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"Vergessene Verbrechen" gehen online: Uni startet Geschichts-Podcast

In dem "True Crime History Podcast" des Museumsdorfs Cloppenburg und der Universität Vechta werden historische Kriminalfälle aus dem Oldenburger Land beleuchtet. Die  1. Folge handelt in Goldenstedt.

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Ein Absperrband der Polizei am Rande eines Waldes: Hier hat sich jüngst ein Verbrechen zugetragen. Um Verbrechen aus der Vergangenheit geht es in dem neuen Podcast der Universität Vechta und des Museumsdorfs Cloppenburg. Foto: dpa

Ein Absperrband der Polizei am Rande eines Waldes: Hier hat sich jüngst ein Verbrechen zugetragen. Um Verbrechen aus der Vergangenheit geht es in dem neuen Podcast der Universität Vechta und des Museumsdorfs Cloppenburg. Foto: dpa

Der kleine Herm Heinrich Freudenberg aus Goldenstedt ist entführt worden. Er wurde als uneheliches Kind geboren und sollte bei seinem katholischen Vater aufwachsen. Doch das kann sein Großvater, der protestantische Untervogt Heinrich Feder, nicht ertragen. Er lässt den Knaben entführen. Die wütende Stiefmutter verfolgt die Entführer und wiegelt die Goldenstedter auf. Auf dem eigentlich völlig unbeteiligten Hof Hoffmann treffen beide Seiten zum Schlagabtausch aufeinander. Das alles geschah im Jahr 1781.

Um das Schicksal des kleinen Herm Heinrich geht es unter dem Titel „Die Entführung eines Knaben“ in der ersten von sieben Folgen eines „True Crime History Podcasts“, der ab sofort online zu hören ist und aus einem Kooperationsprojekt des Museumsdorfs Cloppenburg und der Universität Vechta entstand.

In dem Podcast „Vergessene Verbrechen“ werden historische Kriminalfälle aus dem Oldenburger Land beleuchtet. Einmal pro Monat werden die Geschichten von echten Verbrechen aus dem 18. und 19. Jahrhundert erzählt. Sie sind hier im Nordwesten, genauer: im Gebiet des ehemaligen Großherzogtums Oldenburg, passiert.

Wahre Fälle bilden die Grundlage für den Podcast

Hinter den Fällen stehen echte Menschen und ihre Schicksale, wahre Begebenheiten, die eng an den Quellen aus dem Niedersächsischen Landesarchiv, Abteilung Oldenburg, nacherzählt werden, wie die Initiatoren versichern. Der Podcast wird im Rahmen eines Studierendenprojekts von Prof. Dr. Christine Vogel in Kooperation mit Lukas Aufgebauer, Leiter der museumspädagogischen Abteilung des Museumsdorfs Cloppenburg und ehemaliger Mitarbeiter der Universität Vechta, produziert.

Dieses Projekt verbinde forschendes Lernen, regionale Kooperation und moderne Formen der Wissenschaftskommunikation. Das Projekt „Vergessene Verbrechen“ entstand aus einem Seminar, das Prof. Dr. Christine Vogel 2019/20 an der Universität Vechta für Lehramtsstudierende des Fachs Geschichte angeboten hat. Das Museumsdorf Cloppenburg war als Kooperationspartner mit im Boot, denn aus den wissenschaftlich erarbeiteten Inhalten sollte etwas Handfestes, Didaktisches entstehen – dabei sollte Lukas Aufgebauer die Studierenden unterstützen.

Im Vorfeld hatten sie sich bereits für die Thematik „Verbrechen“ entschieden. Im Niedersächsischen Landesarchiv Abteilung Oldenburg lagern demnach zahllose alte Gerichts- und Polizeiakten, sodass die Auswahl nicht ganz leicht gewesen sei. Christine Vogel sichtete vorab mögliches Material, wählte einiges aus und ließ die Studierenden entscheiden, welche Fälle sie bearbeiten wollten. Die Gruppe hat sich dann monatelang gemeinsam mit Christine Vogel und ihrer Mitarbeiterin Sophie Große durch die alten Akten gearbeitet.

Stück für Stück wurden die Verbrechen rekonstruiert

Sie haben die Handschriften entziffert und transkribiert, Hintergründe recherchiert und so die Fälle Stück für Stück rekonstruiert. Aus dieser wissenschaftlichen Arbeit sind insgesamt sieben True-Crime-Storys entstanden, „die es wirklich in sich haben“, versprechen die Initiatoren. Sie hätten sich zudem dazu entschieden, in jeder Folge zuerst die eigentliche Geschichte zu erzählen, bevor Christine Vogel und Lukas Aufgebauer die interessantesten oder schwerer verständlichen Punkte gemeinsam erklären.

Im Herbst soll die zweite Staffel mit Studierenden unter der Betreuung von Sophie Große, Mitarbeiterin von Christine Vogel, starten. Dann geht es um eine berüchtigte Giftmörderin: Gesche Brockmann aus Hude soll Mitte des 19. Jahrhunderts ihren Vater, ihren Mann und ihren Bruder mit Arsen vergiftet haben. In vier Teilen werden ihre Lebensgeschichte, ihre Morde, der Prozess und die Zeit in der Strafanstalt in Vechta geschildert.


Die Studierendengruppe AG Kriminalität und ihre Fälle:

  • Carolin Böckmann – Absolut und simplizit!
  • Lisa Holst – Im Zweifel für den Angeklagten – oder der Versuch, einen hitzköpfigen Sattlermeister in Schach zu halten
  • Niwrosch Chaker – Misshandlung eines Israeliten
  • Lynn Pia Mühlmeister – Arsen und Pannkooken
  • David Schober – Eine Frage der Ehre. 23-Jähriger schlägt 61-Jährigen halb tot
  • Alexander Stohs – Die wohlverwahrten Beinkleider

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

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