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Verurteilter wollte unbedingt in Haft bleiben

Kolumne: Recht hat, wer Recht bekommt – 2 Diebe  werden nach einem versuchten Zigarettenraub in Vechta festgenommen. Ihre Tat wurde gefilmt, da war Leugnen letztlich zwecklos.

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Einen Einbruch am helllichten Tag bei vollem Einkaufsbetrieb, das gibt es auch nicht alle Tage. Beim Aldi in Vechta an der Diepholzer Straße kam genau das am 11. Mai 2021 um 15.30 Uhr vor. Von 4 mutmaßlichen Tätern wurden 2 festgenommen und in Untersuchungshaft geschickt. Die  Männer mussten sich nun vor dem Strafgericht des Amtsgerichtes verantworten. Sie erhielten Freiheitsstrafen ohne Bewährung und ein 45-jähriger Angeklagter bestand darauf, dass er in Haft bleiben dürfe.

Laut Anklage führen am Tattag 4 Männer – nach Angaben der Polizei stammen sie aus Georgien und sind Mitglieder einer Bande –  von hinten an den Aldi-Markt heran. Ein 30-Jähriger soll dann mit einem Brecheisen das Fenster eines Lagerraumes geöffnet haben. Mindestens 2 Helfer reichten dann Zigaretten im Wert von 12.000 bis 16.000 Euro durch das Fenster und verstauten die Ware in einem Auto. Wer der Besitzer des Wagens ist, blieb unklar. 

Ein junges Paar aus der Nachbarschaft, das einen direkten Blick auf das Lagergebäude des Aldi hatte, sah den Einbruch, filmte ihn mit dem Handy und informierte die Polizei. Die nahm schließlich einen 45-Jährigen am Auto und den 30-jährigen Mann mit der Brechstange auf der Lohner Straße fest. 

Die Handys der Herren zeigten an, dass sie mit einem Unbekannten ständig im Gespräch gewesen waren. Auch sicherte die Polizei DNA-Spuren, die den beiden Angeklagten zugeordnet werden konnten. Es wurden aber auch weitere DNA-Spuren gesichert. Die erbeuteten Zigaretten wurden Aldi wieder ausgehändigt.

„Auch ohne Eingeständnis der Angeklagten wäre die Beweislage mehr als eindeutig gewesen.“Klaus Esslinger

Während der 30-jährige "Aufbrecher" die Tat gestand und mit seiner Drogenabhängigkeit begründete, erklärte der 45-Jährige zunächst, er sei vor Ort gewesen. Das konnte er auch nicht bestreiten, da er auf dem Video zu sehen war. Er habe aber nichts gemacht. Während der Beweisaufnahme musste er indes eingestehen, dass er auf einem Foto mit einem Karton Zigaretten zu sehen war.

Die Zeugen, die den Einbruch gesehen und gefilmt hatten, sowie die Polizeibeamten konnten den Hergang detailliert beschreiben. Auch ohne Eingeständnis der Angeklagten wäre die Beweislage mehr als eindeutig gewesen.

Bei dem jüngeren Einbrecher stellte das Gericht fest, dass der Angeklagte schon eine Vorstrafe gleichen Musters hatte und in Deutschland unter verschiedenen Nachnamen unterwegs war. Der 45-Jährige hatte eine Anfahrt zum Gericht aus der Untersuchungshaft in Oldenburg in einem großen Dienstbus und kleinen Zellen aus psychischen Gründen abgelehnt. Er  wurde gesondert im Kleinbus gebracht.

Die Staatsanwältin forderte eine 8-monatige Freiheitsstrafe für den 45-Jährigen und 10 Monate für den "Aufbrecher", alles ohne Bewährung. Beide Angeklagten berichteten, dass sie in der U-Haft mit Methadon, einem synthetisch hergestellten Opioid als Drogenersatz, versorgt wurden. Während der 30-Jährige erklärte, das sei ihm nicht bekommen, forderte der 45-Jährige, es weiter zu erhalten. Deshalb wolle er in Haft bleiben.

Dem kam das Strafgericht nach. Der 30-Jährige muss 10 Monate verbüßen, 4 Monate hat er in U-Haft schon hinter sich, und der 45-Jährige erhielt 8 Monate. Er darf die weiteren 4 Monate noch in Haft bleiben und die Ersatzdroge in dieser Zeit auf Kosten des Staates zu sich nehmen.


Zur Person:

  • Klaus Esslinger ist Gerichtsreporter und war viele Jahre Lokalchef der Oldenburgischen Volkszeitung.
  • Kontakt zum Autor über: redaktion@om-medien.de.

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