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Violett wie die Bayern

Kolumne: Der Kreis Cloppenburg hat schon immer vieles mit Bayern gemeinsam gehabt: traditionelle Strukturen und die Rolle der Landwirtschaft. Aber muss es auch die hohe Inzidenz sein?

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Wieder diese verdammte Deutschlandkarte. Alles violett, von Flensburg bis Fürstenfeldbruck, von Görlitz bis Grevenstein. Pandemie und Inzidenz, Hospitalisierung und R2. Corona hat uns fest im Griff. Was würde man dafür geben, wieder ins normale Leben zurückzukehren.

Alles violett? Nun, wenn man genauer hinschaut, wird’s differenzierter. Inmitten der hellen Fläche, umgeben ringsum von leichtvioletten Kreisen, die immer heller werden und Glück versprechen, liegt der Landkreis Cloppenburg. Man muss nicht besonders schlau sein, um herauszufinden, wo Cloppenburg liegt. Tiefdunkelviolett, wie im tiefsten Bayern und so gut wie allein und einsam im ganzen Nordwesten.

Nun, wir haben immer schon vieles mit Bayern gemeinsam gehabt. Traditionelle Strukturen, Rolle der Landwirtschaft, konservatives Familienbild und natürlich die gute alte Union, christdemokratisch hier mit absoluten Mehrheiten, und christsozial dort ebenso. Strauß, das ist noch ein Politiker, wussten schon unsere Altvorderen, der sagt, was er denkt und meint, was er sagt, und der Markus Söder ist ja auch nicht schlecht. Besser jedenfalls, als der Armin Laschet, sagen dann die Zeitgenossen und wünschen sich bayerische Verhältnisse.

Ja, aber müssen wir deswegen auch die Pandemie-Verhältnisse von Bayern hier haben? Die Menschen dort mögen ja ihre Gründe haben, weshalb sie sich nicht impfen lassen und der Ministerpräsident wieder und wieder Ausreden findet, weshalb seine Regierung das nicht in den Griff bekommt, trotz großer Sprüche, aber wir doch nicht. Oder?

"Zwei Gründe, sagen die Beobachter, sind im Wesentlichen dafür verantwortlich, dass bei uns zu wenig geimpft und zu viel infiziert wird: die Fleischindustrie und die Großfamilien" Otto Höffmann

Zwei Gründe, sagen die Beobachter, sind im Wesentlichen dafür verantwortlich, dass bei uns zu wenig geimpft und zu viel infiziert wird: die Fleischindustrie und die Großfamilien, und darunter ganz stark vertreten, die Aussiedlerfamilien, unsere russland-deutschen Nachbarn also. Nichts Genaues weiß man nicht. Was dran an beiden Theorien wird wohl sein. Die Impfbereitschaft unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den großen Schlachtbetrieben hierzulande ist nicht besonders groß. In ihren Herkunftsländern liegt ihre Quote deutlich unter unserer. Und wie sie privat leben, wissen wir auch nicht wirklich.

Andererseits scheinen die Schlacht- und Fleisch verarbeitenden Betriebe aus Eigeninteresse alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um die Impfquote hoch und die Ansteckungen niedrig zu halten. Täglich kostenlose Tests, sofortige Reaktionen auf etwaige Symptome und immer wieder eindringliche Belehrungen für die Verhaltensweisen nach Feierabend, sollen den Ausbruch eindämmen, wenn nicht verhindern. Denn, was vor einigen Monaten passierte, darf nach Einschätzung der vielen Firmen nie wieder eintreten, nämlich, dass das Gesundheitsamt die Betriebe schließt. Ein Horrorszenario und wirtschaftliche Verluste ohne Ende. So fördert das eigene Portemonnaie die Impfquote. "It’s the economy, stupid", wusste schon Bill Clinton. Wie hoch der Erfolg ist, mag Gott wissen.

Diesen Druck verspüren unsere Aussiedlerfamilien nicht. Viele sind gegen die Impfung aus religiösen Gründen, sagen sie jedenfalls. Im Falle einer Tragödie soll dann die Flucht in den Fatalismus helfen: Der Herr gibt, der Herr nimmt. Aber diese Haltung nimmt auch ihren Kindern die Chance, beispielsweise eine uneingeschränkte Ausbildungszeit zu erleben, frei von täglicher Testung und mit der Teilnahme an Weihnachts- oder sonstigen Betriebsfeiern. Und die ungeimpfte Praktikantin musste auch schon gehen.

Manchmal hat man das Gefühl, dass einige unserer Mitmenschen ihre Macht, ihre männliche Rolle, ihre Dominanz ausnutzen, um dahinter ihre eigene Angst zu verstecken. Angst vor dem Leben, Angst nach den Umbrüchen und Angst vor der ungewissen Zukunft. Diese Angst ist es, die uns hier zu der tiefdunkelvioletten Farbe führt, nicht die Angst vor irgendwelchen Nebenwirkungen oder Spätfolgen eines Vakzins, an dem es nach gesundem Menschenverstand eigentlich keine Zweifel geben kann. Ein angemessener Umgang mit ihm würde uns vieles ersparen und der nachfolgenden Generation ebenso.


Zur Person:

  • Otto Höffmann ist Rechtsanwalt in Cloppenburg.
  • Den Autor erreichen Sie unter der E-Mail-Adresse redaktion@om-medien.de.

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