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Visbeker Malawi-Hilfe gibt Einblicke in ihre Arbeit vor Ort

15 Stunden lang fällt der Strom aus – und das täglich.  Die Mitglieder der Visbeker Malawi-Hilfe machen sich von Projekten vor Ort ein Bild.

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Fröhlichkeit: Inmitten von Mädchen und Jungen des Kindergartens in Ludzi (Sisters of Ottawa) steht Theresia Varnhorn. Foto: Böttcher

Fröhlichkeit: Inmitten von Mädchen und Jungen des Kindergartens in Ludzi (Sisters of Ottawa) steht Theresia Varnhorn. Foto: Böttcher

Die Malawi-Hilfe Visbek kümmert sich um ihre Projekte für ihre Schützlinge nicht nur von Visbek aus. Mitglieder, wie der 1. und der 2. Vorsitzende Dieter Varnhorn und Werner Böttcher, machen sich auch vor Ort ein Bild. Im Oktober war es wieder soweit. Werner Böttcher hat dazu einen Bericht in Form von Tagebuchnotizen verfasst, der einen guten Einblick liefert:

Es ist wie jedes Mal. Rechterfeld-Hamburg-Paris-Nairobi-Lilongwe. Nur diesmal mit bis zu über 2 Stunden Zeitverzögerung, was mir aber in Nairobi wieder zu Gute kam, da ich sonst 5 Stunden hätte warten müssen. Dass dann auch noch ein Koffer fehlte, rundete den Trip ab. Geldtauschen, Sim-Karte besorgen, ist mittlerweile Routine. Nur der zur Zeit herrschende Benzinmangel ist gewöhnungsbedürftig. Nur dort, wo lange Warteschlangen stehen, gibt es Sprit. Der Schwarzmarkt blüht (doppelter Preis). Auch den bis zu 15 Stunden täglich andauernden Stromausfall habe ich so noch nicht erlebt. Kein Strom, kein Wasser, kochen auf Holzkohle, dabei ist Wasser die Basis. Erst Covid, jetzt der Krieg in der Ukraine, auch hier wird das Leben nicht leichter. Tafeln gibt es nicht. Händler, die stundenlang in der Straßenmitte stehen, werden immer mehr. Selbst die Straßenseiten werden immer voller. Die Tischlerei läuft gut, da genügend Aufträge vorhanden sind. Nur der Stromausfall bereitet Sorgen.

Immer wieder Probleme, bei denen improvisiert oder anderweitig gearbeitet werden muss

Nach 3 Tagen ist auch dieses Problem gelöst. Die Reparatur war erfolgreich – und wichtig – da die Auftragsbücher voll sind. Der Generator läuft wieder und liefert Strom. Es ist Dienstag, der 11. Oktober. Theresia und Dieter Varnhorn kommen in Lilongwe an. Der Besuch unserer Projekte beginnt. Nach dem Antrittsbesuch bei den Teresian Sisters erwartet uns eine Überraschung. Der ehemalige Kindergarten am Rande Lilongwes wurde ausgebaut und zum 1. Oktober auch die erste Schule der Teresian Sisters eingeweiht. Das Hostel nahe der Universität Bunda ist ausgebucht. Es war ein befriedigender erster Tag.

Antrittsbesuch: (von links) Werner Böttcher, Theresia Varnhorn, Sr. Agnes Jonas (General-Oberin) und Dieter Varnhorn. Foto: BöttcherAntrittsbesuch: (von links) Werner Böttcher, Theresia Varnhorn, Sr. Agnes Jonas (General-Oberin) und Dieter Varnhorn. Foto: Böttcher

Am Donnerstag standen dann die Tischlerei in Namitete und die Congrigation Ludzi auf dem Plan. Ludzi hat inzwischen an die 2000 Schüler, mit und ohne Unterkunft und Verpflegung. Gekocht wird mit Strom, aber – sie haben Glück. Der Strom dort kommt aus Sambia, und der ist fast immer verfügbar. Auch die Rückreise über Guilleme zeigte neue Erkenntnisse. Das gut situierte Krankenhaus war gut bestückt, nur fehlt es an Gehhilfen, Rollatoren und Rollstühlen. Auch der Zahnarztstuhl war in die Jahre gekommen. Samstag: Chitala. Das Gebäude ist bis auf die Inneneinrichtung fertig. Wasser ist installiert, und die Fotovoltaikanlage angeschlossen. Unser Nahziel: ein dazugehörendes Schulgebäude, damit die bis zu je 2,5 Stunden langen Schulwege endlich entfallen können. Die Übernachtung fand dann im Buschkrankenhaus Alinafe, welches auch zu den Teresian Sisters gehört, statt. Madisi am Montag, war dann wieder ein Heimspiel. Sr. Clara Lührs erwartete uns schon sehnsüchtig.

Wasserversorgung bereitet Sorgen

Das deutsche Essen, mit Vorsuppe und Nachspeise, ließen wir uns redlich munden. Auch die Schule, der Garten, sind fast deutscher Standard. Was wieder einmal Sorgen bereitet, ist nur die Wasserversorgung. Nachdem der Garten gewässert ist, liegt eine weiße Schicht auf den versorgten Flächen. Das Problem heißt Salz. Eine Mischung mit dem Süßwasser eines nahen Baches bringt etwas bessere Erträge. Der nächste Tag führt uns nach Malambo – ein kleines Krankenhaus in „the middel of no᠆where“. Sauber und gepflegt. Für schwangere Frauen ist gesorgt, aber für alle anderen Patienten gibt es nur eine ambulante Behandlung. Für Familie Varnhorn ist es der letzte Tag. Es geht in die Slums zu den Missionarys of Charity. Sie arbeiten im Sinn von Mother Theresa aus Indien.

Hier ist Hilfe immer angesagt, da sie mit einem „Minimum“ auskommen müssen und Kinder von Geburt an bis etwa zum 8. Lebensjahr versorgen. So kamen unsere mitgebrachten Spielsachen gut an, aber die Renner waren und blieben die Luftballons. Ich habe jetzt noch eine Woche vor mir. In Namitete, wieder wie jeden Tag, Stromausfall. Der Generator ist jetzt, wenn Diesel vorhanden ist, pausenlos im Einsatz. Die Reparatur macht sich bezahlt. Anlernen einen Mitarbeiters und schärfen aller Sägeblätter. Sie staunen nicht schlecht, dass die Sägeschnitte jetzt ohne Qualm und Brandspuren, gemacht werden können. Auch werden immer wieder Kleinmaschinen wie Bohrmaschine, Handkreissäge, Stichsäge und so weiter gebraucht, da sie uralt und nicht mehr zeitgemäß sind. Irgendwann ist eine Reparatur dann nicht mehr möglich. Auch der Brieffreundschaft mit der Grundschule in Namitete, entstanden durch „Stifte für Stifte“, möchte ich neuen Auftrieb geben. Wir haben einen neuen Weg über WhatsApp besprochen, um besser mit der Ludgerus-Schule in Vechta korrespondieren zu können.

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