicht, es war schon immer so!'"Jörg Schlüter

'Nein, wird es nicht. Noch nie etwas von Klimawandel gehört? Darauf müssen wir reagieren. Wir müssen alle Betroffenen ins Boot holen', ereiferte sich einer. 'Gehaltloses Geschwätz! Die toten Bäume werden gefällt und neu angepflanzt, Problem gelöst!', hielt ein anderer dagegen. 'Klimawandel!! Wir können nicht die alten Baumsorten neu anpflanzen, die gehen wieder kaputt. Wir müssen den Wald ganz neu denken, ganz neu träumen, uns auf die Suche machen, wo es neue Baumsorten gibt, die den Wald wieder zum Wald werden lassen. Solche müssen gepflanzt werden und dazu kannst du auf keine Waldliebhaberin verzichten.' 'Träum weiter', murmelte jemand.

Der Forstoberrat ergriff noch einmal das Wort. 'Wenn unsere Pflege des Waldes Jahrhunderte gut war, kann sie doch nicht auf einmal schlecht sein.' Und wieder nickte die eine Seite und die andere schüttelte den Kopf. 'Mein lieber Forstoberrat, dem Wald steht das Wasser bis zum Hals. Wir haben zu oft zu spät auf die Schäden im Wald reagiert. Wald ist Leben, Wald ist Wachsen, aber Wald ist nicht, es war schon immer so!'

Stille. 'Wenn jetzt jemand sagt, wir müssen eine oberförsterliche Expertengruppe einrichten, gehe ich nach Hause.'“

 "Ende der Geschichte?“

"Ja.“

"Aber das Wort Kirche ist nicht einmal aufgetaucht.“

"Stimmt! Aber ehrlich, vom Wald hab ich keine Ahnung.“


Zur Person:

  • Jörg Schlüter ist evangelischer Geistlicher.
  • Er war von 1998 bis 2011 Pfarrer der evangelisch-lutherischen Gemeinde in Vechta.

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