Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Vechtas Eltern sehen viele Gefahren auf Schulweg

Eine Umfrage liefert die Grundlage für weitere Maßnahmen zur Verkehrssicherung in der Stadt Vechta. Aber Experten wissen: Zwischen Wahrnehmung und Realität gibt es einen Unterschied.

Artikel teilen:
Symbolfoto: dpa

Symbolfoto: dpa

Die Stadt Vechta hat in Kooperation mit der Universität Vechta das Projekt „Sichere Wege zur Grundschule!“ umgesetzt. Dabei haben Eltern den jeweiligen Schulweg ihrer Kinder in einer Stadtkarte nachgezeichnet, Gefahrenstellen markiert und weitere Hinweise gegeben. Nun liegen die Ergebnisse vor. Sie sollen als Grundlage für weitere Sicherheits- und Präventionsmaßnahmen im Straßenverkehr dienen.

Die Eltern von Grundschülern und künftigen Erstklässlern waren bereits im Frühjahr zu einer Online-Umfrage aufgerufen worden. Mit der Beteiligung zeigt sich Professor Dr. Karl Martin Born in seinem Abschlussbericht sehr zufrieden. Etwa 21 Prozent der betroffenen Haushalte hätten sich beteiligt. Entsprechend umfangreich gestaltet sich das Kartenmaterial mit einer Vielzahl an markierten Gefahrenstellen.

Eltern markieren insgesamt 1.171 Gefahrenpunkte

Das Ergebnis ist auf den ersten Blick besorgniserregend: Auf den 191 erfassten Schulwegen in Vechta und Langförden haben die Mütter und Väter insgesamt 1.171 Gefahrenpunkte ausgemacht. Ein Elternteil sieht sein Kind sogar an 76 Stellen gefährdet. Meistens handelt es sich um viel befahrene Straßen und Kreuzungen, die von den Grundschülern mit dem Fahrrad oder zu Fuß bewältigt werden.

Wichtige Erkenntnisse zur Schulwegsicherung: Professor Dr. Karl Martin Born (links) und Bürgermeister Kristian Kater präsentieren den Abschlussbericht. Mit dabei: Simone Göhner, Sandra Sollmann, Anja Heckmann, Susanne Ahlers-Wübbeler, Stefan Thole, Christel Scharf, Hendrik Lammers und Thomas Stransky. Foto: SpeckmannWichtige Erkenntnisse zur Schulwegsicherung: Professor Dr. Karl Martin Born (links) und Bürgermeister Kristian Kater präsentieren den Abschlussbericht. Mit dabei: Simone Göhner, Sandra Sollmann, Anja Heckmann, Susanne Ahlers-Wübbeler, Stefan Thole, Christel Scharf, Hendrik Lammers und Thomas Stransky. Foto: Speckmann

Doch der Dozent für Raumwissenschaft sieht längst nicht hinter jeder Markierung ein erhöhtes Risiko. „Es geht hier um wahrgenommene Gefahrenstellen“, erklärt Born und weist damit auf eine ganz entscheidende Erfahrung hin, die Verkehrsexperten immer wieder machen. Demnach sehen Menschen eine Gefährdung an bestimmten Orten, obwohl diese gar nicht in der Statistik der Polizei auftauchen.

"Wo Chaos ist, passieren keine Unfälle."Thomas Stransky, Verkehrssicherheitsberater des Polizeikommissariats Vechta

„Wir haben keine Unfallhäufigkeit mit Schulkindern“, berichtet Thomas Stransky, der als Verkehrssicherheitsberater des Polizeikommissariats Vechta und Vorsitzender der Kreisverkehrswacht mit den örtlichen Verhältnissen bestens vertraut ist. Gefühl und Realität würden sich unterscheiden, selbst bei hohem Verkehrsaufkommen an Schulen. „Wo Chaos ist, passieren keine Unfälle“, sagt der Polizeibeamte.

Nichtsdestotrotz sind die Hinweise aus der Elternschaft ein wichtiger Beitrag für die künftige Verkehrsplanung der Stadtverwaltung. Sie hat das Beteiligungsprojekt auch deswegen initiiert, weil sich die Schulwege durch die Neustrukturierung der Schulbezirke im vergangenen Jahr für viele Grundschüler geändert haben. Somit können sich durchaus andere Gefahrenstellen im Stadtgebiet ergeben.

"Es ist ein ständiger Prozess, der zur Erhöhung der Verkehrssicherheit führt.“Stefan Thole, Mitglied der Verkehrsunfallkommission

„Es ist ein ständiger Prozess, der zur Erhöhung der Verkehrssicherheit führt“, sagt Fachdienstleiter Stefan Thole, der als Mitglied der Verkehrsunfallkommission einen ständigen Wandel auf den Straßen wahrnimmt. Die Kommune müsse sich immer wieder auf neue Situationen, etwa durch Sperrungen oder Baugebiete, einstellen. Darum würden sich nie sämtliche Gefahrenpunkte beseitigen lassen.

Das städtische Bauamt hat den Abschlussbericht bereits mit Interesse studiert. „Die Erkenntnisse decken sich mit vielen Bereichen, die wir im Blick haben“, stellt Fachbereichsleiterin Christel Scharf fest. Sie verweist auf entsprechende Maßnahmen zur Schulwegsicherung, die sich schon in der Planung befinden und teilweise auch zeitnah umgesetzt werden sollen.

Schulwegsicherung durch Rad- und Fußwege

Handlungsbedarf sieht die Verwaltung unter anderem in der Umgebung der Marienschule Oythe, im Kreisel an der Falkenrotter Straße oder auch auf dem Bokerner Damm. Neben der Schaffung von Rad- und Fußwegen oder Ampeln können aber auch viele Kleinigkeiten zur Schulwegsicherung beitragen, zum Beispiel die Optimierung von Sichtdreiecken an Kreuzungen durch das Beschneiden von Hecken.

Aber es geht der Verwaltung im Rahmen des aktuellen Projekts nicht nur um die Erkennung und Beseitigung von möglichen Gefahrenstellen im Stadtgebiet. Auch die Prävention soll mehr Gewicht bekommen. Allein schon die Befragung trage zur Sensibilisierung bei, erläutert Braun. Die Eltern beschäftigten sich mit der Frage, welche Schulwege und Beförderungsmittel für die Kinder am besten seien.

Viele Eltern würden „Walking Bus“ begrüßen

Etwa 40 Prozent der Eltern haben auf Nachfrage angegeben, dass sie die Einführung eines „Walking Bus“ begrüßen würden. Das Prinzip ist recht einfach, wie Erste Stadträtin Sandra Sollmann erläutert: Die Kinder treffen sich an Sammelstellen und legen dann die letzten paar hundert Meter bis zur Schule gemeinsam zurück. Dazu bedürfe es jedoch freiwilliger Erwachsene zur Begleitung der Gruppen.

„Das wäre ein toller erster Schritt“, sagt Schulleiterin Anja Heckmann. Sie will den Vorschlag mit Elternvertretern der Christophorusschule besprechen. Darüber hinaus sieht die Pädagogin noch Potenzial in der Verkehrserziehung der Grundschüler und Vorschulkinder. Hier müssten auch die Mütter und Väter verstärkt in die Pflicht genommen werden, fügt die Stadtelternratsvorsitzende Susanne Ahlers-Wübbeler hinzu.

Auch die Vorsitzende des städtischen Schulausschusses, Simone Göhner (CDU), spricht sich für ein Engagement der Eltern aus, wenn es um die Einführung eines Walking-Bus oder anderer Angebote zur Schulwegsicherung geht. Darüber hinaus brauche es eine fortlaufende Möglichkeit zur Meldung von Mängeln sowie einen Maßnahmenkatalog, der in Abstimmung mit der Politik abgearbeitet wird.

Laut Bürgermeister Kristian Kater (SPD) geht es nun darum, die einzelnen Punkte des Abschlussberichtes zu hinterfragen und Gefahrenpunkte zu beseitigen. Auch die Verkehrserziehung müsse dazu beitragen, die Situation stetig zu verbessern, damit sich Schüler im Straßenverkehr zurechtfinden. Diese Aufgabe beginne nicht erst bei Fünftklässlern, sondern schon im Übergang vom Kindergarten zur Grundschule.

Sie wollen nichts verpassen, worüber das Oldenburger Münsterland spricht? Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter „Moin, OM!“. Er fasst für Sie das Wichtigste für den Tag auf einen Blick zusammen – immer montags bis freitags zum Start in den Tag.  Hier geht es zur Anmeldung 

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Vechtas Eltern sehen viele Gefahren auf Schulweg - OM online