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Vechtas Wirte kritisieren den Lockdown light

Die Gastronomen vor Ort befürchten langfristige Auswirkungen für die Branche. Auch die Vechtaer und Vechtaerinnen sind nicht begeistert von den neuen Regeln.

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Gerade aufgebaut, aber ab Montag wieder geschlossen: Die Pagoden vor Melchers. Foto: M. Niehues

Gerade aufgebaut, aber ab Montag wieder geschlossen: Die Pagoden vor Melchers. Foto: M. Niehues

Ab Montag (2. November) gilt auch in der Kreisstadt Vechta der Lockdown light. Unter anderem müssen Restaurants und Kneipen wieder schließen. Die Kontakte der Bürgerinnen und Bürger sollen deutlich eingeschränkt bleiben. Das freut in Vechta nicht jeden Passanten, wie sich bei einer Straßenumfrage am Donnerstagnachmittag gezeigt hat. Auch die Gastwirte vor Ort sehen die neuen Regeln sehr kritisch.

 "Ich finde die Maßnahmen richtig. Die Frage ist, ob wirklich die Gastronomie schließen muss. Besonders für uns als junge Menschen ist das sehr hart", sagt Franziska Ebeling aus Vechta. Mit ihren Sorgen um die Gastronomie ist sie nicht die einzige. Anja Sommer aus Vechta hat dazu eine ganz klare Meinung: "Es ist falsch, dass jetzt die Gastronomie schließen muss, da dort eigentlich gute Hygienekonzepte existieren." Auf der anderen Seite aber findet sie die harten Beschränkungen auch sinnvoll.

Dieser Meinung sind fast alle, die sich an der Straßenumfrage beteiligt haben. Einige fordern sogar noch strengere Vorschriften. "Meine Tochter arbeitet im Altenheim und weil sie bei uns wohnt, mussten wir alle schon einmal für 14 Tage in Quarantäne. Um die Pandemie einzudämmen bräuchte es eigentlich viel drastischere Maßnahmen", findet Gudrun Ilka aus Vechta.

Gastronomie fühlt sich unfair behandelt

Andere hingegen finden, die neuen Vorschriften sind zu streng. "Ich finde die ganzen Regelungen nicht sonderlich gut", sagt Otto Möller. Auch der Kneipenbesitzer Peter Wendeln ist enttäuscht. "Ich halte davon eigentlich gar nichts. Wir Wirte waren es, die doch eigentlich immer aufgepasst haben." In seiner bekannten Kultkneipe am Kreuzweg hätte er unter Corona-Bedingungen nur 10 Gäste unterbringen können. Deshalb hält er seine Gaststätte bereits seit März ganz geschlossen.

Hat nur wenig Verständnis für den erneuten Lockdown: Susanne Surmann. Foto: M.NiehuesHat nur wenig Verständnis für den erneuten Lockdown: Susanne Surmann. Foto: M.Niehues

Bei anderen Wirten aus Vechta ist das Unverständnis über den angekündigten Lockdown ebenfalls groß. "Ich frage mich, was ich bis jetzt falsch gemacht habe", sagt beispielsweise Susanne Surmann vom Charivari. "Es gibt doch bisher kaum oder keine Fälle, die in unserem Landkreis auf die Gastronomie zurückzuführen sind", ist sie überzeugt. Sie habe hohe Plexiglasscheiben als Abtrennung angeschafft und das Hygienekonzept erfolgreich umsetzen können. Surmann kann sich zudem nicht vorstellen, dass nach dem Lockdown ab Dezember das Geschäft wieder normal anläuft. "Bis Weihnachten wird nichts los sein. Ich brauche die Weihnachtsdeko gar nicht rausholen", prognostiziert sie.

"Warum wir? Es ist doch im privaten Umfeld schief gelaufen."Cornelius van der Vlugt, Gastronom aus Vechta

Cornelius van der Vlugt und Hanns Heyng blicken auf die 3 Pagodenzelte ihrer Terrasse vor dem Melchers. Die haben sie gerade erst vergangene Woche von einem Zeltverleih aufwendig aufbauen lassen, um den Corona-Anforderungen zu entsprechen und Fläche zu schaffen, damit Abstände eingehalten werden können. Nur bis Mitte November sollen die Zelte planmäßig stehen bleiben, um dann für den Weihnachtsmarkt Platz zu machen. "Wir haben extra draußen diese Plätze gemacht, hatten alles so gut am Laufen", sagt van der Vlugt entsetzt. "Wir haben sehr viel gemacht, um alles einzuhalten, drinnen sogar eine Lüftungsanlage installiert, die die Luft 6 Mal pro Stunde austauscht. Warum wir?", fragt er sich. "Es ist doch im privaten Umfeld schief gelaufen."

Deutliche Umsatzverluste in der Branche vorhanden

Auch Stefan Schäfers, Betreiber des gleichnamigen Hotels in Vechta, hält die Schließung von Gastronomie und das touristische Beherbergungsverbot für "großen Schwachsinn". "Die Leute dürfen shoppen, aber nicht übernachten", sagt er. Das sei nicht nachvollziehbar. Ohnehin habe er durch Corona einen Umsatzverlust von rund 50 Prozent übers Jahr zu verzeichnen gehabt. Seine Hotels in Vechta und Lohne seien gegenwärtig nicht wirtschaftlich zu führen. Die Unsicherheit bei den Gästen habe zudem durch den Lockdown noch zugenommen. "Es dauert 2 Monate, bis sie danach wiederkommen", befürchtet er und ist überzeugt, dass die Corona-Einschränkungen noch länger andauern werden.

Und was ist mit der angekündigten Finanzhilfe? Alle Gastronomen sind gespannt, ob sie die angekündigten 75 Prozent des erzielten November-Umsatzes des Vorjahres als Entschädigung tatsächlich erhalten. Nach Abzug von Personalkosten und Wareneinsatz werten sie dies als Überkompensation. Dies sei aber auch nötig, um Verluste der anderen Monate und die der folgenden etwas aufzufangen, heißt es.

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