Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Voet, Blömer oder Wassenberg: So war das Lohner Bürgermeister-Triell

Es ging hart, aber fair zur Sache. Dr. Henrike Voet (CDU), Stephan Blömer und Frank Wassenberg (parteilos) lieferten sich auf dem Podium einen Schlagabtausch – mitunter recht unterhaltsam.

Artikel teilen:

Attacken auf die Konkurrenten und lustige Repliken: Auf der Podiumsdiskussion zur Bürgermeisterwahl in Lohne scheuten die drei Kandidaten nicht die klare Konfrontation untereinander, blieben im Ton aber fair – und humorvoll. Das sorgte bei den mehr als 320 Gästen im Saal Yilmaz in Kroge für häufige Lacher und viel Zwischenapplaus. Gute Stimmung bei engagierter Diskussion also.

Dennoch: bei der Veranstaltung, zu der das Lohner Landvolk in Kooperation mit der OM-Mediengruppe eingeladen hatte, zeigte sich, dass der Wahlkampf im Endspurt zum Urnengang am 6. März (Sonntag) an Schärfe gewann – endlich, mochte da so mancher gedacht haben. Dass auch die Art der Veranstaltung in einem Bürgermeisterwahlkampf in der Stadt eine Premiere ist, darauf hatte der Lohner Landvolkvorsitzende Heinz Göttke in seiner Begrüßung hingewiesen.

Die 38-jährige Regierungsdirektorin und Juristin Dr. Henrike Voet (CDU), der 52-jährige Landwirt Frank Wassenberg (unabhängig und parteilos) sowie der 61-jährige Rechtsanwalt Stephan Blömer (unabhängig und parteilos, aber unterstützt von SPD, Grünen, FDP, der Linken und der Bürgerinitiative „Pro Wald“) nutzten die Chance, sich deutlicher zu profilieren. Denn in vielen wichtigen Punkten der Lohner Stadtpolitik waren bei den drei Bewerbern um den Chefsessel im Rathaus zuvor die Unterschiede nicht immer deutlich erkennbar. Und bei der vom Reporter Andreas Timphaus moderierten Diskussion wurde deutlich: Die drei Bewerber haben oft eher andere Vorstellungen einer politischen Kultur als fundamental abweichende Meinungen in Sachfragen.

Kann ein Spaßbad die Zukunft für Lohne sein?

Eine Ausnahme ist dabei aber das Thema Schwimmbäder. Die zwei bestehenden Hallenbäder in der Stadt, beide im Besitz des Landkreises, sind „abgängig“, wie es im Verwaltungsdeutsch heißt. Wie soll der Ersatz aussehen?

Blömer betonte: Von vornherein zu sagen, es müsse mit dem Landkreis eine Lösung gefunden werden, das sei der „falsche Ansatz“. Es sei nicht zielführend zu sagen, ein Bad am Gymnasium zu bauen. Man solle sich auch Gedanken machen, „ein Spaßbad“, ähnlich wie jenes in Diepholz, zu bauen – „wenn die Mehrheit es will“. Blömer hob auch bei anderen Themen auf die Bürgerbeteiligung ab.

Debatte kreist um Nordwestumgehung

Voet aber sagte, an das Thema müsse man „ganz anders herangehen“. Der Bedarf vor Ort müsse im Mittelpunkt stehen. Bei einem Spaßbad sei das Schulschwimmen nicht mehr abgedeckt, das müsse aber gewährleistet sein, auch Freizeitschwimmer sollten aber ihrem Hobby nachkommen können. „Ich spreche mich absolut gegen ein Spaßbad aus“, sage sie. Solche Projekte hätten auch schon Kommunen „ruiniert“. Das Geld könne besser für andere Infrastrukturprojekte genutzt werden.

Wassenberg attackierte beide Vorredner zum Thema. Sein Vorschlag: Es solle „ein kleines Spaßbad“, in dem vor allem die 8- bis 14-Jährigen ihre Freude haben können. Zudem aber soll es noch „ein großes Familienbad“ geben. „Wenn wir uns das nicht leisten können, wer denn dann?“, stellte er als rhetorische Frage in den Raum.

Kontrovers ging es auch bei dem Thema des Baus einer möglichen Nordwestumgehung zu, die zuvor auch beim Themenkomplex „Landwirtschaft“ erwähnt wurde. Denn es geht hier nicht nur um die Frage eines Verkehrsprojekts, sondern auch um den Umgang mit dem Flächenkonflikt. Wohnbebauung, Landwirtschaft und Gewerbe konkurrieren um die immer knapper werden Areale im Stadtgebiet.

50 Millionen Euro für eine Straße

Wassenberg ist sicher: Auch in den kommenden 30 Jahren werde Lohnes Bevölkerung wachsen. „Wir werden um den Bau der Nordwestumgehung nicht herumkommen“, sagte er. Und er schätzte, 50 Prozent der Landwirte würden angesichts der schwierigen Situation der Branche ohnehin „die Segel streichen“. Vielleicht seien sie auch ganz froh, Flächen für die Entlastungsstraße für gutes Geld verkaufen zu können. Und: Voet warf er vor, keine klare Aussage zum Thema zu treffen.

Voet konterte, in der Politik gehe es nun einmal um Abwägungen und Kompromisse. Sie hatte betont, dass sie den Bau einer Nordwestumgehung befürworte, um den Verkehr aus der Innenstadt herauszuhalten. Aber es könne kein Projekt sein, das es „um jeden Preis“ umzusetzen gelte. Verschiedene Interessen müssten unter einen Hut gebracht werden.

Inhaltlich oft nah beieinander, aber sehr unterschiedliche Persönlichkeiten

Blömers Haltung: Er betonte, es müsse über alternative Konzepte nachgedacht werden. Zum Beispiel einen Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) – auch mit Busverbindungen hin zu den großen Unternehmen. Denn: Die Kosten der Umgehungsstraße in Höhe von 50 Millionen Euro seien „eine Hausnummer“. Letzte Klarheit soll, so Blömer, eine Bürgerbefragung ergeben. Wenn die Mehrheit für die Nordwestumgehung sei, „wird sie gemacht.“

Fazit: Wacker geschlagen haben sich alle drei Bewerber. Und auch wenn sie sich inhaltlich nicht immer klar voneinander abheben, als Persönlichkeiten sind sie sehr unterschiedlich. Die Lohnerinnen und Lohner haben die Wahl.


Live-Stream als Aufzeichnung

Die komplette Podiumsdiskussion mit den drei Bürgermeister-Kandidaten gibt es als Aufzeichnung des Lives-Streams:

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Voet, Blömer oder Wassenberg: So war das Lohner Bürgermeister-Triell - OM online