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Vom Schildbürgerstreich zum bindenden Element: Die "Blaue Brücke" in Kamperfehn ist zurück

Seit 66 Jahren verbindet die Fußgängerbrücke über den Elisabethfehnkanal den geteilten Ort Kamperfehn. Nun musste sie restauriert werden. Die Rückkehr an ihren angestammten Platz wurde gefeiert.

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Die "Blaue Brücke" ist wieder am angestammten Platz: Anwohner und Nachbarn in Kamperfehn verzierten das restaurierte Bauwerk mit einem Kranz und feierten ein Brückenfest. Foto: C. Passmann

Die "Blaue Brücke" ist wieder am angestammten Platz: Anwohner und Nachbarn in Kamperfehn verzierten das restaurierte Bauwerk mit einem Kranz und feierten ein Brückenfest. Foto: C. Passmann

Seit 1956 gibt es die Fußgängerbrücke über den Elisabethfehnkanal in der Ortschaft Kamperfehn. Die sogenannte "Blaue Brücke" stellt auch heute noch die Verbindung zwischen beiden "Hälften" des Orts her. Sie ist eine geschweißte Stahlkonstruktion mit einer Länge von 22 Metern, einer Breite von 1,50 Metern sowie einer Durchfahrtshöhe von rund 4 Metern.

Einige Wochen aber war das "kleine Wahrzeichen" des Orts verschwunden. Um von der einen zur anderen Kanalseite zu gelangen, mussten die Einwohner einen großen Umweg in Kauf nehmen, weil die Stadt Friesoythe als Träger des Bauwerkes die Fußgängerbrücke restaurieren ließ. Seit 66 Jahren Tag für Tag dem Wetter ausgesetzt, war dies dringend erforderlich. Dafür hatten sich insbesondere die beiden Kamperfehner Elke Schon und Heino de Buhr eingesetzt, denn die Kamperfehner wollen ihre Brücke auch in den kommenden Jahren erhalten wissen.

Auch für Radfahrer ist es jetzt leichter, die Brücke zu passieren

Mittels eines Schwerlastkranes wurde das denkmalgeschützte Bauwerk aus seiner Verankerung gehoben und auf das Gelände der Firma LTL Haus- und Gartenservice der Zwillingsbrüder Henning und Erik Lüken gehievt. Dort wurde die Stahlkonstruktion abgestrahlt und mit einem neuen – natürlich wieder blauen – Anstrich versehen. "Damit in Zukunft auch Radfahrer die Brücke passieren können, haben wir beidseits eine Schiene angebracht, über die der Drahtesel hochgeschoben werden kann", sagt Christian Gerdes vom Bauamt der Stadt Friesoythe.

Am Wochenende wurde die "Blaue Brücke" wieder an ihren angestammten Platz gebracht. Das nahmen die Anwohner beziehungsweise Nachbarn der Brücke und der Ortsverein Kamperfehn zum Anlass, um ein kleines Brückenfest zu feiern. Dazu wurde die Brücke mit einem Kranz verziert. "Wir sind froh, dass wir wieder unsere Brücke haben", sagt der Vorsitzende des Ortsvereins, Ludger Holzenkamp. Den Namen "Blaue Brücke" habe das Bauwerk nicht nur wegen seiner Farbe erhalten. Man munkelt im Ort, dass der Name auch eine andere Bedeutung hat. Wenn die Menschen aus der damaligen Gaststätte Schütte angetrunken kamen, gingen sie sozusagen "blau" über die Brücke.

Schüler mussten früher mit dem Boot übergesetzt werden

"Der Wunsch, in Kamperfehn eine eigene Brücke zu haben, ergab sich schon 1955. Die Besiedlung nahm langsam stetig zu – auch auf der Ostseite des Hunte-Ems-Kanals, heute Kanalstraße Nord. Die Kamperfehner griffen zur Selbsthilfe und unternahmen eine Haussammlung. Doch zu einem Brückenbau kam es nicht", erinnert sich Holzenkamp. Die Notwendigkeit wurde immer deutlicher, zumal auch die Schüler der neuen Evangelischen Volksschule mittlerweile mit einem Boot übergesetzt werden mussten.

Die Brücke wurde damals auch geliefert, aber nicht aufgestellt. Ein Jahr lang lag sie am Straßenrand. Für die Kamperfehner ein Schildbürgerstreich. Im einsetzenden Winter bekam das Ganze einen besonderen Reiz, als sich Lehrer, Schüler und die Einwohner des Dorfes gezwungen sahen, auf den Sprossen ausgelegter Leitern wagemutig über die dünne Eisdecke des Kanals zu balancieren. Der Vorsitzende des Ortsvereins berichtet weiter: "Im November 1956 ging endlich der Wunsch der Bevölkerung in Erfüllung: Die Fußgängerbrücke wurde installiert."

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