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Vereine pflegen ihre Kontakte auf digitalem Weg

Wie pflegen Vereine in Corona-Zeiten das Miteinander? In der Pandemie sind neue Lösungen gefragt. Ein Edelkorn-Tasting in Vechta liefert den Beweis.

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Hochprozentige Videokonferenz: Edelkorn-Hersteller Josef Rosche (links) und  Moderator Jens Diez laden die zugeschalteten Schützen in den heimischen Wohnzimmern zu einem Umtrunk mit vielen Informationen ein. Foto: Speckmann

Hochprozentige Videokonferenz: Edelkorn-Hersteller Josef Rosche (links) und Moderator Jens Diez laden die zugeschalteten Schützen in den heimischen Wohnzimmern zu einem Umtrunk mit vielen Informationen ein. Foto: Speckmann

Es ist schon lange nicht mehr vorgekommen, dass der amtierende König Roman Büssing und seine Untertanen miteinander angestoßen haben. Die Corona-Pandemie hat viele Pläne durchkreuzt. Doch ein digitales Treffen führt die Mitglieder des Bürgerschützenvereins Vechta zusammen. Sie erheben gleichzeitig das Glas, während sie daheim in ihren Wohnzimmern sitzen und sich beim Blick auf den Computerbildschirm aus sicherer Entfernung zuprosten.

Mehrere Vereine, Clubs und Institutionen in der Stadt Vechta machen sich die digitalen Medien zunutze, um die Kontakte während des aktuellen Lockdowns nicht ganz abreißen zu lassen. Wo turnusgemäße Vorstandssitzungen, Übungsabende oder Festivitäten untersagt sind, bieten sich immer häufiger Videokonferenzen an. Ein Mausklick genügt, um vertraute Gesichter wiederzusehen und zumindest ansatzweise an die gewohnten Freizeitbeschäftigungen anzuknüpfen.

Firmeninhaber geben Einblicke in die Produktion und Vermarktung

„Was uns allen in der Vereinswelt fehlt, sind die Treffen, der Austausch und das Miteinander. Und da nun sämtliche Veranstaltungen, wie Schützenfest, Schützenbälle aber auch Grünkohltouren ausgefallen sind, wollten wir zumindest online ein Event anbieten, um mal wieder zusammen etwas zu unternehmen“, erklärt Sam Schaffhausen, Presseoffizier des Bürgerschützenvereins Vechta.

Dirigent Niko Förster spielt Stücke ein, um den Mitgliedern zu Hause die Probe zu erleichtern. Foto: Musikverein OytheDirigent Niko Förster spielt Stücke ein, um den Mitgliedern zu Hause die Probe zu erleichtern. Foto: Musikverein Oythe

Das Tasting in Kooperation mit der Edelkorn-Brennerei Rosche aus Haselünne erweist sich als voller Erfolg. Etwa 165 Mitglieder nehmen an dem Programm teil. Sie haben im Vorfeld eine Auswahl der Spirituosen bei Präsident Simon Spille abgeholt, um sich neben den äußerst informativen Ausführungen über die Kornbrennerei auch in geschmacklicher Hinsicht überzeugen zu können.

Firmeninhaber Josef Rosche und seine Frau Susanne nehmen die Schützen mit auf eine „hochprozentige“ Weltreise. Sie geben Einblicke in die Produktion und Vermarktung der Spirituosen. Unter der Moderation von Jens Diez erheben die Schützen zwischendurch das Glas. Ganz genussvoll, wie der Hersteller demonstrativ erläutert: „Man muss das nicht kippen, man kann das in aller Ruhe über die Zunge laufen lassen.“

Online-Klassenzimmer für junge Basketballer

Welche vielfältigen Möglichkeiten die digitalen Medien bieten, beweist der SC Rasta Vechta. Dort gab es bereits vor der Pandemie eine Hausaufgabenhilfe und einen Kitchen-Club, wo einfache Gerichte vor der Videokamera zubereitet werden. Mit den Einschränkungen des öffentlichen Lebens im letzten Frühjahr wurde das Angebot durch ein Online-Klassenzimmer für den Bundesliga-Nachwuchs erweitert.

„Wir helfen den Spielern in Sachen Ernährung und Krafttraining auf die Sprünge, zeigen außerdem Übungen, wie sie mit dem Basketball in den eigenen vier Wänden oder etwa im Garten zurechtkommen“, erklärt Jugendkoordinator und Trainer Hanno Stein. Das Programm solle die jungen Spieler herausfordern und ihnen dabei helfen, so etwas wie einen normalen Tagesablauf zu bekommen.

Wegen der Pandemie ruht derzeit der Spielbetrieb im Amateurbereich. Das bekommt auch der SV Blau-Weiß Langförden zu spüren. Dort gehen einige Kicker mit der Playstation auf Torejagd. Sie messen sich mit anderen Teams aus dem Landkreis Vechta im „E-Football“, das bereits vor der Pandemie vom Niedersächsischen Fußballverband ins Leben gerufen wurde. „Mit den Freunden zu zocken, ist ganz schön. So haben wir wenigstens ein bisschen Spaß am Wochenende“, sagt Hannes Wübbelmann.

Praxis fehlt Sportlern, Musikern und der Feuerwehr

Aber nicht nur bei den Sportlern droht die Spielpraxis verloren zu gehen. Auch den Aktiven des Musikvereins Oythe fehlen die Übungsabende im Pfarrheim. Beim gemeinsames Musizieren in einer Videokonferenz würde der Takt vermutlich auf der Strecke bleiben. Also verschickt Dirigent Niko Förster jeden Montag per Kurznachricht eine Liste mit mehreren Stücken, die von den Mitglieder daheim geprobt werden. Dabei entstehen auch Bilder und Videos für die WhatsApp-Gruppe.

Bei der Ortsfeuerwehr Vechta ist die Kamera mittlerweile zu einem unverzichtbaren Ausrüstungsgegenstand geworden. Weil keine Übungsabende im Feuerwehrhaus stattfinden dürfen, treffen sich Jugendliche und Erwachsene seit einigen Wochen in getrennten Videokonferenzen. Hier werden Theorie und Praxis miteinander verknüpft. Die Demonstration von Geräten wird auf anschauliche Weise im Bild festgehalten.

"Es ist wichtig, dass die Kameraden auf dem Laufenden bleiben."Vechtas Jugendfeuerwehrwart Nils Triphaus

„Es ist wichtig, dass die Kameraden auf dem Laufenden bleiben“, betont Jugendfeuerwehrwart Nils Triphaus, der mit Unterstützung aus der Truppe die Online-Dienste durchführt. Durch die virtuelle Präsentation ließen sich das vorhandene Wissen auffrischen und auch Neuerungen in der Technik vorstellen. Fragen könnten im Chat geklärt werden. Die Mitglieder hätten großes Interesse.

Der Spieleclub „Würfeltrolle“ hat sein Event „Spieltakel“ abgesagt. Die Treffen finden vorerst in digitaler Form statt. Hier bieten sich verschiedene Gesellschaftsspiele an. „Interessenten können sich an uns wenden. Es gibt durchaus gute Möglichkeiten, an einer Spielrunde teilzunehmen“, sagt Vorsitzender Markus Büscherhoff und ergänzt: „Ansonsten hoffen wir natürlich, möglichst bald wieder reale Treffen durchführen zu können.“ Damit spricht der „Würfeltroll“ vielen Menschen aus der Seele.

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