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Veränderungen: "… und hat’s einfach gemacht"

Kolumne: Auf ein Wort – Manchmal muss man den Mut fassen und etwas Neues ausprobieren. Dabei kann es auch passieren, dass etwas nicht funktioniert.

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„Alle sagten: Das geht nicht! – Dann kam einer, der wusste das nicht, und hat’s einfach gemacht.“ – Den Spruch las ich auf einer Zierkachel irgendwo in der Fußgängerzone. Amüsiert stelle ich mir vor, wie einer mit großer Leichtigkeit kommt – und einfach etwas ausprobiert. So jemanden wünsche ich mir manchmal. Vielleicht möchte ich sogar selbst so sein. Denn Veränderungen brauchen leichtfüßigen Mut. Den Mut zum Experimentieren. Den Mut zum Riskieren, dass etwas nicht funktioniert.

Ich erinnere mich noch gut an heiße Diskussionen in unserem Handwerkerhaushalt: Mein Vater, 16 Jahre jünger als mein Onkel, berichtete von den neuesten zeit-und kraftsparenden Techniken auf der Baustelle: klammern statt nageln, leimen statt Dübel aus Holz einsetzen … „Das kann auf Dauer nur schiefgehen!“, das war die unumstößliche Meinung meines Onkels. Die Erfahrungsberichte des Jüngeren konnten ihn nicht überzeugen. Vielleicht hat es ihn auch nur gepiesackt, dass der Jüngere mit Ideen kam, die seine langjährige Berufserfahrung zu übertrumpfen schienen: War es denn alles nicht gut genug, wie sie es früher gemacht hatten?

Dieses Gefühl kenne ich: In meinen alten Ordnern für die Arbeit mit Konfirmandinnen und Konfirmanden finde ich mit der Matrize gedruckte Arbeitsblätter. Frage, Bibelstelle, Antwort. Eine ganze DIN A 4-Seite voller Buchstaben. – Warum nur haben wir damals, vor 30 Jahren, mit den jungen Leuten auf so verkopfte Art und Weise gearbeitet? Schade, dass ich Kreativität und Methodenwechsel erst so spät entdeckte. Die Geschichte vom barmherzigen Samariter im Wald im Rollenspiel nachzuspielen, das macht nicht nur mir, sondern auch den Konfis viel mehr Spaß und prägt sich am Ende besser ein, als sie nur zu lesen und zu besprechen.

"Eine gute Gestaltung der Zukunft verlangt Veränderung. Und es kann so erfrischend sein, etwas Neues auszuprobieren!"Martina Wittkowski

In einem Fernsehinterview hörte ich von einem Unternehmensberater den Satz: „Veränderungen sind keine Kritik an der Vergangenheit, sondern eine Notwendigkeit für die Zukunft.“ Dieser Satz lässt mich erschließen, woher die vielen Widerstände gegen Veränderungen welcher Art auch immer kommen: Wir fühlen uns kritisiert! War es denn nicht gut, wie wir es bisher gemacht haben? Ich lerne: Das ist gar nicht die Frage! Eine gute Gestaltung der Zukunft verlangt Veränderung. Und es kann so erfrischend sein, etwas Neues auszuprobieren!

„Alle sagten: Das geht nicht! – Dann kam einer, der wusste das nicht, und hat’s einfach gemacht.“ - Dieser Spruch lässt mich denken an einen, der einfach neue Wege ging und damit durchaus aneckte. Er schätzte den einzelnen Menschen mehr als gesetzliche Vorschriften. Er stillte den Sturm und ging übers Wasser. „Habt Ihr denn kein Vertrauen?“ (Markus 4,40), fragte er seine Freunde. – Mit Vertrauen überwand er die Angst und veränderte die Welt. Und er tut es bis heute. Ich will es auch probieren.


Zur Person:

  • Martina Wittkowski ist Kreispfarrerin im evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Oldenburger Münsterland.
  • Sie erreichen die Autorin unter: redaktion@om-medien.de.

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