Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Viele Grüße, Corona

Kolumne: Das Leben als Ernstfall – Weihnachten ist kein Ernstfall, und deshalb geht es am 23. Dezember um künstliche Intelligenz. Denn die liegt manchmal kräftig daneben.

Artikel teilen:

Der 23. Dezember also, der Tag vor Heiligabend. Sicher und irgendwie auch zu Recht erwarten Sie jetzt eine eher weihnachtliche Kolumne, in der die Worte Besinnlichkeit, Frieden, Schnee, Weihnachtsbaum, Geschenke und Familie auftauchen. Aber mal ehrlich: Ist zu Weihnachten nicht schon längst alles geschrieben und gesagt? Muss ich da auch noch meinen Senf zu beitragen? Eben. Außerdem heißt die Kolumne "Das Leben als Ernstfall" – und wer wollte ein Fest, bei dem es um Frieden, Besinnlichkeit und so weiter (siehe oben) geht, mit solch einem fast schon Angst heischenden Begriff wie "Ernstfall" verbinden?

Nachdem wir das also geklärt und zudem auch alle zu erwartenden Worte bereits verwendet sind, können wir uns anderen Dingen zuwenden. Software zum Beispiel, die vorgibt, intelligent zu sein. Sie begegnet uns inzwischen auf Schritt und Tritt. Im Auto etwa, wenn uns das Radio sagt, welche Musik der aktuell eingestellte Sender spielt. Einer davon hat sich auf Songs spezialisiert, die meine Generation angeblich ganz besonders gerne hört. Und weil im Display nicht genug Platz ist, trennt die Software das Wort "Lieblingshits" zwischen den zwei Bestandteilen, die sie kennt. Heraus kommt Liebling-Shits. Die Songs aber sind gut, wirklich. 

Nett sind auch die Texteingabeassistenten der Smartphones, wahre Meister im Antizipieren. Alle Corinnas, Constanzes, Cornelias, Colins und Constantins können derzeit ein Lied davon singen: Wann immer sie in einer Textnachricht nach der Formel "Viele Grüße" die ersten zwei Buchstaben ihres Vornamens eingeben, schlägt die Software als Erstes eine Fortsetzung vor, die kaum jemand mit lieben Grüßen in Verbindung bringen möchte. "Corona", so eine Corinna kürzlich, "wird erst dann wirklich vorbei sein, wenn das Handy mir als Erstes wieder meinen Namen vorschlägt."

Und dann sind da noch die Sprachassistentinnen, die auf die Namen Siri und Alexa hören. Die haben ja nun wirklich auf alles eine Antwort. Selbst auf die Erziehungsversuche unbedarfter Eltern. Im Verwandtenkreis wurde kürzlich eine solche Alexa installiert, sehr zur Freude der zufällig anwesenden Nichten und Neffen im angehenden Teenager-Alter. Und weil sie im eigenen Zuhause auf diese Wunderwerke der Technik verzichten müssen, setzten sie alles daran, um das Gerät an seine Grenzen zu bringen. Das ging so lange, dass es der Mutter irgendwann zu bunt wurde. Ihren Versuch allerdings, dem Ganzen mit einem beherzten "Schluss jetzt, ich will den Namen mit A nicht mehr hören" ein Ende zu setzen, konterkarierte Alexa höchstpersönlich mit den vermutlich zutreffenden Worten "Da bin ich mir nicht sicher". In solchen Fällen wird das Leben für Eltern tatsächlich zum Ernstfall. Frohe Weihnachten.


Zur Person:

  • Heiner Stix ist Redakteur der OM-Medien
  • Den Autor erreichen Sie unter: redaktion@om-medien.de

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Viele Grüße, Corona - OM online