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Vom Spaß auf 2 Rädern

Kolumne – Batke dichtet: Nicht nur eine Schifffahrt ist lustig und schön. Auch beim Radfahren passieren so einige witzige Dinge, die unser Autor Alfons Batke erleben konnte.

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Es ist keine 3 Wochen her, als wir in dichtem Schneetreiben durch die Gegend stapften und leise "Walking in the winter wonderland" vor uns her summten. Es ist keine 2 Wochen her, als uns beim Gang über den zugefrorenen Dümmer See Eiseskälte ins Gesicht schlug. Es ist kaum eine Woche her, als wir in T-Shirts und dünnem Beinkleid mit Terry Jacks' "Seasons in the sun" auf den Lippen durch die Gegend radelnd die Südoldenburger Frühlingssonne genossen. Ein Februar der Extreme!

Auch ich habe die Fahrradsaison eingeläutet, schön sachte, nichts überstürzend, in unserem Alter sollte man nicht gleich einen Angriff auf das gepunktete Trikot des Bergbesten starten. Zumal ich gewissermaßen noch "analog" unterwegs bin – ich muss beim Pedaltreten Widerstände brechen, wenn Sie wissen, was ich meine, mein Bike ist eins ohne "E" davor.

Ich kann mich sogar an Zeiten erinnern, als wir auf Rädern ganz ohne Gangschaltung unterwegs waren. Bei Wind und Wetter mit dem Drahtesel von Lohne nach Vechta zur Penne – und wieder zurück. Noch heftig keuchend in der ersten Stunde die Geheimnisse der Geometrie oder der binomischen Formeln zu begreifen, war schwer bis unmöglich. Kein Wunder, dass die Mathematik und ich nie Freunde wurden. Da waren die Schulkameraden, deren Anreise weniger kraftraubend verlief, schon besser dran.

"Ich will es nicht verklären, aber es war eine schöne Zeit. Und gern erinnere ich mich an die Geschichte einer etwas betagteren Dame."Alfons Batke, Journalist

Viele von ihnen – das war Anfang, Mitte der Siebziger – rauschten auf Mofas heran. Man trug Blue Jeans und Bundeswehr-Parkas, die lange Mähne wehte im Wind; wer etwas auf sich hielt, knatterte mit einer "Ciao" aus dem Hause Piaggio durch die Gegend. Die Dinger durften eigentlich nur 25 km/h bringen; niemand hielt sich daran. Leichte Modifikationen an Auspuff oder Ritzel ließen die oft orangefarbenen Renner flugs 40 oder 50 Sachen schnell werden, bis zur Kreidler Florett war es nicht mehr weit. Das Haupthaar war unfrisiert, das Mofa nicht.

Ich will es nicht verklären, aber es war eine schöne Zeit. Und gern erinnere ich mich an die Geschichte einer etwas betagteren Dame, die ihre schwarze Velo Solex (damals so etwas die "Ente" unter den Mofas) in die versierten Hände ihres schraubenden Enkels quasi zur Generalüberholung gegeben hatte. Auf der Probefahrt bretterte sie am zäh fließenden Feierabendverkehr vorbei und ließ sich erst vom Radar-Kommando der Polizei einfangen. Omi war auf der getunten Solex mit 72 km/h unterwegs gewesen.

Wurde ich damals als konservativ strampelnder Pedaltreter von mehr oder weniger lauten motorbetriebenen Zweirädern überholt, so verging in den zurückliegenden warmen Tagen kein Radausflug, an dem nicht Pedalritter an mir vorbeihuschten, die mit fast schon federnder Leichtigkeit cruisten. Ihr Strampeln hatte etwas Beiläufiges, etwas Arrogantes. Ich werde mich von dieser E-Bike-Bande nicht weiter demoralisieren lassen. Ich werde investieren. RockShox Vollfederung, Full Carbon Laufradsatz, Shimano Steps E8000 Mittelmotor. Das Bike wird von einer Firma hergestellt, die auch Laubbläser, Nähmaschinen und Kettensägen produziert. Die kennen sich aus. Nicht ganz billig zwar, das Geschoss kostet knapp 12.000 Euro. Aber passt auf, ich werde da sein. Ich klingele nicht, ich hupe. Auch bei Eis und Schnee!


Zur Person

  • Alfons Batke blickt auf eine über 40-jährige journalistische Laufbahn zurück.
  • Der 65-Jährige lebt als freier Ruheständler in Lohne.

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