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Viele Menschen müssen in Notunterkünften leben

Die Ambulante Wohnungslosenhilfe in Vechta bekommt die Auswirkungen der Corona-Pandemie deutlich zu spüren. Die Zahl der Ratsuchenden ist gestiegen.

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Gefragte Anlaufstelle: Der Leiter der Ambulanten Wohnungslosenhilfe, Thomas Pille (rechts), und der Vorsitzende des Katholischen Vereins für soziale Dienste Vechta, Clemens Rottinghaus, betrachten die Situation auf dem Wohnungsmarkt mit Sorge. Foto: Speckmann

Gefragte Anlaufstelle: Der Leiter der Ambulanten Wohnungslosenhilfe, Thomas Pille (rechts), und der Vorsitzende des Katholischen Vereins für soziale Dienste Vechta, Clemens Rottinghaus, betrachten die Situation auf dem Wohnungsmarkt mit Sorge. Foto: Speckmann

In den neuen Baugebieten in Vechta und Umgebung verwirklichen viele Familien ihren Traum vom Eigenheim. Gleichzeitig gibt es Menschen, die von solchen Plänen meilenweit entfernt sind. Sie haben noch nicht einmal eine feste Bleibe. Deutlich und erfahrbar wird ihre Situation in der Ambulanten Wohnungslosenhilfe. Die Einrichtung unter dem Dach des Katholisches Vereins für soziale Dienste Vechta (SKM) ist häufig erste Anlaufstelle für sozial schwache Mitbürger.

Die Inanspruchnahme des Angebotes in der Kreisstadt habe sich aufgrund der Pandemie erhöht, erklärt Leiter Thomas Pille mit Blick auf den inzwischen veröffentlichten Jahresbericht 2020. Die Entwicklung vor Ort decke sich mit den Ergebnissen einer bundesweiten Umfrage der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohlfahrtspflege. Dabei hätten fast 40 Prozent der in Niedersachsen befragten Einrichtungen bestätigt, dass die Nachfrage nach Unterstützungsangeboten in der Corona-Krise gestiegen sei.

"Es liegt auf der Hand, dass wohnungslose Menschen besonders von der Pandemie und ihren Auswirkungen betroffen sind." Thomas Pille, Leiter der Ambulanten Wohnungslosenhilfe

„Welche Auswirkungen die aktuelle Krise auf die Lebens- und Problemlagen der Wohnungslosen hat, können wir derzeit nicht abschließend sagen. Es liegt jedoch auf der Hand, dass wohnungslose Menschen besonders von der Pandemie und ihren Auswirkungen betroffen sind, wenn sie zum Beispiel eine Ersatzunterkunft nutzen, bei Bekannten unterkommen oder in Notunterkünften leben müssen“, schildert Pille die jüngste Entwicklung.

Kurzarbeit und Jobverlust haben ihre Folgen. Wenn sich die Einkommensverhältnisse auf Dauer verschlechtern, wird die Miete irgendwann nicht mehr bezahlbar. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe geht mittlerweile von mehr als einer Million wohnungsloser Menschen in Deutschland aus. Gerade Personen mit geringem Einkommen seien praktisch chancenlos auf dem Wohnungsmarkt in den Großstädten.

Nachholbedarf im sozialen Wohnungsbau

Aber nicht nur in den Ballungsgebieten wird der Ruf nach günstigem Wohnraum immer lauter, auch die Situation in ländlichen Regionen hat sich im Laufe der Jahre verschärft. „Das ist noch nicht genug in den Köpfen angekommen. Da muss sich politisch etwas ändern“, fordert SKM-Vorsitzender Clemens Rottinghaus. Auch im Landkreis Vechta gebe es im sozialen Wohnungsbau noch erheblichen Nachholbedarf.

Wer bei der Wohnungssuche scheitert, findet Rat und Hilfe in der Einrichtung des SMK. Diplom-Pädagoge Thomas Pille und 2 weitere Fachkräfte unterstützen die Klienten bei der Suche nach einer dauerhaften Bleibe. In der persönlichen Beratung kümmert sich das Team auch um finanzielle Angelegenheiten und die Realisierung von Ansprüchen gegenüber den Sozialleistungsträgern.

114 Menschen nehmen Hilfe in Anspruch

Über mangelnde Arbeit können sich die Berater nicht beklagen. Im Berichtsjahr 2020 haben insgesamt 114 Menschen die Ambulante Wohnungslosenhilfe in Anspruch genommen. Das sind fast zwölf Prozent mehr als im Vorjahr. Bei dem Großteil der Ratsuchenden handelt es sich nach wie vor um Männer. Die Klienten in der Altersgruppe unter 40 Jahre bilden mit 76 Prozent die größte Gruppe in der Erstberatung.

Den Grund für den gestiegenen Beratungsbedarf sehen die Verantwortlichen vor allem in der Pandemie. Persönliche Gespräche mit Sachbearbeitern in Ämtern und Behörden, etwa bei Fragen zur Antragstellung von Sozialleistungen, seien aufgrund der Kontaktbeschränkungen kaum möglich gewesen, sodass sich die Betroffenen mit ihren allgemeinen Anliegen verstärkt an die Ambulante Wohnungslosenhilfe gewandt hätten.

Dass gerade Jobcenter über Wochen und Monate ihre Türen für Besucher geschlossen hätten, kann Pille nicht nachvollziehen. „Das hätte man besser lösen können“, meint er. Anstatt sich auf Telefon- und Mail-Kontakte zu beschränken, hätte für schwere Fälle eine persönliche Beratung stattfinden sollen. In diesem Zusammenhang verweist der Pädagoge auf den gesetzlichen Betreuungsauftrag der Behörde.

Fachkräfte dienen als Brücke zu Behörden

Unter den eingeschränkten Öffnungszeiten würden vor allem diejenigen Menschen leiden, die aufgrund der finanziellen Verhältnisse keinen Zugang zum Internet hätten und die Online-Angebote nur schwer in Anspruch nehmen könnten. Auch Migranten mit Sprachproblemen seien überfordert gewesen. Die Fachkräfte in der Ambulanten Wohnungslosenhilfe hätten somit häufig als Brücke zu den Behörden fungiert, um allein schon die Existenz der Betroffenen sicherzustellen.

Um die Situation für Klienten und Mitarbeiter zu verbessern, hat der SKM die Anmietung von größeren Räumen beschlossen. Bereits im April dieses Jahres ist der Umzug vom Dominikanerweg in das Gebäude in der Münsterstraße 50 erfolgt. Die drei Wohnungen am alten Standort bleiben erhalten. Hier finden Wohnungslose in Notlagen auch künftig übergangsweise ein Dach über dem Kopf.

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