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Viel Geld, viel Marihuana, keine Beweise

Kolumne: Recht hat, wer Recht bekommt – Bei einem Lohner werden Cannabis und Amphetamine gefunden. Die Staatsanwaltschaft hält ihn für einen Drogendealer, doch der Mann beteuert seine Unschuld.

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Vor Gericht gibt es schon mal ungewöhnliche Sachverhalte. Doch so wie in diesem Fall habe ich es als Gerichtsreporter noch nicht erlebt. Die Staatsanwaltschaft hatte einen Lohner (31) wegen des unerlaubten Handels sowie des unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge angeklagt. Es ging um 150 Gramm Cannabis und mehr als 53 Gramm Amphetamine. Zudem wurden in der Wohnung des Mannes an der Nieberdingstraße 6600 Euro Bargeld gefunden. Für die Polizei und die Staatsanwaltschaft war klar: Der Mann ist ein Drogenhändler.

Vor dem Schöffengericht kam es aber anders. Das Gericht verurteilte den nicht vorbestraften Lohner wegen des Besitzes von Cannabis in nicht geringer Menge und wegen des Besitzes von Amphetamin zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr mit Bewährung. Zudem hat er eine Geldauflage von 1000 Euro zu zahlen; die wird verrechnet mit den 6600 Euro, die in der Wohnung gefunden wurden und die der Angeklagte zurückbekommt.

Das Ersparte lagert der Mann bar

Gleich zu Beginn der Verhandlung erklärten der Angeklagte und sein Hamburger Verteidiger, dass der 31-Jährige nicht mit Drogen gehandelt habe. Die Mittel gehörten einem Freund. Das Geld habe der Lohner gespart. Er erhalte als Bauhelfer die Spesen als Bargeld. Gearbeitet habe er außerdem als Pizzabote und als DJ; bei beiden Jobs habe er Bargeld bekommen. Entsprechende Belege zeigte der 31-Jährige vor. 

Der Angeklagte räumte ein, dass er früher Cannabis konsumiert und wegen des guten Preises eine größere Menge als Vorrat gekauft habe. Das Amphetamin sei im Kühlschrank gelagert worden. Ein Freund – den Namen werde er nicht nennen –  habe es dort nach einem Besuch vergessen. Mittlerweile lebe er ohne Drogen, betonte der Lohner.

Kein Feinwaage, keine Kundenliste: Dem Staatsanwalt fehlten die Beweisen

Warum er so viel Bargeld im Haus habe? Das liege in der Familie. Er habe es so gelernt, für mögliche Anschaffungen immer die nötige Barschaft in der Wohnung zu haben. In der Tat hatte die Staatsanwaltschaft das Konto des Angeklagten überprüfen lassen. Ein- oder Auszahlungen ließen sich kaum feststellen. 

Das höre sich alles unwahrscheinlich an, meinte der Staatsanwalt. Beweise für den Drogenhandel habe er dennoch nicht. Es sei keine Feinwaage gefunden worden, es gebe keine Hinweise auf „Kunden“. Bleibe nur der Besitz, der sei strafbar, der Konsum nicht. Der Anklagevertreter forderte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und 2 Monaten auf Bewährung.

Der Verteidiger machte noch einmal deutlich, bei dem Angeklagten handele es sich nicht um einen Drogenhändler. Es sei vielleicht ungewöhnlich viel Geld in der Wohnung zu haben, verboten sei es aber nicht.

Bleibt die Frage, warum die Polizei die Wohnung überhaupt durchsucht hatte? In der Fensterscheibe der Wohnung seien zwei Löcher entdeckt worden. Von Schüssen sei die Rede gewesen. Da habe man sich für eine Durchsuchung entschieden, wobei der Lohner nicht vor Ort war. Was folgte? Die nun bekannte, ungewöhnliche Geschichte.


Zur Person:

  • Klaus Esslinger ist Gerichtsreporter und war viele Jahre Lokalchef der Oldenburgischen Volkszeitung.
  • Kontakt zum Autor über: redaktion@om-medien.de.

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