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Vom Umgang mit dem "Freedom Day"

Kolumne: Batke dichtet – Bei allem Lockermachen und verständlicher Vorfreude über die sich abzeichnenden Erleichterungen im Alltag sollten wir mit dem Begriff „Freedom Day“ vorsichtig umgehen.

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Es fällt in diesen Tagen schwer, zuversichtlich in die Zukunft zu schauen. Der Blick richtet sich gen Osten – in die Ukraine. Die russische Invasion, befohlen von einem, der auch schon mal von Altkanzler Schröder als „lupenreiner Demokrat“ bezeichnet wurde, aber nichts anderes als ein Despot ist. Schöner Männerfreund, einen solchen Freund möchte ich nicht haben. Das wahre Gesicht des Wladimir Wladimirowitsch Putin offenbart sich in diesen Tagen.

Gibt es denn gar kein Licht am Ende des Tunnels? Immerhin haben sich hierzulande die fiesen Sturmtiefs verzogen. Und an der Corona-Front fiebert die Republik dem 20. März entgegen. Die Masken werden zwar noch nicht fallen und der Bürger wird weiter Abstand zu seinem Mitbürger halten – aber sei's drum: Ein „Freedom Day“ soll es trotzdem sein. Klingt irgendwie nach Boris Johnson, nach Party, nach Hoch die Tassen im prall gefüllten Pub.

Bei allem Lockermachen und verständlicher Vorfreude über die sich abzeichnenden Erleichterungen im Alltag sollten wir mit dem Begriff „Freedom Day“ vorsichtig umgehen. Wer sich ein wenig für Geschichte interessiert, weiß, dass die USA am 1. Februar mit dem „Freedom Day“ der Abschaffung der Sklaverei durch Präsident Abraham Lincoln im Jahr 1856 gedenken. Und in Südafrika feiern sie den „Freedom Day“ in Erinnerung an die Überwindung der Apartheid: Am 27. April 1994 fanden die ersten freien Wahlen statt. Wir sollten dem Begriff „Freiheit“ nicht die Würde nehmen; Spazierende Impfgegner sind keine Freiheitskämpfer. Sie inszenieren sich zwar so, aber echte Kämpfer für die Freiheit sind Persönlichkeiten wie Alexej Nawalny in Russland, Maria Kolesnikowa in Belarus oder früher Nelson Mandela in Südafrika.

"Für die Rückkehr in die begrenzte Normalität nun aber einen „Freedom Day“ zu proklamieren, spricht jenen Menschen Hohn, die wirklich versklavt wurden oder in rassistischer Unterdrückung gelebt haben."Alfons Batke

Natürlich kann man darüber debattieren, ob bei uns die staatlichen Corona-Maßnahmen und Regulierungen immer angemessen waren und in einem richtigen Verhältnis standen; fest steht aber: Sie haben Schlimmeres verhindert und vielen Menschen das Leben gerettet. Für die Rückkehr in die begrenzte Normalität nun aber einen „Freedom Day“ zu proklamieren, spricht jenen Menschen Hohn, die wirklich versklavt wurden oder in rassistischer Unterdrückung gelebt haben. Und erst recht jenen, die gegenwärtig zu Opfern des imperialistischen Verhaltens der russischen Staatsführung werden, die mit Bomben der Demokratie zu Leibe rückt.

Insofern dürfte unsere Vorfreude auf den noch abzuarbeitenden Party-Stau der zurückliegenden zwei Jahre, die sich wieder füllenden Sportstadien, Pop-Festivals, Schützen- und Volksfeste, wohlverdiente Urlaubsreisen und größere Grillabende erheblich getrübt sein. Denn das neue Virus, das uns bedroht, lässt sich nicht wegimpfen. Es kommt mal laut, mal leise. Mit Panzern und Raketen. Kein Lagerfeuer, sondern ein Flächenbrand. Es wird geleitet von Machtphantasien und Menschenverachtung.

Wer gedacht hatte, mit der weitgehenden Eindämmung der pandemischen Bedrohung bekämen wir unser „altes Leben“ zurück, muss sich leider eines Schlechteren belehren lassen. Und ein echter „Freedom Day“, der den Namen auch verdient, liegt in weiter Ferne.


Zur Person:

  • Alfons Batke blickt auf eine über 40-jährige journalistische Laufbahn zurück.
  • Der 66-Jährige lebt als freier Ruheständler in Lohne.

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

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