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Vechtaer Stadtgeschichte lässt sich auch zu Fuß erkunden

Die erneuerten Tafeln zum Thema „Vechta gestern und heute“ weisen den Weg. Auch Broschüren liefern Anregungen für einen informativen Spaziergang.

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Historischer Streifzug durch die Innenstadt: Dr. Frank Käthler, Thomas Bröring, Annette Vetter und Kristian Kater (von links) präsentieren eine der 16 Tafeln, die mit finanzieller Unterstützung der Landessparkasse zu Oldenburg erneuert worden sind. Foto: Speckmann

Historischer Streifzug durch die Innenstadt: Dr. Frank Käthler, Thomas Bröring, Annette Vetter und Kristian Kater (von links) präsentieren eine der 16 Tafeln, die mit finanzieller Unterstützung der Landessparkasse zu Oldenburg erneuert worden sind. Foto: Speckmann

Wer sich in diesen Tagen mit der Geschichte der Stadt Vechta beschäftigen möchte, hat es schwer. Das Museum im Zeughaus ist geschlossen, der Zugang zur Heimatbibliothek nur beschränkt möglich, Gästeführungen bis auf Weiteres gestrichen. Bleibt wohl nur die Recherche im Internet. Nein, weit gefehlt: Es gibt noch andere Möglichkeiten, um sich der Historie zu nähern, und zwar in Form eines Spaziergangs durch die Innenstadt. Zu Fuß auf den Spuren der baulichen, literarischen oder auch jüdischen Vergangenheit.

Viele Bürger kennen sicher die großformatigen Tafeln, die an ausgewählten Standorten in der Kreisstadt aufgestellt sind. Sie laden unter dem Titel „Vechta gestern und heute“ zu einer fotografischen Zeitreise ein. Zu sehen sind alte Aufnahmen von Häusern und Straßen, ergänzt durch informative Texte zur Geschichte der jeweiligen Schauplätze. Diese Tafeln erstrahlen jetzt in neuem Glanz.

Alle 16 Tafeln wurden erneuert

Die „Initiative Vechta – Verein für Stadtmarketing“ hat die Tafeln erneuert. „Einige Schilder waren desaströs“, berichtet Vorsitzender Thomas Bröring. Aufgrund der beschädigten Oberfläche hätten sich die Verantwortlichen dazu entschlossen, gleich alle 16 Stück auszutauschen. Die Arbeit hat der Bauhof in den Wintermonaten übernommen und bei dieser Gelegenheit auch gleich die Ständer instand gesetzt.

Anschauliche Bilder, informative Texte: Die Tafeln verraten viel über die Entwicklung der Stadt Vechta. Foto: SpeckmannAnschauliche Bilder, informative Texte: Die Tafeln verraten viel über die Entwicklung der Stadt Vechta. Foto: Speckmann

Einen Dank richtet die „Initiative Vechta“ an die Landessparkasse zu Oldenburg (LzO), die schon die Anschaffung der Tafeln im Jahr 2004 finanziert hatte und sich auch jetzt beim Kauf von etwas langlebigeren Ausführungen mit einer Spende in Höhe von 3.000 Euro erkenntlich zeigte. „Total freundlich und entgegenkommend“, lobt Bröring die spontane Zusage des Kreditinstituts.

Für Annette Vetter, Leiterin Privatkunden für den Landkreis Vechta bei der LzO, ist es eine Selbstverständlichkeit, dass ihr Haus die Kosten für die Erneuerung trägt. Sie würdigt vielmehr das Engagement des Vereins, der damals mit Unterstützung des inzwischen verstorbenen Walter Hoyer und weiteren Heimatfreunden die Tafeln in der Stadt aufgestellt hatte.

„Unsere Idee war, die Stadtentwicklung zu illustrieren“, erinnert sich Dr. Frank Käthler an die Geburtsstunde des Projektes. Im Heimatverein habe es damals eine große Bereitschaft gegeben, mitzumachen. Bei Rundgängen durch die Stadt hätten die Beteiligten geeignete Schauplätze ausgewählt. Bei der Beschaffung der Motive und Texte seien Stadt und Heimatbibliothek behilflich gewesen.

Heute können Passanten an den Stationen erkennen, wie sich die jeweiligen Straßenzüge und Häuser in Vechta und auch Langförden verändert haben. „Es hat sich einiges getan“, bestätigt Bürgermeister Kristian Kater (SPD). Er legt die Tafeln vor allem jungen Menschen ans Herz. Sie könnten erfahren, wie sich das Bild vielerorts gewandelt habe und worauf die heutige Stadtentwicklung aufbaue.

Stolpersteine erinnern an jüdische Familien

Die Texte auf den Tafeln helfen den Betrachtern bei der geschichtlichen Einordnung und erzählen auch etwas aus dem früheren Leben. Ein ganz wichtiger Punkt ist der Alte Markt, der sein äußeres Gesicht durch bauliche Umgestaltungen mehrfach verändert hat. Er gilt als Ursprung der Stadt Vechta. Hier, an der Kreuzung der mittelalterlichen „Rheinischen Heerstraße“ mit der sumpfigen Moorbachniederung, entstanden die ersten Ansiedlungen von Fuhrleuten, Händlern, Handwerkern und Krugwirten.

Stolpersteine: Es sind Erinnerungen an jüdische Familien in Vechta. Foto: SpeckmannStolpersteine: Es sind Erinnerungen an jüdische Familien in Vechta. Foto: Speckmann

Bei einem Stadtbummel lohnt es sich auch auf den Bürgersteig zu schauen. Stolpersteine erinnern an die Geschichte der Juden in Vechta. Die ersten Steine von Künstler Gunter Demnig wurden 2009 an der Füchteler Straße für die Familie Adolf Gerson und an der Straße Klingenhagen für die Familie Emanuel Gerson verlegt. Weitere Steinsetzungen folgten für die Familie Bloch an der Großen Straße und für die Familie Marx am Standort der ehemaligen Synagoge an der Juttastraße.

Laut Pressesprecher Herbert Fischer sind bei dem Projekt der Stadt Vechta in Kooperation mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit insgesamt 21 Stolpersteine verlegt worden. Thematisch dazu passend gibt es die Broschüre „Juden in Vechta“ von Peter Sieve. Sie liefert einen Überblick zur Geschichte der Synagogengemeinde Vechta und führt zum jüdischen Friedhof am Visbeker Damm sowie zu den damaligen Wohnorten der jüdischen Familien in Vechta.

Auf den Spuren von Rolf Dieter Brinkmann

Wer auf den Spuren eines bedeutenden Schriftstellers und Sohnes der Stadt Vechta wandeln möchte, kann die im vergangenen Jahr erschienene Broschüre „Durch Vechta mit Brinkmann“ zur Hand nehmen. Hier werden die wichtigsten Örtlichkeiten in Wort und Bild vorgestellt, die für Rolf Dieter Brinkmann prägend waren. Zu den Stationen zählen unter anderem Elternhaus, Theater und Gasthäuser.

Dieses Projekt hat die Stadt Vechta in Zusammenarbeit mit Professor Dr. Markus Fauser entwickelt. „Wir möchten zum einen die Menschen für das Thema Brinkmann begeistern“, sagt der Bürgermeister, „und zum anderen wollen wir den Literatur-Interessierten einen spannenden Wegweiser an die Hand geben, um Vechta als literarischen Ort neu zu entdecken und dabei einen Blick auf Vechta zu werfen, den sie so vielleicht noch nicht kannten.“

  • Info: Die Broschüren zu den Stadtrundgängen sind im Rathaus erhältlich. Zusätzliche Informationen gibt im Internet unter www.vechta.de.

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