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Vergissmeinnicht die Postleitzahl

Kolumne: Das ganz normale Leben – Im Urlaub schnell surfen gehen? So einfach gestaltete sich das bei mir leider nicht.

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Eigentlich soll man ja sein Handy zu Hause lassen, wenn’s in die Ferien geht. Du musst ja nicht überall und andauernd für jeden erreichbar sein, das wissen alle schlauen Ratgeber der Nation. Doch wer kann sich solchen Müßiggang schon leisten? Ich jedenfalls nicht, ich armer Tor, schon gar nicht nach 15 Monaten Coronagelenze – also Glasbrett in die Reisetasche, denn außerdeutsche Handygebühren sprengen ja längst nicht mehr das Urlaubsbudget, wie es noch vor ein paar Jahren auf einem einfachen Wochenende in Wien passieren konnte.

Alle Mobilfunkanbieter mit Sitz in der EU müssen seit 2017 einen erträglichen EU-Tarif anbieten, God save the Union. Mein Netzbetreiber ist die Telekom, da bin ich ein braver Deutscher. Auch sie versteht sich auf Urlauber, textete an mich aber nach dem ersten Ferientag die fiese Botschaft: „Sie surfen jetzt bis Ende des Monats mit reduzierter Geschwindigkeit“. Um das zu vermeiden, sei nur die „Option All-Inclusive“ zu buchen, das koste dann neunfünfundneunzig, „schicken Sie uns eine SMS namens ALLINC1“. Ich tat wie mir geheißen und brachte die Message mit dem kryptischen Inhalt auf die Reise, was bei aktivierter Autokorrektur kein Kinderspiel, aber hinzudeichseln ist.

Sogleich kam die Antwort, das sei so leider nicht hinzukriegen und ich kein Privat-, sondern ein Geschäftskunde der Telekom. Als solcher habe ich unter 2838 anzurufen, das sei dann auch kostenlos. Überdies wünschte man eine gute Reise.

"Am nächsten Morgen erreichte ich unter Tränen eine lebendige Frau."Christian Bitter

Die Nummer klang ein bisschen wie die alte Vechtaer Postleitzahl, brachte aber auch nichts Neues: Ich sprach dort mit einem männlichen Computer, der mir überraschend mitteilte, dass der menschliche Berater zur Stunde voll belegt und mit einer Wartezeit von 15 Minuten zu rechnen sei. 15 Minuten später wiederholte sich das Prozedere, 30 Minuten später ebenso, am Abend dasselbe Drama, um halb elf gab ich auf, der Rotwein war trocken.

Am nächsten Morgen erreichte ich unter Tränen eine lebendige Frau. Die wollte nichts weiter als meine Kundennummer bei der Telekom, anderweitig sei ich ja nicht zu identifizieren, da könne ja jeder kommen. Da ich nun im Ausland alles Mögliche mit mir führe, außer eben diese Kundennummer, hatten wir ein Problem. Das ließ sich nur lösen mit der Übermittlung meiner 20-stelligen ICCID, so einfach ist das Leben. Gut, dass wenigstens die Sonne schien.


Zur Person:

  • Christian Bitter ist Chef der Werbeagentur Bitter & Co. in Calveslage
  • Er studierte Germanistik und war Leiter der Werbe-Redaktion der OV.
  • Den Autor erreichen Sie per E-Mail an: redaktion@om-medien.de

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