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Verdacht der versuchten Erpressung eingestellt

Kolumne: Recht hat, wer Recht bekommt – Drogen, die ins Gefängnis geschmuggelt werden, sind ein leider gängiger Transfer – dieser konnte in der JVA Vechta jedoch unterbunden werden.

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Der Versuch, mit Drogen getränkte Briefe in die Vechtaer Justizvollzugsanstalt zu schmuggeln, scheiterte zumindest in dem Fall, mit dem sich das Schöffengericht des Amtsgerichtes Vechta zu befassen hatte. Es ging um zwei 25- und 26-jährige Angeklagte, denen  versuchte Erpressung vorgeworfen wurde. Da die Beweislage recht "dünn" war, beide Angeklagte nicht aussagten und sie ohnehin noch länger an der Willohstraße in Vechta blieben, sah das Gericht eine Einstellung des Verfahrens als gegeben an.

Hintergrund: Viele Inhaftierte sind drogenabhängig oder zumindest an den Konsum von Drogen gewöhnt. Genau wie vor der Inhaftierung versuchen sie fieberhaft, auch in einem Gefängnis an Drogen zu kommen. Drogen lassen sich relativ unauffällig verstecken, sodass ein Einbringen durch Besucher oder durch Gefangene, die Ausgang oder Urlaub hatten, nicht immer auszuschließen ist. Die Anstalt reagiert darauf mit einem rigiden Kontrollsystem durch Haftraumdurchsuchungen, Urinkontrollen und körperliche Durchsuchungen.

Seit einiger Zeit besteht der Verdacht, dass mit Drogen getränkte Briefe in Justizvollzugsanstalten geschmuggelt wurden. Den Verdacht gab es auch in Vechta, die Polizei ermittelte und über 10 Gefangene wurden intensiv befragt.

"Bei den getränkten Briefen soll es sich um sogenannte neue psychoaktive Substanzen handeln."Klaus Esslinger

Das beschuldigte Duo hatte laut Anklage einen Mitgefangenen aufgefordert, Adressen von Familien und Freunden zu besorgen, die dann getränkte Briefe an die Gefangenen im Vollzug schreiben, ansonsten forderten sie 2000 Euro. Der so aufgeforderte Gefangene war inzwischen aus der Haft entlassen worden und weigerte sich, zur Verhandlung zu erscheinen. Er habe Angst, nach Vechta zu kommen. Dafür bekam er ein Ordnungsgeld "aufgebrummt" oder 6 Tage Haft.

Ein anderer Zeuge, der auch schon entlassen worden war und ebenfalls zu den angeblichen Erpressern gehörte, sagte aus. Das Verfahren gegen ihn sei auch schon eingestellt worden. Er gab an, der Anzeigeerstatter, der schließlich zur Verhandlung gegen die zwei Angeklagten geführt hatte, habe den Erpressungsversuch nur gemacht, um in eine andere Strafvollzugsanstalt verlegt zu werden. Der habe mit allen immer nur Ärger gehabt.

Bei den getränkten Briefen soll es sich um sogenannte neue psychoaktive Substanzen handeln. Diese bestehen nach Angaben der Polizei aus einem Gemisch aus legalen Kräutern und Chemikalien. Zusammen entstehen daraus verbotene Substanzen, mit denen die Täter Briefe einsprühten. Die getarnten Schriftstücke werden in den Haftzellen zerkleinert, verkauft und zusammen mit Tabakwaren konsumiert. Übrigens sollen die so präparierten Briefe geruchslos sein und können nur durch eine Laboruntersuchung entdeckt werden.


Zur Person:

  • Klaus Esslinger ist Gerichtsreporter und war viele Jahre Lokalchef der Oldenburgischen Volkszeitung.
  • Kontakt zum Autor über: redaktion@om-medien.de.

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