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Vom Spielkreis in die Leseecke: Schüler absolvieren Praktikum im Kindergarten

Dass der vermeintliche Traumberuf manchmal auch ein Knochenjob sein kann, haben die beiden Jugendlichen bereits erfahren. Spaß macht ihnen die Arbeit trotzdem.

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Sind ein Team (von links): Azubi Emelie Kramer, die Schulpraktikanten Simon Müller und Adina Bien unterstützen Erzieherin Lena Willen bei der Arbeit. Foto: Elija Bucchioni 

Sind ein Team (von links): Azubi Emelie Kramer, die Schulpraktikanten Simon Müller und Adina Bien unterstützen Erzieherin Lena Willen bei der Arbeit. Foto: Elija Bucchioni 

Im "Sonnenzimmer" ist der blaue Teppich ausgerollt. Alle Kinder sitzen um Simon Müller. Der 14-Jährige freut sich über den unerwarteten Ansturm. Sein Praktikum im St. Vitus Kindergarten hat gut begonnen.

Mit Kindern spielen, Musik machen und kochen – das klingt erst mal nach einem Traumjob, dachte sich Simon, als er sich nach einem Praktikumsplatz umschaute. 2 Wochen lang darf er nun in den Alltag der Erzieherinnen hineinschnuppern. Einfach nur zugucken, soll der Gymnasiast aber nicht. "Ich bin in die Betreuung der Kinder mit eingebunden. Das macht mir sehr viel Spaß", sagt Simon. 

Seine gleichaltrige Mitschülerin Adina Bien hat ebenfalls einen Praktikumsplatz im Kindergarten ergattert. Eingesetzt ist sie im "Märchenzimmer". Beim Vorlesen hängen ihr die Kinder förmlich an den Lippen. Anfangs war Adina wenig begeistert über ihre Wahl. "Doch dann kamen die Kleinen auf mich zu und es ging so richtig los".

Schulpraktika finden wieder statt

Simon und Adina besuchen das Copernius-Gymnasium (CGL) in Löningen. Nach der Corona-Zwangspause können dort die Schulpraktika inzwischen wieder normal stattfinden. Für die beiden Neuntklässler ist es der erste Ausflug in die Berufswelt. Ihren Platz im Kindergarten haben sie sich selbst ausgesucht. "Ich interessiere mich für das Soziale und kann ganz gut mit Kindern", erklärt Simon. Ein Bürojob sei wahrscheinlich nichts für ihn. Für Adina, die zu Hause fünf Geschwister hat, gehört der Umgang mit Jüngeren ohnehin zum Alltag. 

Der St.-Vitus-Kindergarten nimmt Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren auf. Schräg gegenüber in der Mühlenstraße wird gerade eine neue Krippe gebaut. In den altersgemischten Gruppen betreuen die Erzieherinnen bis zu 25 Kinder. Im Sonnenzimmer sind es sogar 26. Lena Willen und ihre Kollegin haben daher mehr als genug zu tun. Seit 7 Jahren arbeitet Willen im St.-Vitus-Kindergarten. Die Arbeit mache Freude, sei aber zugleich mit viel Stress verbunden, sagt sie. Mit ihrem Gehalt ist sie eigentlich zufrieden. Was fehle, sei aber die allgemeine Wertschätzung. Immerhin würden sich Erzieherinnen ein umfangreiches pädagogisches Wissen aneignen. Das kann auch Emelie Kramer bestätigen, die zurzeit ihre Ausbildung in der Kita absolviert. "Mich begeistert, wie sich die Kinder Woche für Woche entwickeln", sagt sie. 

Erzieherinnen wünschen sich Entlastung

Wer den Beruf ergreifen möchte, sollte sich grundsätzlich gerne mit Menschen beschäftigen, rät das Portal Erzieherin-Ausbildung.de.  Daneben müssen sich Erzieherinnen und Erzieher auch mit Eltern, Institutionen und Behörden auseinandersetzen. Vor allem müssen sie belastbar, flexibel und stets lernbereit sein. Die Anforderungen, denen sie täglich gerecht werden müssen, haben sich in den letzten Jahren verändert, das Arbeitspensum wächst. Auch Lena Willen wünscht sich manchmal mehr Entlastung. Zu wenige Erzieherinnen würden derzeit zu viele Kinder betreuen. Der Personalschlüssel müsse deshalb dringend verändert werden, fordert sie.

Der Mitarbeitermangel macht vielen Einrichtungen zunehmend zu schaffen. Qualifizierte Erzieherinnen werden händeringend gesucht, auch weil Kinder seit 2013 einen bundesweiten Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz haben. Viele Kolleginnen gehen außerdem in nächster Zeit in Rente. Die Berufsaussichten sind also sehr gut, besonders für männliche Erzieher. Die Männerquote in Krippen und Kindergärten liegt momentan noch bei deutlich unter 10 Prozent.  Simon immerhin kann sich vorstellen, nach der Schule weiter in dem Bereich zu arbeiten. Auch Adina ist derzeit nicht abgeneigt. Dass sie die Gelegenheit haben, in einen Beruf hineinzuschnuppern, freut die beiden. In der 11. Klasse folgt dann noch ein 3-wöchiges Praktikum. Bis sie sich für eine Ausbildung entscheiden müssen, haben die Jugendlichen aber zum Glück noch etwas Zeit.

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