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Verwirrung um Fusions-Streit: Pius-Stift soll "katholischer Leuchtturm" bleiben

Ist ein Zusammenschluss des katholischen und des evangelischen Krankenhauses in Oldenburg vom Tisch? Oder haben sich Vertreter des Pius-Stiftes gegen den Vechtaer Weihbischof durchgesetzt? (2. Update)

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Bleibt das Pius-Stift in Oldenburg katholisch oder fusioniert die Klinik mit dem Evangelischen Krankenhaus? Foto: Chowanietz

Bleibt das Pius-Stift in Oldenburg katholisch oder fusioniert die Klinik mit dem Evangelischen Krankenhaus? Foto: Chowanietz

Die Spekulationen schießen ins Kraut, weil das Bischöflich Münstersche Offizialat in Vechta wortreich schweigt. Am Mittwochmorgen lässt Weihbischof Wilfried Theising verlauten, Vertreter des Pius-Hospitals in Oldenburg und des Offizialats hätten sich darauf geeinigt, das Krankenhaus „als katholischen Leuchtturm sichtbarer zu machen“ und „stärken“ zu wollen. Bleibt das Pius-Stift also ein eigenständiges katholisches Krankenhaus? Ist die Fusion mit dem benachbarten Evangelischen Krankenhaus damit vom Tisch? Den Zusammenschluss wollte Offizial Theising zunächst verhindern.

Im Pius-Stift in Oldenburg wird das Ergebnis einer stundenlangen, nächtlichen Verhandlungsrunde von Vertretern des Krankenhauses und des Offizialats positiv bewertet – als Durchbruch auf dem Weg zum Zusammenschluss der christlichen Häuser. Die Verhandlungen soll die frühere Pius-Geschäftsführerin Elisabeth Sandbrink moderiert haben, die im eskalierten Streit um die Zukunft des Pius-Stiftes kürzlich noch öffentlich ihre Mitgliedschaft in der katholischen Kirche in Frage gestellt hatte.

Am Mittwochnachmittag vermeldet dann eine Agentur für Krisenkommunikation, die im Auftrage des Offizialates spricht, den offensichtlich gefunden Formelkompromiss: "Das Zusammengehen mit dem Evangelischen Krankenhaus Oldenburg gleichberechtigt auf Augenhöhe ist weiterhin gewollt. Die rechtliche Ausgestaltung muss unter diesen Prämissen verhandelt werden", heißt es. Mehr könne sie aktuell nicht mitteilen, bedauert die Sprecherin.

Abberufung des Verwaltungsrates: Theising rudert zurück

Sicher ist nun: Der Vechtaer Offizial Weihbischof Wilfried Theising rudert bei der Entmachtung des bisherigen Verwaltungsrates und des bisherigen Alleingeschäftsführers Michael Winkler mächtig zurück. In der Presseerklärung bietet das Offizialat "nach heutiger Neubewertung des Sachverhalts an, die Abberufung der Verwaltungsratsmitglieder für die berufene Zeit zurückzunehmen". Daraus lässt sich schließen, dass die von Theising Anfang März wegen "grober Pflichtverletzung" geschassten Ehrenamtlichen um den Vorsitzenden Dr. Josef Lange aus Hannover zunächst in ihre Aufsichtsämter zurückkehren dürfen. Unbeantwortet bleibt in der Erklärung, was aus dem neuen Verwaltungsrat wird. Der Offizial selbst hatte zwischenzeitlich mit kirchlichen Leitungskräften aus Vechta und einem aus Vechta stammenden Juristen aus Münster die Kontrolle über die Pius-Stiftung übernommen.

Gleichzeitig erklärt das Offizialat, dass die Geschäftsführung wieder allein in den Händen von Michael Winkler liegen wird, dem Weihbischof Theising Anfang März das Misstrauen ausgesprochen hatte, indem er ihm unter dem Protest der gesamten Belegschaft einen Co-Geschäftsführer an die Seite stellte. Winkler hatte mit dem  früheren Verwaltungsrat Fusionspläne mit dem Evangelischen Krankenhaus energisch vorangetrieben.

In einer am Mittwochmorgen per E-Mail verbreiteten Erklärung der katholischen Kirchenbehörde für das Oldenburger Land liest man nun zudem, dass das Pius-Stift künftig die Universitätsmedizin in Oldenburg gemeinsam mit dem Evangelischen Krankenhaus stärken und "weitere Entwicklungsmöglichkeiten für die Zukunft schaffen" wolle.  Die Aufsichtsbehörde des Pius-Hospitals teilt weiter mit, dass beabsichtigt sei, die Satzung der katholischen Stiftung zu ändern und das Krankenhaus künftig durch einen dreiköpfigen Vorstand –  bestehend aus kaufmännischem Vorstand, medizinischem Vorstand und Pflegevorstand – leiten zu lassen. Aus dem Pius-Stift in Oldenburg hört man, diese Reform sei schon länger geplant gewesen.

Neuer Aufsichtsrat in Aussicht gestellt

Für die Zukunft soll laut Erklärung ein neuer Aufsichtsrat als  Beratungs- und Überwachungsorgan installiert werden, "für dessen Auswahl noch zu definierende Qualifikations- und Auswahlkriterien erarbeitet werden". Offensichtlich ist noch nicht klar, wer diesem Gremium angehören soll.

In der Pressemitteilung des Offizialats heißt es weiter, "alle Beteiligten dieses Prozesses, einschließlich der Mitglieder des Verwaltungsrats und des Herrn Weihbischofs, werden rehabilitiert".  Gemeint sein muss bei dieser Formulierung der frühere Verwaltungsrat. Nicht erwähnt wird in der Mitteilung des Offizialats das vom Pius-Stift in Auftrag gegebene Rechtsgutachten, das bisher nicht veröffentlicht wurde, aber die Rechtsposition der bisherigen Pius-Verantwortlichen stützen soll. Demnach soll eine Fusion der beiden christlichen Krankenhäuser in Oldenburg nicht gegen den Stiftungszweck der Pius-Stiftung verstoßen. 

Das am Dienstag zusammengetretene Verhandlungsteam werde unter Einbeziehung des Geschäftsführers Winkler "die Verhandlungen zur vollständigen Lösung im Sinne dieser Eckpunkte unverzüglich fortsetzen", heißt es abschließend in der Pressemitteilung des Offizialats.

Das kommunizierte Ergebnis des nächtlichen Verhandlungsmarathons wertet der von Theising geschasste Verwaltungsratsvorsitzende Dr. Josef Lange aus Hannover als sehr positiv. "Wichtig ist, dass in dem Papier die Auffassung von Geschäftsführung und Verwaltungsrat bestätigt wird", sagt er. Offensichtlich sei jetzt vor dem Hintergrund des Gutachtens erkannt worden, dass das Zusammengehen der Krankenhäuser diese stärke. Dieser Schritt sei auch für die Weiterentwicklung wichtig. Auch die Entscheidung für den dreiköpfigen Vorstand hält Lange für richtig. Dies sei bundesweit üblich. Damit sei "ein guter Weg in die Zukunft geöffnet", sagt er. Dass Geschäftsführer Winkler jetzt wieder alleine agieren darf, interpretiert Lange als Zugeständnis an die Wünsche der Belegschaft.

Seine eigene Rehabilitierung will Josef Lange aber nicht kommentieren. Hier steht demnach noch ein Gespräch mit dem Offizialat aus. Aber er begrüßt es, dass das kirchenrechtliche Gutachten die Rechtsauffassung des Verwaltungsrates bestätigt. "Wir lagen ziemlich richtig", sagt er und hofft, dass dies jetzt "zum Erfolg führt". Jetzt gehe es darum, nach "vorne zu gucken". Das Vertrauen zu den handelnden Personen des Evangelischen Krankenhauses sei da und auch belastbar. 

Das bestätigt auch der Vorstand des Evangelischen Krankenhauses. „Wir freuen uns, dass der kurzfristig unterbrochene gemeinsame Weg von Pius-Hospital und dem Evangelischen Krankenhaus in Richtung eines Zusammengehens der beiden Häuser im Sinne des geplanten Ausbaus der Spitzenmedizin für den Nordwesten nun weiter fortgesetzt werden kann und dass hiermit die Gespräche für ein Zusammengehen auf Augenhöhe wieder aufgenommen werden können", teilt Dr. Alexander Poppinga mit.

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